Mönchengladbach: Höchstens sieben Windräder im HQ

Mönchengladbach : Höchstens sieben Windräder im HQ

In die Diskussion um die Zukunft des Militärareals kommt Bewegung: Das Land will dort Anlagen von bis zu 200 Metern Höhe. Der Politik werden die Pläne in Kürze vorgestellt, die NEW bringt sich in Stellung.

Noch gibt es zwei Varianten, so sehr unterscheiden sie sich aber eigentlich gar nicht: In den Joint Headquarters (JHQ), die die Briten zum 13. Dezember besenrein an den Bund übergeben wollen, sollen nach dem Willen des Landes NRW auf jeden Fall Windkraftanlagen entstehen. Entweder sechs bis sieben — für den Fall, dass das mehr als 400 Hektar große, derzeit noch militärisch genutzte Areal im Wesentlichen in eine gigantische Grünfläche umgewandelt wird. Oder aber vier bis fünf — falls entschieden wird, weitere "Nutzungs-Inseln" zu etablieren, etwa gewerblicher Natur, die ihrerseits gewisse Abstände zur Umgebung erfordern. Eine größere Anzahl von Windrädern steht nicht mehr zur Diskussion, das gibt das Gelände nicht her. "Ziel ist es, bis Jahresende nur noch eine Variante übrig zu haben, die dann konsequent weiterverfolgt wird", sagt Meinolf Bertelt-Glöß, Bereichsleiter Konzept bei der landeseigenen Beratungsgesellschaft NRW Urban.

Damit kommt nach jahrelangem Werkstattverfahren nun Bewegung in die Debatte, was mit dem JHQ nach dem Abzug der Briten geschehen wird. Denn die Pläne von NRW Urban sind in einigen Teilen schon bemerkenswert konkret, auch wenn sie vor einer vollständigen Veröffentlichung in Kürze zunächst den Ratsfraktionen präsentiert werden sollen. So sollen die Anlagen etwa bis zu 200 Meter hoch werden. "Handelsüblich" sind Höhen von 100 bis 120 Metern. Hintergrund seien Naturschutzaspekte, sagt Bertelt-Glöß: "Die hochrotorigen Anlagen stellen auch für Fledermäuse und Feldlerchen keine Gefahr mehr dar, weil sie einfach nicht so hoch fliegen." Inwiefern Artenschutz bei der Planung der Flächen-Konversion berücksichtigt werden muss, sei eine von etlichen Fragen, die man im Vorfeld noch abklären müsse. Auch die — sehr kostenintensive — Sicherung des ab Jahresende verwaisten Areals sei eine solche, ebenso die Tatsache, dass Windräder bundesweit bisher kaum in Waldgebieten, sondern auf Freiflächen stehen. "Und wie man die regionalen Partner mit ins Boot holt, etwa eine Verbindung zum Naturpark Schwalm-Nette schafft", so Bertelt-Glöß.

Zunächst jedoch müssen sich Stadt, Land und Bund darauf einigen, was sie eigentlich wirklich wollen. Die NEW jedenfalls stehe "Gewehr bei Fuß", sagt Dr. Rainer Hellekes, Vorstand des Energieversorgers. "Hier in Gladbach sollte es naheliegend sein, dass wir das Thema Windenergie im JHQ dann gemeinsam mit der Stadt realisieren würden." Wie bei der Diskussion über die geplanten Windräder südlich des Hardter und nördlich des Buchholzer Waldes ("Das Gutachten soll zur Jahresmitte vorliegen", so Hellekes) setze man auf eine frühzeitige und intensive Bürgerbeteiligung. Bereits im Vorjahr hatte zudem die Bürgersolargenossenschaft BSMG mitgeteilt, sich künftig auch an Windrädern beteiligen zu wollen.

Ziel aller Beteiligten ist es, im Laufe 2014 Planungssicherheit und im Idealfall Planungsrecht zu haben. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), an die das JHQ zurückfällt, will möglichst schnell ein konkretes Nutzungsziel ausschreiben und eine Trägerschaftslösung anstreben. Muss sie aber eventuell auch gar nicht. Denn sollte das Areal ausschließlich zu Wald werden, bliebe es bei der Bima angesiedelt — die Behörde ist auch für den Bundesforst zuständig. Was jedoch auch passieren könnte: Der Bima gelingt es, Stücke des JHQ mit den dazugehörigen Gebäuden zu veräußern. Das ist der Daseinszweck der Behörde, muss sich aber nicht mit den Wünschen von Stadt und Land decken — wie zuletzt der Verkauf der Britenhäuser an der Lilienthalstraße an einen Investor zeigte.

(RP)
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