Serie Was Macht Eigentlich?: Immer lustig im Schatten des großen Elefanten

Serie Was Macht Eigentlich? : Immer lustig im Schatten des großen Elefanten

Hans-Peter Jansen ist einer der bekanntesten Figuren des Mönchengladbacher Brauchtums. Der Holter war ein Vierteljahrhundert die rechte Hand des großen Karnevals-Bosses Bernd Gothe - mit großem Herz und der Leidenschaft für den Veilchendienstagszug.

Immer Lustig: Das steht für Gladbachs größte Karnevals-Sitzung, und die gibt es gleich im Doppelpack. Jedes Jahr zweimal 2000 Besucher, fast nur Frauen, immer ausverkauft - die legendäre Hausfrauen-Sitzung der Holter Karnevals-Gesellschaft Immer Lustig. "Hier, in der Turnhalle am Heidegrund, habe ich Karneval richtig kennengelernt", sagt Bernd Gothe, der anfangs noch ein wenig "steife" Rheydter Prinzgardist, der zur Galionsfigur des organisierten hiesigen Narren-Brauchtums werden sollte: als Erster Vorsitzender des Mönchengladbacher Karnevals-Verbandes, kurz MKV, der Dachverband von 42 närrischen Vereinen dieser Stadt. "Eingeführt" in Holt hatte Gothe 1991 ein Mann, der einen Kopf kleiner, helle und begeisterungsfähig ist, dazu ein sehr großes Herz längst nicht nur für den Karneval hat: Hans-Peter Jansen, heute 73 Jahre - nicht alt, sondern jung geblieben. Der selbstständige Maler- und Lackierermeister hatte 1970 mit seinen Freunden Friedel Gehlen und Hans Lindemann die 1935 gegründete und über den Krieg eingeschlafene KG Immer Lustig wiederbelebt und das Präsidentenamt übernommen. Eine Entscheidung, die seinem Privatleben eine nicht direkt geplante Richtung geben sollte.

"Denn meine Freunde und ich waren von Jugend an Mitglieder der Schützenbruderschaft St. Michael Holt", erzählt Hans-Peter Jansen. "Und da hatte ich ein großes Ziel: Schützenkönig zu werden, wie es schon mein Großvater Peter Mühlen 1928 gewesen war." Das wurde Enkel Hans-Peter dann endlich auch: 1985, im 13. Anlauf auf die Königswürde, in der 13. Runde mit dem 13. Schuss, wie man bei den Holter Schützen erzählt.

Vier Jahre später bekam Hans-Peter Jansen ein neues Amt im Brauchtum, diesmal mit ganz großer Öffentlichkeits-Wirkung. Der immer lustige Holter wurde 1989 Mönchengladbachs Karnevalsprinz: Hans-Peter I. mit seiner Frau Gertrud als Prinzessin Niersia XLIV (die 44.) an seiner Seite. Nochmals zwei Jahre später ließ er sich noch mehr vereinnahmen. Er wurde als zweiter Vorsitzender des MKV die rechte Hand Bernd Gothes. Und aus dem Karneval entstand eine echte Männer-Freundschaft, die sich auch in schweren Stunden bewährte und Halt gab.

"Mer donnt wat w'r könne": Der große Elefant und sein Stellvertreter im MKV, Bernd Gothe und Hans-Peter Jansen. Foto: HPJ

"Hans-Peter hat das Herz auf dem richtigen Fleck. Ein Mann, der auch mal eine Träne vergießt, ohne sich dessen zu schämen", sagt Bernd Gothe: "Ein Familienmensch mit aufopferungsvoller Hingabe, wie ich sie erlebt habe, als sein Sohn schwer erkrankte und mein Sohn starb. Hans-Peter schafft es auch, Menschen wieder zusammenzubringen, die Dissonanzen haben - wie es auch im Karneval schon mal vorkommt. Da ist eine solche Gabe, wie Hans-Peter sie hat, sehr wertvoll." Fast ein Vierteljahrhundert, von 1991 bis 2015, haben Gothe und Jansen den Mönchengladbacher Karnevalsverband gemeinsam geführt.

Ein Duo, das sich blind verstand und die Zuständigkeiten problemlos regelte. "Ich habe beim MKV 24 Jahre im Schatten eines großen Elefanten gestanden", sagt Jansen, der immer noch lustige Holter und nun seit zwei Jahren im närrischen Ruhestand. In den Hintergrund gedrängt fühlte sich der im Vergleich zu Gothe körperlich kleinere Jansen aber keineswegs: "Bernd hat sich auf der ersten Etage bewegt, er war vor allem für die Finanzen zuständig. Ich war in Parterre am Zug", schildert Jansen die Aufteilung. "Und das hat wunderbar funktioniert."

Früh übt sich ...: Vogelschuss im Kindergarten. Foto: Ilgner Detlef

Sein "Job" und seine Leidenschaft waren vor allem der Veilchendienstagszug, Höhe- und Schlusspunkt des Mönchengladbacher Karnevals. Doch es gibt beim MKV weit mehr zu tun: "Und zwar das ganze Jahr. Am Aschermittwoch fängt schon die neue Session an." Da sind Gespräche mit und Besuche bei den 42 Karnevals-Gesellschaften des MKV, Verhandlungen mit der Stadt, die Planung des nächsten Veilchendienstagzugs, in Kurzform VDZ genannt. Und schließlich der Wagenbau: Jedes Jahr werden drei, vier neue Motto- und Motivwagen nach Vorschlägen von Bernd Gothe und Vereinen geschaffen. "Jürgen van Nieuwenhofen, Jost Fünfstück und ich machen uns seitdem über die Umsetzung Gedanken. Wir sind seit vielen Jahren ein wirkliches Team" sagt Jansen. Horst Goldap mit seiner Kolonne baut schließlich die Wagen. Und alle hoffen, dass nicht schon wieder Vandalen nachts in die Halle am Fleener Weg einbrechen und das Werk sinnlos zerstören - wie bereits dreimal geschehen. Vor zwei Jahren hat der Stellvertreter sich zurückgezogen: "Ich habe mein Amt nicht niedergelegt, sondern nicht mehr für eine Wiederwahl kandidiert", betont Jansen. "Es müssen ja auch mal Jüngere ran. Dafür habe ich Platz gemacht." Bernd Gothe ist immer noch dabei - "aber auch nur noch für ein Jahr", weil sich immer noch kein Nachfolger gefunden hat: "Nach dieser Session ist aber Schluss. Endgültig", hat Gothe gesagt.

Hans-Peter Jansen ist auch noch nicht ganz weg vom MKV. Er ist vor zwei Jahren vom Amt des stellvertretenden Vorsitzenden in den Beirat gewechselt. Und hat nun endlich mehr Zeit für die Familie, die ein Vierteljahrhundert "ein wenig" zu kurz gekommen ist, aber immer Verständnis für Vaters großen Einsatz hatte - auch, weil sie alle selbst bei Immer Lustig engagiert sind: Ehefrau Gertrud (die Prinzessin von 1989), die Töchter Petra (48 Jahre, einst Stadt-Kinderprinzessin), Yvonne 43, Vizepräsidentin des Damen-Elferrats)und Sohn Torsten (35, Geschäftsführer des Vereins). Er wird als Maler-, Lackierer und Glasermeister die Geschäftsführung des seit 1948 in Holt bestehenden Familienbetriebs "Hermann Jansen Söhne" vom Vater übernehmen.

(RP)