Mönchengladbach: Im Stechschritt über die Ampel

Mönchengladbach : Im Stechschritt über die Ampel

Die Grünphasen an Gladbachs Fußgängerampeln sind zum Teil so kurz, dass es Passanten unmöglich ist, die Straße rechtzeitig zu überqueren. Die Stadt verweist jedoch auf eine Richtlinie, die die Zeitintervalle vorschreibt. Es werde damit sogar großzügiger umgegangen als nötig.

Wer in Mönchengladbach als Fußgänger noch bei grünem Ampellicht die andere Straßenseite erreichen will, muss oftmals die Beine in die Hand nehmen. Da kommen nicht nur ältere Herrschaften ins Schwitzen. In Eicken an der Neuhofstraße/Ecke Regentenstraße etwa dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis die Ampel für Fußgänger auf Grün springt. Mindestens zwei Autogrünphasen müssen sie warten.

Den meisten ist das allerdings zu lästig. Sie gehen einfach bei Rot. Wartet man das Signal zum Gehen aber doch ab, bleiben elf Sekunden, um bei Grün auf de andere Straßenseite zu kommen. Das klappt bei normalem Gehtempo so gerade.

Ähnlich sieht es in der Nähe des Rheydter Marktplatzes aus. Fußgänger, die die Limitenstraße überqueren wollen, um zur Stresemannstraße zu gelangen, sollten sich an der Ampel auch nicht allzu viel Zeit lassen. In 13 Sekunden sollte der erste Teilabschnitt überwunden sein, 27 Sekunden hat man für den gesamten Gehweg. Das schaffen die wenigsten.

Rita Dahlmann benutzt den Überweg fast täglich. Sie geht meist in zwei Etappen. Denn mit ihrem Rollator schafft die ältere Dame es kaum in der kurzen Zeit auf die andere Straßenseite. "Ich habe mich schon fast daran gewöhnt, bei Rot anzukommen", sagt die 77-jährige Rheydterin. "Die meisten Autofahrer, die hier abbiegen wollen, haben durchaus Verständnis und warten, wenn ich noch nicht drüben bin", sagt sie. Ab und zu werde sie auch einmal angehupt. "Aber solche Autofahrer gibt es ja immer mal", sagt die Seniorin.

In Rheindahlen ist gar Stechschritt bei der Straßenüberquerung angesagt. Wer die Mennrather Straße/Ecke Max-Reger-Straße kreuzen will, muss das in ziemlich genau acht Sekunden tun.

Die Stadt verweist auf die Richtlinie für Licht- und Signalanlagen (RiLSA). Danach müssen die Anlagen den darin vorgegebenen Normen entsprechend eingestellt werden. "Die Richtlinie sieht vor, dass der Fußgänger, der in letzter Sekunde der Grünphase den Fußgängerüberweg betritt, diesen noch bis zur Hälfte mit Grünzeichen zurücklegen kann", sagt Stadtsprecher Walter Schröders. Danach beginne die so genannte Schutzzeit, also die Zeit, die vorgegeben ist, bis die Ampeln für Pkw auf Grün schalten. "In Mönchengladbach geht man über diese Mindestvorgabe der RiLSA hinaus. Die Ampelphasen sind so eingestellt, dass der Fußgänger sogar zwei Drittel der Fahrbahn überqueren kann, bevor die Schutzzeit beginnt", sagt Schröders.

Handlungsbedarf besteht also nach Ansicht der Stadt nicht. Doch auch in der Innenstadt müssen die Passanten ein ordentliches Tempo vorlegen, wenn sie andere Straßenseite rechtzeitig erreichen wollen. An der Kreuzung Bismarckstraße/Steinmetzstraße sollen Fußgänger in zwölf Sekunden drüben sein. In normalem Gehtempo braucht man aber fast doppelt so lang für den Weg. Gelegentlich kommt es also vor — und das nicht nur bei Menschen, die langsam zu Fuß sind — dass die Pkw-Ampel bereits auf Grün geschaltet hat, bevor der Fußgänger den Bürgersteig erreicht hat.

(RP/rl/top)
Mehr von RP ONLINE