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IHK Niederrhein sieht Konjunktur am Scheideweg

Geschäftsklimaindex sinkt um zehn Prozent : IHK: Gladbacher Konjunktur am Scheideweg

Die Lage und Erwartungen der Firmen haben sich im vergangenen Jahr verschlechtert. Das zeigt der Geschäftsklimaindex der IHK, der innerhalb eines Jahres um gut zehn Prozentpunkte gesunken ist. Nur der Boom im Baugewerbe geht weiter.

Düstere Wolken zeichnen sich für dieses Jahr am Wirtschaftshimmel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein ab. „Die Konjunktur steht 2019 am Scheideweg“, sagt Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und zieht damit Bilanz aus der jüngsten gemeinsamen Konjunkturumfrage der IHKs Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf. An dieser hatten sich insgesamt 800 Betriebe mit knapp 90.000 Beschäftigten beteiligt.

Die Kernaussage: Der IHK-Geschäftsklimaindex, der die Lage und Erwartungen der Firmen zusammenfasst, ist innerhalb eines Jahres um gut zehn Prozentpunkte gesunken, verbleibt mit knapp 22 Prozent aber weiterhin auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Dies gilt auch für die Vitusstadt. Steinmetz: „2018 lag in Mönchengladbach der Wert des Geschäftsklimaindex noch bei 24 Punkten, jetzt liegt er bei zehn Punkten.“ Der Hauptgeschäftsführer ergänzt: „Von einer beginnenden Rezession will ich noch nicht sprechen. Doch die Analyse zeigt, dass es auch von den globalen Weichenstellungen abhängen wird, ob es bei einer Konjunkturdelle bleibt oder sich die konjunkturelle Abkühlung über das erste Halbjahr 2019 hinaus fortsetzen wird.“

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Dabei ist die wirtschaftliche Lage von Branche zu Branche unterschiedlich. So geht der Boom im Baugewerbe weiter. „Die Betriebe sind voll ausgelastet und haben ihre Erwartungen für das Jahr 2019 sogar nach oben korrigiert. Die Beschäftigungs- und Expansionspläne der Branche sind so expansiv wie lange nicht“, erklärt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf. Dagegen hat sich das Konjunkturklima in wichtigen Zweigen wie der für in der Region bedeutsamen chemischen Industrie und vor allem auch dem Maschinenbau abgekühlt. Die Industrie sieht zurzeit insbesondere in den Energie- und Rohstoffpreisen ein bedeutendes Konjunkturrisiko. „Die Politik ist deshalb mehr denn je gefordert, Versorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Preisen zu gewährleisten“, so Steinmetz. „Weitere Belastungen sind Gift für unsere Region.“

Mit Sorge beobachtet der IHK-Geschäftsführer auch die Entwicklung rund um den Brexit: „Nordrhein-Westfalen wird davon besonders betroffen sein. Aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen gehört NRW zu den Regionen in Europa, für die sich durch den Brexit eine der größten wirtschaftlichen Risiken ergibt.“ Das Vereinigte Königreich ist mit jährlichen Exporten von 13,3 Milliarden Euro der drittwichtigste Handelspartner.

Einen großen Anteil machen chemische Erzeugnisse, Metalle und Autoteile aus. Seit dem Brexit-Referendum 2016 sind die Exporte schon um acht Prozent zurückgegangen. Doch trotz der Risiken scheint sich die regionale Wirtschaft nicht ausreichend vorbereitet zu haben. Ende 2018 hätten sich viele Unternehmen vor Ort mit den Folgen eines – ungeordneten – Brexit noch nicht auseinandergesetzt. „Noch im Januar haben viele betroffene Firmen gedacht, dass die Politik das alles noch kurzfristig regelt.“

Ein weiterer Grund für die negativeren Erwartungen sind weltwirtschaftliche Risiken. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von knapp 40 Prozent der Betriebe als bedeutendes Konjunkturrisiko genannt – Tendenz steigend.

„Insbesondere bei den exportorientierten Branchen wie der Industrie, dem Großhandel und der Logistik hängt dies mit den Protektionismusbestrebungen in den USA sowie dem Handelskrieg zwischen den USA und China zusammen“, betont Steinmetz. Die Betriebe äußern darüber hinaus die Sorge, dass die befürchtete weltwirtschaftliche Abkühlung auf die Binnenkonjunktur überspringt. „Die Robustheit der Inlandsnachfrage wird daher nicht mehr so stark eingeschätzt wie zuletzt.“

Daneben bleibt der Fachkräftemangel das bedeutendste Konjunkturrisiko. Das sehen mehr als 40 Prozent der Betriebe so. „Die Bedeutung nimmt zur Zeit zwar etwas ab, da die Beschäftigungspläne der Betriebe weniger expansiv sind als noch im Spätsommer“, ergänzt Steinmetz. Bei Betrieben mit konkret benanntem Personalbedarf – wie der Bauindustrie – sei der Fachkräftemangel allerdings weiterhin gravierend.