Geschichte der Gladbacher Bruderschaft: Im Jubiläumsjahr ist eine ganze Familie König

Geschichte der Gladbacher Bruderschaft : Im Jubiläumsjahr ist eine ganze Familie König

Die St. Josef Schützenbruderschaft wird 125 Jahre alt. Stephan Horn und seine Söhne Mike und René sind die Majestäten in Geistenbeck.

Im Jahr 1892 trafen sich in Geistenbeck einige Männer und planten die Gründung eines Schützenvereins. Als klar war, dass man sich der Hilfe des damaligen Dechants Monsignore Ludwig Wiedemann der Pfarre St. Laurentius sicher sein konnte, kam es am 12. Februar 1893 zur Gründungsversammlung.

Dass aus dem Schützenverein St. Josef, der sich in sportlichen Schießwettbewerben mit anderen Vereinen maß, einmal eine Bruderschaft wird, in der es fast so viele Frauen wie Männer gibt, und in der beim 125-jährigen Bestehen eine ganze Familie alle Königsämter bekleidet, hat sicher niemand gedacht. Groß gefeiert wird das Jubiläum in Geistenbeck nicht. Stolz ist man aber auf Familie Horn. Stephan Horn ist König, sein Sohn Mike ist Prinz, Sohn René Schülerprinz und Tochter Jennifer Ritterin des Prinzen. Geplant war das nicht.

1925 wurde die Geistenbecker Kirche eingeweiht. Dabei weihte man damals auch die Fahne der Bruderschaft. Foto: Bruderschaft

Alle drei Majestäten hatten beim Vogelschuss im vergangenen Jahr jeweils einen Mitbewerber. "Den Vogel runter zu schießen, das ist natürlich Glück", sagt Stephan Horn. Als der 46-Jährige ans Gewehr trat, wusste er noch nicht, dass seine Söhne bereits ihre Wettbewerbe gewonnen hatten. Die gemeinsame Vorstellung als Majestäten für 2018 sei dann sehr emotional gewesen. Stephan Horn ist erst seit 20 Jahren Schütze.

Der Metzger wurde an einer Theke angesprochen, ob er mitmachen möchte. Seine Kinder wuchsen dann mit dem Brauchtum auf. Und sie haben alle Erfahrung in Königsämtern. Tochter Jennifer (22) war 2012 Schülerprinzessin und 2013 und 2017 Prinzessin. Sohn Mike (18) war 2013 Schülerprinz. René Horn (16) hat zum ersten Mal ein Amt inne. Und dann ist da noch Nico Horn. Er war 2016 Prinz und im vergangenen Jahr Ritter des Bezirksprinzen.

Die Parade findet morgen Abend um 18.15 Uhr auf der Steinsstraße statt. Das ist ein historischer Ort, denn schon 1928 hielten die Bruderschaftler dort ihre Festparaden ab. Foto: Bruderschaft

"Wir versuchen, ein schönes Schützenjahr zu haben", sagt Stephan Horn, der in seinem ersten Jahr das Marschieren mühsam lernen musste. Die Residenz neben dem Pfarrheim am Stapper Weg haben sie gemeinsam mit den Schwarzen Husaren aufgebaut. Zuhause sind die Majestäten allerdings in Rheydt. Dass die Konstellation einer ganzen Familie in Königsämtern nicht alltäglich ist, wissen die Horns. Und darum freuen sie sich besonders auf das Wochenende, wenn die St. Josef Schützenbruderschaft feiert. Los ging es bereits gestern Abend mit einer Partynacht im Festzelt. Dass sie heute feiern können, verdanken sie den Mitgliedern der ersten Jahre.

Die beschlossen nämlich 1912, dass es jährlich ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons geben soll. Im Ersten Weltkrieg setzten die, die nicht an die Front mussten, das Vereinswesen fort. 1923 feierte man nicht nur das 30-jährige Bestehen, sondern auch die Grundsteinlegung der Kirche Heilig Geist, an deren Bau sich die Schützen beteiligten. 1925 war sie fertig, und bei ihrer Einweihung wurde auch die neue Fahne geweiht. Zur Bruderschaft wurde der Schützenverein erst 1927. Pfarrrektor Franz Rixen war der erste Präses.

1928 hieß der Geistenbecker Schützenkönig Werner Kirchrath. Das Bild zeigt die Schützen beim Fest in diesem Jahr. Foto: Bruderschaft

Die Jahre nach dem Zweiten Krieg gestalteten sich schwierig. Das Feiern war den Schützen zunächst verboten. Erst 1958 gab es mit dem Vorsitzenden Wilhelm Meuser wieder einen Schützenkönig. Den ersten Nachkriegs-Prunkumzug gab es aber erst ein Jahr später. 1962 stellte die Bruderschaft mit Dieter Vieten erstmals einen Bezirkskönig.

Seit 1965 wird die Totenehrung am Ehrenmal ausgerichtet, das der Bürgerverein erbauen ließ. 1975 wurde Johannes van der Vorst Pfarrer in Geistenbeck. Er ist es bis heute - und dem Stadtteil und der Bruderschaft eng verbunden. 1981 öffnete man sich den Frauen. Im selben Jahr erfolgte die Grundsteinlegung der neuen Geistenbecker Kirche.

Bis erstmals eine Frau Königin der St. Josef Schützenbruderschaft wurde, dauerte es aber noch 16 Jahre. 1997 hatte Marianne Lack das Amt als erste inne. "Heute haben wir 200 Mitglieder, davon sind 70 Frauen. Wir haben 72 aktive Männer und 44 aktive Frauen", sagt Pressewart Rolf Wateler. Das jüngste Mitglied der Geistenbecker Bruderschaft ist vier Jahre alt, das älteste Mitglied 88 Jahre. Und alle feiern gemeinsam Schützenfest.

(RP)