Mönchengladbach: Hockeyspieler am Konzertflügel

Mönchengladbach: Hockeyspieler am Konzertflügel

Sebastian Knauer gab als Pianist sein Debüt in Gladbach. Als Feldhockeyspieler hatte er die Stadt bereits etliche Male besucht.

Vier Orchesterwerke, eine Huldigung: Die galt beim 6. Sinfoniekonzert der Musik Italiens. Nicht nur Klischees wie Leichtlebigkeit und dolce vita folgte das von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson ausgewählte Programm, das die Niederrheinischen Sinfoniker im Theaterkonzertsaal mit ebenso viel Temperament wie Präzision aufführten. So rührten in Alfredo Casellas Rhapsodie "Italia" die Holzbläser samt Trompete mit einem Klagelied, in dem der Komponist den Gesang der Bergleute auf Sizilien bei der Arbeit in den Schwefelgruben zitierte, und mit der Hymne aus einer Karfreitagsprozession. Alexander Kleuver lieferte am Englischhorn hier eine solistische Glanzleistung.

Mit einer kompositorischen Fingerübung Giacomo Puccinis, dem Frühwerk "Preludio sinfonico", startete der italienische Spielreigen. Der schlichte, aber auf den Musikdramatiker vorausweisende Orchestersatz offenbarte neben Puccinis Freude an lyrischen Themen auch schon seinen Hang zu süffig-sinnlicher Klangmalerei.

Auf das Antipasto folgte mit Nino Rotas Klavierkonzert C-Dur der Primo piatto. Den tischte in Sebastian Knauer kein Italiener, sondern ein Hamburger auf. Doch bewies der 47-Jährige mit perlendem Spiel und luzider Vermittlung auch der rasantesten Tonkaskaden, dass er den Geist mediterraner Klarheit, der den berühmten Filmkomponisten Rota auszeichnete, perfekt verinnerlicht hat. Für den ausdauernden Schlussapplaus bedankte sich Knauer mit einem Charakterstückchen ("Anniversary") von Leonard Bernstein. Der Solist erzählte, er habe heute sein künstlerisches Mönchengladbach-Debüt gegeben. "Allerdings kenne ich die Stadt schon lange - von mehreren Besuchen als Feldhockeyspieler." Secondo piatto: Mihkel Kütson war der Spaß an italienischer Musiksprache vor allem nach der Pause anzumerken. Das Orchester verzauberte mit einem aparten, impressionistisch verdichteten Zyklus über die Fresken von Piero della Francesca in einer Kirche in Arezzo, die den Tschechen Bohuslav Martinù 1954 zu einer musikalischen Widmung veranlassten. Und natürlich fand sich in die Spielfreude, welche die Sinfoniker erkennbar empfanden, beim Rausschmeißer von Casella auch der GMD einbezogen. So gelöst und zugleich energisch bestimmt agierend haben wir Mihkel Kütson selten in Aktion erlebt.

Dolce (Nachspeise): Geigerin Irene Buck spielte ihr letztes Konzert. Nach 40 Jahren (darunter eine Auszeit als Mutter) tritt sie ihren Ruhestand an. Dafür erhielt sie Gratulationen von Chefdirigent Kütson und den Mitmusikern.

(ri)