Mönchengladbach: Im Zentrum der Textilindustrie

Mönchengladbach : Im Zentrum der Textilindustrie

Die Trauer um den Sohn muss überwältigend gewesen sein. Warum sonst hätte der Textilfabrikant Franz Brandts für seinen Erstgeborenen eine Kapelle errichten lassen? Rudolf Brandts war an Tuberkulose gestorben. Nach seinem Tod entstand 1896 das neugotische Gebäude auf Brandts Firmengelände inmitten der Arbeitersiedlung von Waldhausen – als Kapelle St. Aloysius. Im Volksmund setzte sich der Name Brandts-Kapelle durch. Nach dem Mitgründer des Volksvereins für das katholische Deutschland.

Die Trauer um den Sohn muss überwältigend gewesen sein. Warum sonst hätte der Textilfabrikant Franz Brandts für seinen Erstgeborenen eine Kapelle errichten lassen? Rudolf Brandts war an Tuberkulose gestorben. Nach seinem Tod entstand 1896 das neugotische Gebäude auf Brandts Firmengelände inmitten der Arbeitersiedlung von Waldhausen — als Kapelle St. Aloysius. Im Volksmund setzte sich der Name Brandts-Kapelle durch. Nach dem Mitgründer des Volksvereins für das katholische Deutschland.

Dass ein Privatmann eine eigene Kapelle errichtet, "war ein Novum und ist bis heute einzigartig in Gladbach", sagt Heimatforscher Heinz Habrich. Der 81-Jährige schreibt Bücher über Kapellen und Kirchen in Gladbach. Obwohl er privat baute, hatte Franz Brandts Ärger mit dem Staat. Der Bau sei zwar privat, teilte der Landrat mit, aber die Nutzung nicht. "Der preußische Amtsschimmel wieherte", sagt Heinz Habrich. Nach einem zweijährigen Hin und Her willigte der Staat ein.

Franz Brandts sah sich als Verbündeter seiner Arbeiter. Die Sonntagsmessen feierten er und seine Frau Maria folglich mit ihnen — ohne in einem abgesperrten Sitzbereich Platz zu nehmen.

Kreuzwegstationen auf Kupfer

Viele Originalteile sind heute noch in dem einschiffigen Backsteinbau zu finden, zum Beispiel die aufwändigen Malereien: an der Wand, ähnlich einer Tapete in blau, braun und rot, florale Malereien an den Spitzbögen, die Aposteln an den Seitenwänden, die Kreuzwegstationen auf Kupfer. "Eine Seltenheit", sagt Heinz Habrich. Dann die Bodenfliesen in Weiß und Blau und die Kommunionbank. Die Engelsfiguren Bonifatius und Benediktus neben dem Haupttor. Ihre Spruchbänder erinnern an den verstorbenen Rudolf und an eine Verbindung von Religion und Arbeit. Von einer Romreise brachte Franz Brandts für den Altar eine Reliquie des Heiligen Aloysius mit. Der heutige, grüne Altaraufsatz wurde erst später gekauft. Zwei Teilstücke des Originalaltars sind noch im vorderen Teil des Kapellenschiffes. Sie zeigen den Patron der Jugend, den Heiligen Aloysius, der Pestkranke pflegte, bis er selbst an der Seuche starb. Mit 21 Jahren, wie Brandts Sohn Rudolf.

Die Kapelle wurde nie als Pfarrkirche genutzt, dafür aber für Schulgottesdienste, Trauungen und Taufen. Die spanische Gemeinde betete hier, bis heute die italienische Mission. Vor anderthalb Jahren etwa stieß der Volksverein als Hauptnutzer hinzu. Das Aloysiusstift nebenan wurde an die Stiftung Volksverein als "Treff am Kapellchen" (TaK) vermietet.

Und Familie Brandts? Der liegt das Wohl der Kapelle immer noch am Herzen. Sie spendet für die weitere Sanierung und will bei der Instandhaltung des Kindergartens St. Aloysius helfen. An den Erbauer Brandts und seinen Sohn Rudolf erinnert die Grabstätte hinter der Kapelle. Daran hält die Familie weiter allein die Rechte.

(RP)
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