Mönchengladbach: Im Dauer-Kampf gegen Graffiti

Mönchengladbach: Im Dauer-Kampf gegen Graffiti

Nicht nur die Polizei, auch Graffiti-Entferner wie die Gebäudereinigung Steppkes registrieren mehr Schmierereien. Die Folge ist ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Sprayern. Nun macht die Firma ihnen ein ungewöhnliches Angebot.

Sechsmal in den vergangenen fünf Jahren wurde das Haus einer Eickenerin mit Graffiti beschmutzt. Im vergangenen November verschmierten Unbekannte in einer einzigen Nacht gleich 19 Häuser und Garagen in Giesenkirchen. Zwei Fälle, die exemplarisch dafür stehen, dass die Polizei eine Zunahme dieser Form des Vandalismus verzeichnet: Bis August gab es bereits 222 Fälle, im Jahr zuvor waren es in den ersten acht Monaten noch 183 Anzeigen gewesen.

Für Firmen wie die Gladbacher Gebäudereinigung Steppkes, könnte man sich vorstellen, ist diese Entwicklung ein zweischneidiges Schwert — denn Sprayer bedeuten gewissermaßen Kundschaft. Tim Steppkes, für das operative Geschäft zuständig, spricht lieber von einer "Art Katz-und-Maus-Spiel": Während die Sprayer ständig mit neuen Materialien zu Werke gehen, tüfteln die Gebäudereiniger stets an Gegenmaßnahmen herum. "Da die klassischen Spraydosen heute kaum noch erhältlich sind, steigen immer mehr Sprayer auf Autolacke um", sagt Steppkes. Die verliefen zwar mehr auf Wänden, seien aber auch schwerer wieder zu entfernen. "Deswegen haben wir, wie jeder andere Betrieb auch, unsere kleine Hexenküche im Keller."

Über die Zeitung des Innungsverbandes tauschen die Profi-Entferner Erfahrungen und Tipps aus. Der 1946 gegründete Meisterbetrieb Steppkes will sich nun etwa ein spezielles Gerät anschaffen, das Oberflächen per Unterdruckstrahlverfahren reinigt. Denn Verfahren, die Sandstrahl, Heißwasser und Chemie beinhalten, sind bei Wärmedämmfassaden in der Regel kaum zu verwenden — das eingebaute Styropor würde leiden. Auch Fassaden-Imprägnierungen werden angeboten. "Dabei werden Poren und Fugen versiegelt, damit die Farbe nicht einziehen kann."

  • Fotos : Graffiti-Kunst in New York

Und was empfiehlt der Meisterbetrieb — ein Graffito sofort entfernen oder eine Weile hängen lassen? "Im ersten Fall fordert man Sprayer heraus, gleich wieder zu sprayen — und im zweiten verkommt das Haus", sagt Steppkes. Und da Sprayer meistens Einzeltäter seien, die ihre "Werke" nicht regelmäßig inspizierten, rät er zu dem, was er auch selbst tut: "Wenn unsere eigenen Gebäude beschmiert werden, was immer mal wieder vorkommt, machen wir das immer sofort weg."

Graffiti-Delikte hätten in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen, sagt auch Firmeninhaber Bernd Steppkes (65), der das Geschäft sukzessive an seinen 28-jährigen Sohn übergibt. Neben dem Entfernen von Schmierereien kümmert sich das Unternehmen um klassische Gebäudereinigung bei gewerblichen Großkunden, Winterdienst und neuerdings auch Gartenpflege. Dafür wurden zwei Gärtner eingestellt. "Eines meiner Ziele ist es, diesen Bereich, der sehr gut angelaufen ist, weiter auszubauen", sagt Tim Steppkes.

Nächstes Jahr wollen die Graffiti-Entferner von der Lüpertzender Straße den Künstlern unter den Sprayern übrigens ein ungewöhnliches Angebot machen: "Dann wird die Wand unseres Lagers an der Neuhofstraße neu verputzt. Wir wollen uns an das Eickener Streetwork wenden und die unteren zwei Meter der Rückwand für Sprayer zur Verfügung stellen", sagt Steppkes senior. Und diese Graffiti sollen dann bestehen bleiben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Graffiti-Kunst in Duisburg

(RP/rl)