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Mönchengladbach: Holger Böker – der laufende Koch

Mönchengladbach : Holger Böker – der laufende Koch

Er nahm zwölf Kilo ab und fühlt sich topfit: Unter den mehr als 170 Teilnehmern des Teams "Fit für 10", das am Sonntag beim NEW-Volksbadlauf an den Start geht, ist der Gastronom Holger Böker.

Der Chef des Geneickener Bahnhofs entdeckte für sich das Laufen und veränderte die Speisekarte.

Der sorgenvolle Blick geht in diesen Tagen immer wieder in Richtung von Tochter Elleny. "Sie hat sich eine tierische Erkältung eingefangen", sagt Holger Böker. Der 42-jährige Betreiber des Geneickener Bahnhofs hofft, dass das Virus nicht überspringt. Denn am Sonntag will er das vollenden, für was er ein halbes Jahr trainiert hat: Der Gastronom startet beim NEW-Volksbadlauf über zehn Kilometer. Eine Distanz, die für ihn vor einigen Monaten noch völlig ausgeschlossen war. "Laufen war für mich der größte Schwachsinn", sagt Böker.

Diese Meinung hat er gänzlich revidiert. Der ehemalige Handballer und Schwimmer genießt es jetzt, seine Runden am Schloss Rheydt zu drehen. "Rund anderthalb Kilometer brauche ich, bis ich in Tritt bin. Danach lasse ich den Tag gedanklich Revue passieren. Und anschließend ist der Kopf so wunderschön frei — und ich kann mich total entspannen", erzählt er.

Die Folgen bekommen Ehefrau Cathrin, Tochter Elleny und seine Angestellten wenig später zu spüren. Böker: "Ich bin viel gelassener, nach jedem Lauf ungemein positiv gestimmt und habe dann auch die besten Einfälle." Das wirkt sich auf die Speisekarte aus. "Ich habe sie danach oft umgeschrieben und neue Akzente gesetzt." Die Ideen kommen ihm beim Laufen.

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Seit dem Jahr 1996 arbeitet Holger Böker im Geneickener Bahnhof, erst zwei Jahre als Küchenchef, dann übernahm er das Restaurant. Jahrelang war die Küche gutbürgerlich, mit einem guten Ruf und großer Stammkundschaft. Vor einigen Jahren nach einer Sinnkrise veränderte Böker vieles.

Der "eher rustikale Typ" (Privatmann Böker über den Koch Böker) verarbeitet nur noch Frisches, nimmt fruchtige und leichte Gerichte zusätzlich mit auf die Speisekarte und kreiert Angebote für eine Küche, die sich besonders an Veganer richtet. "So etwas gibt es hier in der Region nicht. Veganer müssen nach Köln fahren, um Vergleichbares zu finden", sagt Holger Böker.

In dieser Zeit des Umbruchs entwickelte sich auch das Interesse fürs Laufen. Das weckten ein Freund und die Gruppe von "Fit für 10", die nach dem erfolgreichen Abschluss der Vorjahresaktion 2011 bei ihm feierte. Die Teilnehmer überreichten ihm das Handbuch mit dem Trainingsplan, und Böker entschied nach kurzem Lesen: Da mache ich das nächste Mal mit.

Und obwohl der Arbeitstag eines Gastronomen viele Überstunden bis tief in die Nacht beinhaltet, behielt er den Elan bei. "Ich bin lange immer nach Mitternacht gelaufen. Danach habe ich mich kurz auf die Terrasse gesetzt, mich anschließend geduscht und dann geschlafen wie ein Baby. Ich war positiv kaputt — ein tolles Gefühl."

Weil ihn das Laufen zwar fitter und muskulöser, aber nicht unbedingt leichter machte, spannte er eine Ernährungsberaterin ein. Nach ihrem Plan hat Böker in kurzer Zeit zwölf Kilo verloren. Und fühlt sich prächtig. Für den Halbmarathon in Venlo hat er sich schon angemeldet, will bis dahin insgesamt 25 Kilo abgespeckt haben.

Nur Tochter Elleny kann die erste Etappe auf diesem Weg noch gefährden — nicht sie, sondern das Virus, das sie plagt. Eines hat sie ihrem Papa schon versprochen: "Ich werde auf jeden Fall kommen und dich anfeuern." Und Laufen will sie auch — gemeinsam mit Papa rund um Schloss Rheydt.

(RP/rl)