Immer weniger preiswerte Wohnungen in Mönchengladbach

Analyse der NRW-Bank zum Wohnungsmarkt : Immer weniger preiswerte Wohnungen

Seit Jahren sinkt die Zahl der sozial geförderten Wohnungen in Mönchengladbach. Laut einer Prognose der NRW-Bank wird sie sich bis 2035 mehr als halbieren, wenn nicht neue gebaut werden. Die Stadt lehnt eine Quote ab.

In Mönchengladbach gibt es immer mehr Wohnungen, allerdings haben Menschen, die nur wenig Einkommen zur Verfügung haben, davon nicht allzu viel. Denn der Anteil an preisgebundenen Wohnungen ist erneut gesunken. Wie die NRW-Bank in ihrem jüngsten Wohnungsmarktprofil für Mönchengladbach berechnet hat, ist die Zahl an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern insgesamt in der Stadt auf genau 82.423 Einheiten im Jahr 2017 gestiegen. Im Jahr 2008 waren es noch 76.660 Wohnungen gewesen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 7,5 Prozent. In demselben Zeitraum ist der Anteil der mit staatlichen Mitteln geförderten und deshalb mietpreisgebundenen Wohnungen deutlich gesunken. 2008 waren es 9041 preisgebundene Wohnungen, 2017 waren es noch 7122 gewesen. Davon werden nach Berechnungen der NRW-Bank bis zum Jahr 2035 weitere 3800 aus der Mietpreisbindung fallen.

Wie schwierig die Lage in diesem Wohnsegment in Mönchengladbach ist, zeigt ein Vergleich mit NRW. Der Anteil an Sozialwohnungen in allen Mehrfamilienhäusern liegt in Mönchengladbach bei 8,6 Prozent. Landesweit sind es 9,4 Prozent. Und das obwohl in Mönchengladbach viele Menschen nur ein geringes Einkommen haben. Es gibt rund 19.300 Bedarfsgemeinschaften (also Familien, die Hartz IV beziehen). 14,9 Prozent der Gladbacher leben von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, NRW-weit sind das nur 9,4 Prozent. Allein im  Jahr 2017 beantragten 1722 Haushalte einen Wohnberechtigungsschein neu und waren demnach auf der Suche nach günstigem Wohnraum.

Ein Problem ist, dass die Fördermittel bereits seit Jahren nicht vollständig abgerufen werden. Investoren können sich günstige Kredite für Wohnungsbau derzeit auch auf dem freien Markt besorgen und verzichten dann lieber auf die Preisbindung für mehrere Jahrzehnte. Dabei ist die Zahl der Bewilligungen in den vergangenen Jahren durchaus wieder angestiegen.

Martin Dalz, Geschäftsführer im Verein Wohlfahrt, kennt aus seiner Arbeit die negativen Folgen, die diese Entwicklung des Wohnungsmarkts für Menschen mit geringen Einkommen hat: Er plädiert dafür, eine Quote einzuführen, die Investoren bei Neubauten verpflichten, einen bestimmten Anteil sozial geförderter Wohnungen zu errichten. In anderen Städten, etwa in Düsseldorf, gibt es solche Quoten seit langem. „Damit verbunden müsste aber eine andere Forderung sein“, so Dalz. Die so genannte Kostenmiete, die ein Vermieter maximal  bei sozial geförderten Wohnungen  verlangen darf, liegt über dem Satz, der über Jobcenter und Grundsicherung übernommen wird. Für diese Differenz müsse es Ausnahmen geben.

Für die Stadt wird die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt durchaus zum Problem, das sie genauer untersucht haben will. „Wir wollen fachlich wissen, wie es um den Wohnungsmarkt bestellt ist und in allen Stadtteilen klären, was genau eigentlich gebraucht wird“, sagt Bau- und Planungsdezernent Gregor Bonin. Dazu hat das Rathaus den Planungsbereich „Wohnraumbeobachtung“ eingerichtet, der im kommenden halben Jahr eine entsprechende Untersuchung erarbeiten und vorlegen soll. Das Ziel: „Eine Gesamtstrategie entwickeln“, so Bonin. „Wohnungen, die aus der Preisbindung fallen, nach starren Quoten eins zu eins zu ersetzen, das ist mir zu kurz gesprungen. Wir müssen genau schauen, wo welche Wohnungen sinnvoll sind und welche Art der Förderung in Betracht kommt.“ Überdies müsse man dem Problem begegnen, den Bestand an Wohnungen attraktiver zu machen. Potenzial ist vorhanden: Denn laut Erhebung der NRW-Bank stehen 4,7 Prozent der Wohnungen leer.

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