Mönchengladbach: Ideenschmiede für Gladbachs Seestadt

Mönchengladbach: Ideenschmiede für Gladbachs Seestadt

Das Wasser liefert Energie, Häuser haben pyramidenartige Terrassen, Räume sind aus Holzmodulen: Architektenteams entwickelten gestern Modelle für die kleine Stadt in der ehemaligen City-Ost. 1500 Wohnungen sind hier geplant.

Es ist eine Fundgrube. Oder, wie es Catella-Chef Klaus Franken formulierte, eine Art Buffet, von dem man die Schmankerl nehmen und sie weiter verfeinern kann. 21 Architekturbüros haben gestern in Düsseldorf in einem Werkstattverfahren zweieinhalb Stunden als Ideenschmiede fungiert, mehrere widmeten sich gezielt der Seestadt MG +. Darunter waren die Gladbacher Planer von Bringsarchitekten, Hartmann, Otten und Schrammen. Auch das Büro Kadawittfeld ist hier bestens bekannt - von den Aachenern stammt die Fassadengestaltung des Minto. Die beiden jungen Architektinnen Caro van de Venne und Elisabeth Gutsche vom Rotterdamer Büro Barcode Architects hat es die Zentrenbebauung in der City Ost ebenfalls angetan. Und wer sich mit Barbara Possinke von RKW Architektur unterhielt, konnte die Schlussfolgerung ziehen: Module in Holzbauweise sind die Lösung für die Seestadt, weil ihre Produktion wirtschaftlich und effizient ist.

Stefan Brings und seine Mitarbeiterin Janine Heimes setzen auf eine Modulbauweise. Foto: Dieter Weber

Natürlich gab es gestern keine Idee, die Catella Project Management jetzt als einzig wahre weiter verfolgen wird. Weil auf 140.000 Quadratmetern rund 1500 Wohnungen in der ehemaligen City-Ost entstehen, ist ein umfassender Planungsprozess vonnöten. Aber die Gladbacher Delegation unter anderem mit OB Hans Wilhelm Reiners, Planungsdezernent Gregor Bonin und den Politikern Annette Bonin (CDU) und Felix Heinrichs (SPD) bekam einen Eindruck, welche Erkenntnisse sie im weiteren Planungsverfahren berücksichtigen sollten. Auch mehrere Vertreter von Banken und Projektentwickler ließen sich informieren.

So stellt sich Catella Project Management die Seestadt MG + vor. Die Wasserfläche wird zum verbindenden Element. Foto: Catella Project Management

Die Ansätze, die von den Architekturbüros im Werkstattverfahren gewählt wurden, waren teilweise völlig unterschiedlich. Burkhard Schrammen beschäftigte sich zum Beispiel vor allem mit der Entwicklung des Areals. Ihm ist es wichtig, dass die künftigen Bewohner sich als Gemeinschaft verstehen und ein nachhaltiges Konzept einfordern, bei dem das Prinzip des Teilens zur sinnstiftenden Idee wird. "Einen guten Grundriss kann jeder der Kollegen entwickeln", sagt Schrammen. Wichtiger sei es, das Gebiet zu definieren und zu entwickeln. Interessant war die Überlegung, den See wärmetechnisch für die Energieversorgung anzuzapfen.

Haben am Minto Zeichen gesetzt (v.l.): Gerhard Wittfeld, Pawel Pietkun und Kilian Kada. Foto: Dieter Weber
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Gerhard Wittfeld und Kilian Kada widmeten sich gezielt der Bebauung an der Lürriper Straße, die als erstes Teilprojekt der Seestadt ab 2019 umgesetzt werden könnte. Kadawittfeld will keine Straßenrandbebauung, sondern zieht den Baukörper bewusst zurück. Die Aachener wollen mit Grünstreifen und Wasserflächen schon in diesem Bereich eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, weil der eigentliche See, der künstlich angelegt wird, hinter diesem ersten Baukomplex liegt. Auch interessant: Die Wohnungen - vorgegeben waren 55 und 75 Quadratmeter große Einheiten - sind flexibel nutzbar. Wo im Erdgeschoss der Arbeitsraum einer Wohnung ist, könnte sich der irgendwann zu einem Geschäft verändern. Stefan Brings und seine Kollegin Janine Heimes schlagen Wohnmodule vor. Vor- und Rücksprünge in der Fassade sorgen für eine abwechslungsreiche Struktur. "Die Aufgabe von Catella war, Wohneinheiten mit bezahlbaren Grundrissen zu entwickeln", sagt Brings. Als Catella-Chef Klaus Franken in einem Eingangsstatement einige wenige Modelle vorstellte, war das von Brings mit dabei.

Die Roermonder Caro van de Venne und Elisabeth Gutsche schaffen Innenhöfe und legen in Punkthäusern pyramidenartige Terrassen an. Jeder "Block" ist wie eine kleine Stadt, öffentlichen und frei finanzierten Wohnungsbau integrieren sie, ohne dass eine große räumliche Trennung erfolgt. Sie haben sich Gedanken gemacht, wie die langfristige Nutzung der Anlage in 30, 40 oder 50 Jahren sein kann. Lösen dann Büros die Wohneinheiten ab? Bei Fritz Otten und Harald Wennemar wird zur Grundrissgestaltung der Gemeinschaftsgedanke der Seestadt Thema: Was brauchen Bewohner, wenn sie ihre Wohnungen verlassen und sich im Quartier bewegen: Hausmeister-Dienste, Fahrradwerkstatt, Fitness-Treffpunkte . . .

Es war ein spannender und kreativer Dialog. Fortsetzung folgt.

(biber)