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Mönchengladbach: Hörte der Angeklagte Stimmen?

Mönchengladbach : Hörte der Angeklagte Stimmen?

Staatsanwalt wirft einem 40-Jährigen zweifachen versuchten Mord vor.

Ein 40-jähriger Mönchengladbacher soll am 19. Juni des vergangenen Jahres versucht haben, gleich zwei seiner Freunde umzubringen. Deshalb wurde er wegen zweifachen versuchten Mordes angeklagt. Zunächst soll der Mann sich in den frühen Morgenstunden mit einem Freund in Rheydt getroffen haben. Als dieser mit dem Auto anhielt, habe er die Wagentür aufgerissen und auf ihn geschossen. Weil der Freund die Pistole beiseite schlagen konnte, sei er nicht getroffen worden. Am selben Abend soll er in der Wohnung seiner Mutter an der Limitenstraße mit einem Messer auf einen anderen Freund losgegangen und ihn dann 4,60 Meter tief vom Balkon gestoßen haben. Der Freund überlebte schwer verletzt.

Vor allem um diese zweite Tat ging es jetzt im Gerichtssaal. Und dabei um die Frage, ob der Freund vom Balkon gestoßen worden sei oder - wie es der Angeklagte geschildert hatte - in Panik selbst gesprungen sei.

Viel Erhellendes konnte auch die Gutachterin aus der Rechtsmedizin nicht beitragen. Sie sei am 28. Juni, also neun Tage nach der Tat, hinzugezogen worden, um das Opfer zu begutachten. Einige Verletzungen hätten zu diesem Zeitpunkt bereits zu heilen begonnen. Das Opfer hatte sich unter anderem neben vier gebrochenen Lendenwirbeln und drei gebrochenen Rippen sowohl einen offenen Schädelbasisbruch als auch einen Nasenbeinbruch zugezogen. Wie diese Verletzungen mit einem einzigen Sturz vereinbar sein könnten, blieb offen.

Die Ermittler hatten das Opfer mehrfach befragt. Einer von ihnen trat gestern auch in den Zeugenstand. Das Opfer habe den Beamten gesagt, es erinnere sich, am Tisch in der Küche der Mutter des Angeklagten gesessen und plötzlich einen metallischen Gegenstand in der Hand des Angeklagten gesehen zu haben. Dann sei er zwei Tage später im Krankenhaus wieder aufgewacht. Ob er gestoßen worden oder selbst gesprungen sei, daran könne er sich nicht erinnern, hatte er erklärt. Das Opfer habe auch gesagt, dass es Angst habe - wovor, das sei offengeblieben.

Die ältere Schwester des Angeklagten sagte aus, dass sich ihr Bruder verändert habe. Sie habe vermutet, dass er Drogen nehme, vielleicht sogar mit deren Verkauf seinen Lebensunterhalt bestreite. Gesehen habe sie das aber nie. Ihr gegenüber habe er von Stimmen gesprochen, die er höre, davon, dass ihn jemand "fertigmachen" wolle. Der Prozess wird am 23. Februar fortgesetzt.

(RP)