Mönchengladbach: Imat-Uve: China und Monforts-Quartier

Mönchengladbach: Imat-Uve: China und Monforts-Quartier

Der Entwicklungs- und Testdienstleister bezieht dieser Tage nach längerer Suche seine neue Niederlassung in Shanghai, auch in Shenyang wird ein Standort gesucht. Im Monforts-Quartier entsteht bis Jahresende eine Material-Bibliothek.

Ende 2002 kehrte ein einst in Mönchengladbach gegründeter Betrieb aus Neuss zurück in die Heimat, genauer: in das ehemalige Toshiba-Gebäude an der Krefelder Straße. Die rund 20 Angestellten des Chemieunternehmens kümmerten sich nicht zuletzt darum, Trinkwasserproben zu analysieren. Zwölf Jahre später sitzt an selber Stelle ein weltweit 150 Mitarbeiter starker Entwicklungs- und Testdienstleister, der für Kunden wie Daimler, VW und BMW Oberflächenmaterialien entwickelt, Designunterstützung und Trendforschung betreibt und Materialien und Komponenten prüft.

Der Name des ersten Unternehmens: Imat-Uve. Der des zweiten: Imat-Uve. Es ist dieselbe Firma - sie hat lediglich eine nicht unerhebliche Metamorphose hinter sich. "Wir sind mal als Prüflabor gestartet, als verlängerte Werkbank", sagt Geschäftsführer Dr. Hans Peter Schlegelmilch. "In den letzten fünf Jahren haben wir uns dann von etlichen Geschäftsbereichen getrennt." Um sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Und um mit dem Wachstum Schritt zu halten, das Imat-Uve hinter sich hat und das - die zwischenzeitlichen Einschnitte durch die Wirtschaftskrise 2008/2009 ausgenommen - ungebrochen anhält.

Gleichgeblieben ist aber eines: Das Unternehmen ist räumlich gesehen ein Flickenteppich. Das beginnt am Hauptsitz an der Krefelder Straße, setzt sich an etlichen Kleinstandorten fort und endet in China, wo sich Imat-Uve seit einigen Jahren engagiert. In Shanghai gibt es das eigene Büro, den Joint-Venture-Partner, und darin eingebettet dann das eigene Joint Venture - mehr als 25 seiner Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen bereits in China.

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Ab September soll nun alles geordneter werden. "Wir haben endlich einen Standort gefunden, vor den Toren von VW", sagt Schlegelmilch. Vorausgegangen war eine lange, zähe Suche, die wie ein Lehrstück über chinesische Bürokratie klingt. In dem fünfstöckigen Gebäude im Shanghaier Boom-Bezirk Anting bezieht Imat-Uve nun zunächst über 2000 Quadratmeter in den unteren beiden Etagen. "Und die drei darüber sind für uns reserviert", sagt Schlegelmilch. Weiterem Wachstum in China stehen also keine räumlichen Beschränkungen im Wege. Zudem ist ein zweiter Standort in Shenyang in Nordostchina geplant, wo BMW produziert. Die Hintergründe des Fernost-Engagements liegen auf der Hand: China ist für die Automobilbranche längst kein Beschaffungsmarkt mehr, sondern in erster Linie ein interessanter Absatzmarkt geworden. Und zum einen sorgt die Regierung dafür, dass die Produktion von Absatzgütern dann auch bitte vor Ort stattzufinden hat ("Dafür reicht nicht mal eben die Endmontage, das muss schon ein nennenswerter Teil der Wertschöpfungskette sein", sagt Schlegelmilch), zum anderen legen die Autobauer Wert auf räumliche Nähe zu ihren Zulieferbetrieben. Und daher machte Imat-Uve einst das "Abenteuer Osteuropa" mit, als die Autobauer dorthin gingen, es eröffnete 2003 Dependancen in Spanien, Wolfsburg und Stuttgart, immer in der Nähe namhafter Automobilhersteller.

Doch auch innerhalb Mönchengladbachs zieht Imat-Uve um: Die Materialbibliothek, die bisher ziemlich versteckt bei BMW Kirsch an der Krefelder Straße ihr Dasein fristet, wird ins Monforts-Quartier verlagert und repräsentativer gestaltet (sie entsteht analog auch in Shanghai, in den USA wird ein weiterer Standort dafür gesucht). "Im rechten Teil des Direktorenhauses beziehen wir 350 Quadratmeter", sagt Schlegelmilch. Bis Jahresende soll die Bibliothek fertig sein - "obwohl sie streng genommen nie fertig wird". Denn sie sei keine museale Rückschau auf in der Vergangenheit Geleistetes, sondern ein optisch-haptischer Ansporn für noch zu Leistendes. "Dahinter steckt ja eine Entwicklungsabteilung. Wir wollen darüber noch mehr als bisher in Kontakt mit Menschen kommen, die innovativ in Richtung Zukunft denken", sagt Schlegelmilch. Wird die Metamorphose bei Imat-Uve also zum Dauerzustand? "Wer sich nicht weiterentwickelt, steht still."

(RP)
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