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Mönchengladbach: Immer in der Spur geblieben

Mönchengladbach : Immer in der Spur geblieben

Uwe Bolten galt in den 70er Jahren als eines der ganz großen deutschen Radsporttalente, wurde mal in einem Atemzug mit Didi Thurau genannt. 14 Jahre lang fuhr der gebürtige Hardter Rennen als Profi, den ganz großen Durchbruch schaffte er aber nie.

Zwei-, dreimal in der Woche holt Uwe Bolten noch sein Rad heraus und fährt allein oder mit ein paar Kumpels durch Köln und Umgebung. Mal nur an die 40, mal bis zu 140 Kilometer. Ohne Stress und übermäßigen Ehrgeiz. "Wenn wir in der Gruppe fahren, haben wir natürlich schon Tempo drauf", sagt der 52-Jährige. Keiner der gemächlichen Hobbyfahrer, keiner der ambitionierteren Sportler und wahrscheinlich nicht mal ein Amateur-Radsportler, der dem nicht mehr ganz so schlanken Mann begegnet, ahnt, dass der mal vom legendären Bundestrainer Karl Ziegler "auf die gleiche Stufe wie Didi Thurau oder Gregor Braun" gestellt worden ist.

Das war 1978. Uwe Bolten war noch 18 und fuhr noch für den RV Schwalbe Mönchengladbach Straßenrennen. Ein Jahr später fuhr er in der Nationalmannschaft im deutschen Straßenvierer bei der Weltmeisterschaft, die als Siebter allerdings etwas enttäuschte. Im Einer-Straßenfahren landete er anschließend auf Platz 39 – als bester Deutscher. Einen Tag darauf drückte er wieder in Gladbach die Schulbank des Stiftisch Humanistischen Gymnasiums, wo er nicht viel später sein Abitur machte. Ein Jahr später wurde er Radsportprofi – und blieb es 14 Jahre.

Didi Thurau, fünf Jahre älter als Uwe Bolten, wurde Deutscher "Sportler des Jahres", fuhr bei der Tour de France 1977 15 Tage im Gelben Trikot und war am Ende Fünfter – ein ganz kurzer Auszug aus seiner langen Erfolgsliste, die allerdings gegen Ende von Doping-Verstößen getrübt wurde. Gregor Braun, vier Jahre jünger als der Gladbacher, war u. a. viermal Weltmeister, zweimal Olympiasieger und ebenfalls Deutschlands Sportler des Jahres. Zwei Sportler, die in den 70er Jahren im berühmten "Kilian-Vierer" olympisches Gold holten und in Deutschland den Radsport in den Blickpunkt rückten.

Uwe Bolten ist der hohen Einschätzung des Bundestrainers Karl Kilian nicht ganz gerecht geworden. "Deutscher Meister war ich nie, nur dreimal Zweiter. Und 1989 habe ich ,mit dem Australier Danny Clarke in Stuttgart das Sechstagerennen gewonnen": Das nennt er als seine größten Erfolge. Zu Olympischen Spielen kam er nicht, weil er schon mit 20 Profi wurde. Zufrieden mit seinem Leben war und ist Uwe Bolten trotzdem. Eher nebenbei fügt er ein Ereignis an, das nachhaltig seine Karriere störte: "Mit 22 oder 23 Jahren, als es gerade so richtig bei mir zu laufen begann, bin ich beim Training von einem Auto angefahren worden. Dabei habe ich einen Oberschenkelhalsbruch erlitten, von dem ich mich nie zu 100 Prozent erholt habe."

Profirennen gefahren ist Uwe Bolten trotzdem bis 1993. Wohl auch, weil die Liebe zum Radsport ihm in die Wiege gelegt wurde: Sein Vater Herbert war 1947 zusammen mit Karl-Heinz Deckers deutscher Vizemeister auf der Bahn. Der Sohn blieb auch dabei, weil man als Radprofi nicht schlecht verdiente. "Wesentlich mehr wurde es aber erst Anfang der 90er Jahre, als es deutsche Teams gab und zum Beispiel die Telekom einstieg."

Bei einem späteren Schwesterunternehmen der Telekom arbeitet Uwe Bolten heute als Innendienstler: bei der Post. Ein Job, der Zeit lässt für die 14 und 20 Jahre alten Söhne, mit denen er seit der Scheidung in Köln lebt. Und für zwei oder drei Touren pro Woche auf dem Rad – und die Fahrten nach Mönchengladbach. Zu den Eltern in Hardt und in den Borussia-Park. "Ich wohne zwar in Köln, aber mit dem FC habe ich nichts am Hut. Ich bin nach meiner Zeit als Radprofi Borussenfan geworden, habe seit knapp zehn Jahren auch eine Jahreskarte." Diesmal habe er allerdings gezögert mit der Bestellung, gibt Uwe Bolten zu: "Die letzte Saison war ja bis auf den Schluss sehr enttäuschend. Aber dann habe ich mir doch wieder eine gekauft." Als langjähriger Radsportprofi weiß der 52-Jährige ja, dass auf Tiefs Hochs folgen können.

(RP)