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Hochstapler-Prozess in Mönchengladbach: Earl of Bristol gesteht

Hochstapler-Prozess in Mönchengladbach : „Earl of Bristol“ gesteht vor Gericht

Die Liste der Tatvorwürfe gegen ihn ist lang: Nun hat der Angeklagte im Hochstapler-Prozess, der sich eine eigene Legende als „Earl of Bristol“ verschaffte, die Vorwürfe eingeräumt. Zunächst warb er aber um Verständnis.

Im Berufungsprozess des sogenannten „Earl of Bristol“ wegen unter anderem gewerbsmäßigen Betrugs hat der Verteidiger am Donnerstag alle Vorwürfe gegen seinen Mandanten wie angeklagt eingeräumt.

In einer ausschweifenden Erklärung hatte der 25-jährige Angeklagte am zweiten Verhandlungstag zunächst für Verständnis geworben: „Ich habe in einer Parallelwelt gelebt und zu spät realisiert, dass ich jemand sein wollte, der akzeptiert wird“, so der Mann, der sich eine eigene Legende als „Earl of Bristol“ sowie einen Wikipedia-Eintrag verschaffte und seine Familie vor Gericht verleugnete.

Aus Verlustangst sei er in einen Tunnel geschmissen worden, und habe Dinge getan, um zu verhindern, dass die Menschen um ihn herum aus seinem Leben herausgehen. Doch genau das sei passiert. Der 25-Jährige entschuldigte sich bei seiner Ex-Freundin, seiner Familie und allen Geschädigten. Es sei „blöd gelaufen“, auch wenn dieser „häufig getätigte Ausspruch nicht passend“ sei, so der junge Mann aus Neuss.

Damit spielte er auf die Vielzahl von Tatvorwürfen ein, für die er im Juni erstinstanzlich zu insgesamt sechs Jahren Haft verurteilt worden war. Es ging um insgesamt 26 Fälle gewerbsmäßigen Betrugs sowie Computerbetrugs, die Fälschung beweiserheblicher Daten sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis. Zwischen 2018 und 2020 soll der junge Mann persönliche Daten seiner damaligen Freundin sowie nahestehender Personen gesammelt und auf deren Namen Waren und Dienstleistungen bestellt sowie Autos und Häuser gemietet haben.

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Noch bis zur Urteilsverkündung hatte der Angeklagte beteuert, selbst das Opfer eines Identitätsdiebstahls gewesen zu sein. Gegen das Urteil hatte er Berufung eingelegt. Am ersten Verhandlungstag dieses Prozesses hatte sein Verteidiger um ein Rechtsgespräch gebeten, in dessen Ergebnis eine Höchststrafe von maximal vier Jahren bei einer geständigen Einlassung stand. Die anderthalbjährige U-Haft sei ausreichend gewesen, um festzustellen, was Freiheit bedeute, so der Angeklagte. Er wolle ein geregeltes Leben führen, seiner Berufung folgen und Menschen vor Sicherheitslücken im Internet schützen. Zudem kündigte er an, Wiedergutmachung bei den von ihm Geschädigten zu leisten.

Neben dem aktuellen Prozess warten auf den Mann jedoch auch noch Prozesse in Düsseldorf und Aachen. Durch das hier abgelegte Geständnis verkürzt sich der Prozess, ein Urteil wird bereits am 9. Dezember erwartet.