Mönchengladbach: Ibis will Hotel auf dem Abteiberg bauen

Mönchengladbach: Ibis will Hotel auf dem Abteiberg bauen

Der Versuch, den Abteiberg auch für eine kommerzielle Nutzung zu öffnen, ist häufig gescheitert. Nächste Woche entscheiden die Politiker darüber, ob ein Drei-Sterne-Hotel auf den Abteiberg in Mönchengladbach passt. Baudezernent Andreas Wurff rät dringend davon ab.

Aus dem seit drei Jahren geplanten schicken Design-Hotel als Nachbarn für Haus Erholung und Museum Abteiberg ist nichts geworden. Jetzt droht dafür ein Hotel für diejenigen, deren wichtigster Anspruch ist, nicht zu viel Geld fürs Übernachten auszugeben — ein Design-Hotel Light sozusagen. Die VI Group aus Münster würde gerne ein Grundstück auf dem Kulturhügel kaufen, um dort ein Ibis Styles-Hotel zu bauen. Mit diesen Häusern der Drei-Sterne-plus-Kategorie will Ibis zwar eine gehobenere Klientel ansprechen als mit ihren Zwei-Sterne-Häusern, die häufig in Bahnhofsnähe liegen. Entsprechend anspruchsvoller ist die Architektur, wie man zum Beispiel beim jüngsten der deutschen Ibis Styles-Neubauten in Nagold im Schwarzwald sehen kann. Geschäftsleute und Familien sollen von den farbenfroh eingerichteten Zimmern angesprochen werden — und vom Preis. Mit "Designkomfort zum Sorglospreis" wirbt Ibis Styles. Die Nacht kostet je nach Standort — weitere Hotels der Kette gibt es unter anderem in Hamburg, Frankfurt, Aalen und Arnsberg — deutlich unter 100 Euro.

So wenig geschützt der Begriff Design auch ist, mit den Art'otels, die tatsächlich eine unmittelbare Beziehung zu Kunst und Kultur herstellen, hat der jüngste Spross der Ibis-Gruppe wenig gemein. "Das ist pure Gebrauchsarchitektur", urteilt Baudezernent Andreas Wurff. Dagegen sei prinzipiell nichts einzuwenden. "An diese zentrale Stelle, deren Bedeutung der Masterplan gerade herausgearbeitet hat, passt aber so ein ganz normales Hotel überhaupt nicht", sagt Wurff.

Ob dass die Politiker genau so sehen, wird sich am Donnerstag entscheiden. Dann tagt nichtöffentlich der Aufsichtsrat der Entwicklungsgesellschaft und entscheidet über den Grundstücks-Deal. Am Freitag hieß es aus allen Parteien unisono: Man habe sich noch kein abschließendes Urteil gebildet und wolle am Montag zunächst intern beraten.

Der Versuch, den Abteiberg auch für eine kommerzielle Nutzung zu öffnen, ist schon in mehreren Varianten gescheitert. Zunächst sollte an der Stelle des alten Haus Zoar ein Design-Hotel gebaut werden, das eine Verbindung zum Haus Erholung hätte bekommen können. Dann sollte plötzlich das Haus Zoar stehenbleiben und Teil des neuen Hotels werden. Diese Pläne, die der Mönchengladbacher Architekt Dr. Horst Schmitges entworfen hatte, gefielen Wurff besonders gut. Mit dem integrierten Haus Zoar wäre Platz für maximal 60 Zimmer gewesen. Der Investor rechnete aber vor, dass sich der Neubau nur bei der doppelten Zahl an Zimmern lohnt. Das lehnte die Stadt ab, weil dann das Haus Erholung rein optisch zum Anhängsel eines Hotels geworden wäre. Nun also der nächste Anlauf.

Auch der wird ein vergeblicher sein — zumindest wenn es nach Baudezernent Wurff geht. Wenn man an dieser exponierten Stelle überhaupt ein Hotel zulasse, müsse es einen deutlichen Bezug zum Thema Kunst und Kultur haben. Und wenn nicht? "Dann sollte man das Thema Hotel auf dem Abteiberg lieber ganz beerdigen", sagt Wurff. Er hat indes die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "Ich kann mir vorstellen, dass es Investoren gibt, die an einem kleineren Kunst-Hotel an diesem ganz besonderen Standort Freude hätten", so der Baudezernent.

(RP/ac)
Mehr von RP ONLINE