Holocaust-Gedenktag: Gedenkstunde für 1400 Opfer aus Mönchengladbach

Mönchengladbach: Gedenkstunde auch für 1400 Mönchengladbacher Holocaust-Opfer

In Mönchengladbach wurden 1400 Menschen von den Nationalsozialisten ermordet, darunter 600 Juden. Zum Gedenktag wurde dieses Jahr das Motto ausgerufen „Wehret den Anfängen“.

Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 hatten die vier Mitgliedsvereine des „Gladbacher Haus der Erinnerung“ zu einer Gedenkstunde eingeladen. 80 Menschen kamen ins Rheydter Christoffelhaus, darunter Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Bürgermeister Michael Schroeren.

Verstärkte Angriffsformen und verbale Entgleisungen seien bedenkliche Entwicklungen in der Demokratie, sagte Rolf Hock von der Geschichtswerkstatt MG: „Demokratie ist nicht einfach, dazu braucht es Mut und Stellungnahme. Diese Einsicht fehlt oftmals.“

Pfarrer Wolfgang Bußler, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit MG, beklagt zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und mahnt, die Gedächtniskultur weiterzupflegen. „Es gibt einen Haftungszusammenhang, dem wir uns nicht entziehen können.“ Insofern sei das Thema der diesjährigen Gedenkstunde, „Wehret den Anfängen“, als ein nie endender Prozess zu verstehen. „Wir müssen wach und stark bleiben, den Dialog vorantreiben“, so sein Appell.

Jutta Finke-Gödde vom Verein FrauenVita Mönchenglabach sieht mit Sorge Sprachkomponenten in Gebrauch, die der Nazi-Zeit entstammen, wie etwa „Lügenpresse“ und „gesundes Volksempfinden“. Sprache schaffe Wirklichkeit; um den oftmals verkürzt und emotionalisiert dargestellten Themen auch in den sozialen Medien zu entgegnen, fordert sie eine stärkere Streit- und Debattenkultur.

1996 legte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den Tag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Alliierten am 27. Januar 1945 zum Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus fest: „Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“, sagte er. 2005 erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Allein im KZ Auschwitz wurden während des Zweiten Weltkriegs 1,1 Millionen Menschen ermordet. Insgesamt sechs Millionen Juden und viele weitere Menschen fielen dem Nationalsozialismus zum Opfer. „In Mönchengladbach wurden 1400 Menschen ermordet, darunter 600 Juden“, führte Ferdinand Hoeren, Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung, an.

Den musikalischen Rahmen der Gedenkstunde gestaltete Akkordeonist Miroslav Tibor.

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