Mönchengladbach: Immer mehr Menschen sind psychisch krank

Mönchengladbach : Immer mehr Menschen sind psychisch krank

Die Krankenkasse DAK hat für Mönchengladbach, Krefeld und den Kreis Viersen einen Gesundheitsreport veröffentlicht. Alarmierend sei die Entwicklung vor allem bei den psychischen Erkrankungen.

Zum ersten Mal hat die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) einen umfassenden Gesundheitsreport für die Region Niederrhein herausgegeben. Demnach ist der Krankenstand in Gladbach leicht gesunken. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen um 0,2 Prozentpunkte ab. Mit einem Krankenstand von 3,9 Prozent liegt die Region jedoch weiterhin knapp über dem NRW-Landesschnitt (3,8 Prozent). Trotz des leichten Rückgangs sei die Entwicklung im Bereich der psychischen Erkrankungen weiter alarmierend, sagt Gladbachs DAK-Chef Harald Prager.

Der DAK-Gesundheitsreport umfasst die Städte Mönchengladbach, Krefeld und den Kreis Viersen und ist einer von insgesamt 27 Regional-Reporten für Nordrhein Westfalen. Die Ergebnisse der Studie ergeben sich aus der Summe aller Krankschreibungen von DAK-Versicherten in der Region.

Wohingegen psychische Erkrankungen noch vor einigen Jahren eine untergeordnete Rolle beim Krankenstand einnahmen, sind sie inzwischen auf Platz zwei der Erkrankungen aufgerückt. An erster Stelle stehen mit 23 Prozent nach wie vor Muskel- und Skeletterkrankungen wie etwa Rückenleiden, Bandscheiben oder Knieprobleme. Doch am zweithäufigsten werden die Arbeitnehmer in Gladbach, Krefeld und dem Kreis Viersen inzwischen aufgrund von psychischen Problemen krankgeschrieben (17,3 Prozent). Auch im Landesvergleich kommt die Region nicht gut weg: Die Zahlen bei den psychischen Erkrankungen liegen deutlich oberhalb des NRW-Schnitts.

"Die Zunahme der Arbeitsunfähigkeiten im Bereich der psychischen Erkrankungen ist seit Jahren die auffälligste Entwicklung", sagt DAK-Sprecher Rainer Lange. Ein Blick auf die Zahlen belegt diesen Trend: Von 2000 bis 2012 nahm die Zahl der Fehltage in NRW aufgrund von psychischen Problemen um 90 Prozent zu. Diese Entwicklung sei mit keinem anderen Krankheitsbild zu vergleichen.

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung spiele dabei jedoch die "Diagnose" Burn-out keine nennenswerte Rolle. "Auf eine Krankschreibung wegen Burn-out kommen acht Krankschreibungen wegen Depressionen", so Lange.

Für Dr. Stephan Rinckens, ärztlicher Direktor der Rheinischen Kliniken Mönchengladbach, ist die Psyche abhängig vom inneren Gleichgewicht: "Körper, Geist und Außenwelt — nur wenn wir diese Ebenen ausbalancieren, gelingt es uns, unser psychisches Gleichgewicht zu halten." Ändern sich die äußeren Einflüsse, könne sich das schnell auf die Psyche auswirken.

Daher führt der Fachmann die Zunahme an psychischen Erkrankungen unter anderem auf die veränderten Anforderungen der Gesellschaft zurück. "Wenn man sich unsere Geschichte anschaut, dann hatten die Jäger und Sammler, die Krieger, die Bergvölker und auch die Menschen in der frühen Industriezeit mit jeweils anderen Anforderungen zu kämpfen. Dasselbe gilt für uns heutzutage. Wenn sich die Anforderungen ändern, verändern sich auch die Krankheitsbilder", erläutert der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. In einer Wirtschaftsregion wie Gladbach, die seit 30 Jahren in der Krise stecke, äußere sich das auch im Bereich der psychischen Erkrankungen. "Es ist nicht der Leistungsdruck, der Menschen depressiv macht, sondern die Perspektivlosigkeit", ergänzt er.

Für Rinckens bestehe im Bereich der Suchterkrankungen zugleich das Risiko für eine psychische Erkrankung: "Junge Menschen mit geringer Schulbildung, denen der Zugang zum Arbeitsleben verwehrt bleibt." 2012 wurden in der LVR-Klinik in Mönchengladbach 2280 Personen stationär behandelt — das waren rund 100 Patienten mehr, als noch im Vorjahr.

(RP)
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