Mönchengladbach: Hospiz: Ein Ort, um in Würde zu sterben

Mönchengladbach : Hospiz: Ein Ort, um in Würde zu sterben

Die Pflegekräfte im Hospiz "Sankt Christophorus" kümmern sich um Sterbende in deren letzten Lebenswochen. Viele wünschen sich Schmerzfreiheit, ohne den wachen Verstand zu verlieren. Der Welthospiztag erinnert an die Einrichtung.

Als erstes fällt dem Besucher auf, dass der Geruch fehlt. Dieser Geruch, der einen häufig im Krankenhaus oder im Pflegeheim empfängt. Der nach Medikamenten riecht, nach Krankheit und Tod. Stattdessen erwartet die Patienten und Besucher, die das Hospiz "Sankt Christophorus" durch die Türe in der Altstadt betreten, eine familiäre Atmosphäre. Hier haben die Pflegerinnen und Pfleger Zeit für sie und ihre Fragen, Wünsche und Ängste.

"Man merkt, dass den Patienten - gerade wenn sie aus dem Krankenhaus kommen - ihr Einzelzimmer wichtig ist", sagt Bettina Ringler-Eggert, Pflegedienstleiterin des Hospizes. Sie ist gelernte Krankenschwester und arbeitet seit zwölf Jahren im Hospiz "Sankt Christophorus" an der Rathausstraße.

Zehn Einzelzimmer hat das Haus, außer dem hölzernen Pflegebett erinnert wenig daran, dass hier ein sterbenskranker Mensch liegt. Die Wände sind in warmen Farben gestrichen. Ein roter Plüschsessel steht neben dem Bett, eine Orchidee reckt sich am Fenster Richtung Licht. Neben der Leitung kümmern sich 14 Pfleger, vier Hauswirtschaftskräfte und acht Ehrenamtliche um die zehn Patienten.

"Gerade nachts kommen bei Schlaflosigkeit die Fragen", erzählt Ringler-Eggert. Zwei Pfleger teilen sich die Nachtschicht und nehmen sich Zeit für Gespräche über die Angst vor dem Sterben, vor den Schmerzen. Und die Frage: Was kommt danach? Das Hospiz bietet einen Meditationsraum an, der neutral gestaltet ist. Obgleich das Hospiz ein christliches ist, steht es Menschen aller Religionen offen.

Den Wunsch, Schmerzen zu lindern und gleichzeitig ein waches Bewusstsein zu besitzen, können die Pflegekräfte in der Regel erfüllen. Alle Pfleger sind speziell auf dem Gebiet der Palliativmedizin ausgebildet und es bestehen Kooperationen mit zwei Hausärzten, die ebenfalls auf Palliativmedizin spezialisiert sind. Viele Patienten bekommen dann noch einmal eine bessere Lebensqualität. Sie schämen sich oft auch weniger, wenn sie wissen: Ich falle keinem zur Last. Das sei eine sehr häufige Sorge, wohingegen die Angehörigen sich oft Vorwürfe machten, ihre Lieben "abgeschoben" zu haben.

Die Hospizmitarbeiter versuchen, den Sterbenden die letzten Monate, Wochen und manchmal auch nur Tage so angenehm wie möglich zu machen. "Der Tagesablauf ist sehr von den Wünschen des Patienten abhängig." Die vier Hauswirtschaftskräfte erfüllen den Wunsch nach dem Lieblingsessen und morgens wird ausgeschlafen, nur wer möchte, wird geweckt. "Es ist auch nicht nur das Thema Sterben vordergründig. Das normale Leben, der Alltag steht im Vordergrund", sagt Ringler-Eggert. Wenn die Betroffenen noch Zuhause wohnen oder im Krankenhaus liegen, stellt sich irgendwann die Frage: Gehe ich in ein Hospiz? Ein schwieriges Thema, denn damit akzeptieren sowohl die Erkrankten als auch die Angehörigen, dass nicht mehr viel Zeit bleibt. Häufig wird die Pflege im Hospiz besprochen, wenn abzusehen ist, dass der Patient Zuhause nicht mehr gepflegt werden kann. "Am wichtigsten ist, dass der Patient einverstanden ist", stellt Ringler-Eggert fest.

"Wir nehmen fast überwiegend Patienten mit einer Tumorerkrankung im letzten Stadium, die nicht mehr therapierbar ist", sagt die 56-jährige Pflegedienstleiterin. Außerdem kommen auch Patienten, die AIDS haben oder selten auch neurologische Krankheiten im Endstadium. Der Durchschnitt der Patienten ist älter, aber auch junge Menschen verbringen ihre letzte Lebenszeit im Hospiz. Gerade in der finalen Phase besteht die Möglichkeit, dass die Angehörigen mit im Zimmer schlafen oder im "Wohnzimmer" mit Sitzecke oder im Meditationsraum Kraft tanken. Seit 24 Jahren besteht das "Sankt Christophorus" Hospiz, es gehört zu den ältesten in Nordrhein-Westfalen. Finanziert wird die Arbeit zum großen Teil über die Pflege- und Krankenversicherungen, ohne die vielen Spenden wäre die Pflege aber nicht möglich. Jedes Hospiz lege Wert darauf, Menschen aufzunehmen, die aus der Gegend kommen. Auch in Mönchengladbach, an der Rathausstraße, gibt die Nähe zur Münsterkirche und zum Rathaus gerade alteingesessenen Gladbachern ein Heimatgefühl und weckt Erinnerungen. "Denen bedeutet dieser Ort etwas", sagt Bettina Ringler-Eggert. Daher seien sie trotz Parkplatzproblemen sehr zufrieden mit der Lage des Gebäudes.

Die Angehörigen bauen natürlich ebenfalls ein Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern auf. Für sie gibt es jedes Jahr den "Hospiz-Geburtstag". Hier wird an die Patienten erinnert, die im Hospiz in den letzten beiden Jahren gestorben sind. "Das ist für die Angehörigen sehr überwältigend, besonders das Pflegepersonal wiederzutreffen", erzählt die 56-Jährige. Eigene Trauergruppen bietet das Hospiz nicht an, kann aber den Kontakt zu regionalen Trauergruppen für die Angehörigen herstellen.

Auch für die Pflegekräfte ist es eine belastende Situation. Regelmäßig sterben die Patienten, zu denen sie gerade eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut und die sie wochenlang betreut haben. Mit ihnen haben sie über existenzielle Themen gesprochen. In regelmäßigen Teamsitzungen besprechen sie diese Erlebnisse, erzählt Bettina Ringler-Eggert: "Jeder geht ein bisschen anders damit um. Unser normales Leben schätzen wir natürlich sehr, wenn einem die Vergänglichkeit so bewusst ist. Man freut sich mehr über die Banalitäten des Lebens."

(RP)