Serie Denkanstoß In Gottes Armen gibt es keine Verlierer

Mönchengladbach · Die Sängerin Ann Sophie erlebte beim Eurovision Song Contest ein Debakel. Pfarrer Martin Gohlke erklärt im heutigen Beitrag, warum der letzte Platz aber auch etwas ganz Besonderes sein kann.

Das war ja der Hammer: Null Punkte für Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC). Damit konnte niemand rechnen. Unsere Interpretin Ann Sophie hatte zwar alles gegeben, ging aber dennoch leer aus. Nach dem tollen Erfolg von Lena Meyer-Landrut vor fünf Jahren ist das natürlich ein bitteres Ergebnis.

Ich habe mir das Spektakel im Fernsehen zwar nicht angeschaut, habe aber danach die Fotos vom ESC in der Zeitung gesehen. Erst stand unserer Interpretin das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, später nahm sie es mit Humor. Was blieb ihr auch anderes übrig? Schließlich ist Humor, wenn man trotzdem lacht. Ihre spontane Umdichtung des Gewinnersongs in "Zeros Of Our Times" war eine gute Idee. Vielleicht muss man den letzten Platz ja auch als etwas ganz Besonderes betrachten. Im Mittelfeld befindet man sich schnell. Aber auf den ersten oder auf den letzten Platz muss man erst mal kommen. Beim ersten Platz denken wir natürlich sofort an Nicole oder an Lena Meyer-Landrut. Die null Punkte sind ebenfalls eine Sensation und werden sich in unser Gedächtnis eingraben. All die anderen Lieder, die im Mittelfeld gelandet sind, werden uns nicht so schnell einfallen oder wir haben sie schon ganz vergessen.

Wir stellen fest: Eine Niederlage muss nicht immer eine Niederlage bleiben. Wenn es Ann Sophie gelingt, ihren Humor zu wahren und die Null als eine Besonderheit zu betrachten, hat sie eine Chance, sich weiterzuentwickeln. Wenn sie jetzt aber nur auf die Null starrt und sich von ihr niederdrücken lässt, landet sie unweigerlich in einer Sackgasse.

Jesus hat den Verlierern immer eine Chance eingeräumt, indem er den berühmten Satz formte: "Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten werden die Letzten sein."

Keinen hat Jesus aufgegeben. Den Verlorenen ist er nachgegangen. Denken wir nur an die Geschichte vom verlorenen Sohn, mit der er verdeutlichte, dass für Gott niemand verloren ist: Der Sohn wollte weg vom Vater und ließ sich das Erbe auszahlen. Bald hatte er alles verjubelt und landete bei den Schweinen. Da wurde ihm klar, dass er einen Fehler gemacht hatte, und wollte nur noch eines: zurück zu seinem Vater. Und wenn es sein musste, auch als Tagelöhner. Doch anders als erwartet kam der Vater von weitem angelaufen und fiel dem verloren geglaubten Sohn um den Hals. So wurde der, der ganz unten war, wieder erhöht. Gott lässt niemanden fallen. Jede und jeder erhält bei ihm eine neue Chance. Eine Null bleibt bei ihm keine Null, sondern aus ihr kann etwas Neues entstehen. Diese Tatsache kann uns Mut machen, wenn wir uns einmal ganz unten fühlen sollten und meinen: Es geht nicht mehr.

Gott kann uns wieder heraushelfen und uns zu neuen Wegen führen. Gott drückt uns nicht noch tiefer, wie manche Menschen es machen, wenn man schon am Boden liegt, sondern er reicht uns seine Hand. Dies ist gut zu wissen. Gott kann aus dem Scheitern etwas Gutes machen. Es kommt nur darauf an, nicht am Boden zu bleiben, sondern wieder aufzustehen. Gott will uns da helfen. Er ist immer für uns da. Ganz besonders ist er da für die Letzten, für die Nullen, für die "Zeros". Sie werden die Ersten sein

DER AUTOR IST 49 JAHRE, VERHEIRATET, HAT FÜNF KINDER UND IST PFARRER DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE WICKRATHBERG.

(RP)
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