Hochschule Niederrhein: Mönchengladbach entwickelt ein Hochschul-Quartier

Bürgerbeteiligung startet Mitte Februar : Auf dem Weg zum Hochschul-Quartier

Mönchengladbach hat eine besondere Hochschule. Doch der Campus wird bisher kaum wahrgenommen, auch das Image einer Studentenstadt fehlt. Ein Rahmenplan mit Beteiligung der Hochschule und Bürgern soll das ändern.

Am 14. Februar wird ein Raum der Hochschule zur „Arena“. So nennt die Stadt ihre Diskussionsplattform, bei der in „einem öffentlichen Dialog“ mit Studierenden, Professoren, Anwohnern und anderen Bürgern ein Rahmenplan für ein „Hochschulquartier“ erarbeitet werden soll. Drei solcher Arenen sind im Laufe des Jahres vorgesehen. Wer dabei Löwe ist und wer Dompteur, welcher verbale Gladiator am Ende siegreich aus der Arena geht, welche der Anregungen dann also tatsächlich Niederschlag in dem Rahmenplan finden, wird von dem Dortmunder Planungs-Büro Scheuvens + Wachten erarbeitet. Es bringt Erfahrung bei Entwicklungskonzepten und städtebaulichen Planungen für Kommunen mit.

Konkret geht es um ein etwa 62 Hektar großes Areal auf der Stadtgrenze zwischen Gladbach und Rheydt. Es wird im Norden durch die Hofstraße, im Osten durch die Schwalmstraße, im Süden durch die Breite Straße und im Westen durch die Bahntrasse begrenzt, weist eine Mischung aus Hochschule, Wohnen, Verkehr, Industrie und Gewerbe aus. Ein Teil der Blauen Route führt durch, wird durch die typische Gründerzeitkulisse der Wohnhäuser an Brucknerallee und Richard-Wagner-Straße, die Hochschule und das Blauhaus, durch den Verkehr durch Bahn und die Autos auf der Theodor-Heuss-Straße, Tankstellen und das Möbelhaus Schaffrath, das Monforts-Quartier und das Areal des früheren Polizeipräsidiums geprägt.

Das Ziel ist laut Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und seinem Planungsdezernenten Gregor Bonin, sich in der bundesweiten Hochschullandschaft „deutlich besser zu positionieren und langfristig hochqualifizierte Arbeitsplatzangebote“, etwa in Forschung und Entwicklung, anzusiedeln. Auch das Wohnumfeld im definierten Bereich soll attraktiver werden.

Eine Basis dafür bildet der Masterplan 3.0, der eine Hochschulachse mit Grünverbindungen von Dahl bis zum Schloss Rheydt, einen Hochschulplatz, einen Forschungspark und auch Erweiterungsflächen für die Hochschule definiert hat. Martin Ritscherle von Scheuvens + Wachten, der das Verfahren in den Bezirksvertretungen Süd und Nord vorstellte, bevor es am Dienstag vom Planungsausschuss behandelt wird, betont auch die „Scharnierfunktion“ dieses Bereichs zwischen Rheydt und Gladbach. Es handle sich um ein gewachsenes, gesamtstädtisches Quartier, dessen „Durchlässigkeit“ vor allem in Ost-West-Richtung verbessert werden müsse.

Die Hauptrolle, die die Hochschule darin spielt, müsse sichtbarer und stärker herausgearbeitet werden, so Ritscherle. Denkbar sei auch ein Campus-Boulevard auf der Webschulstraße. Was wünschen sich die Studenten. Wie lassen sie sich stärker an den Standort und die Stadt binden? Dieser Frage und auch der nach den Bedürfnissen der Anwohner will der Stadtplaner mit seinem Team in den Diskussions-Arenen und in direkten Gesprächen mit Schlüsselpersonen nachgehen.

Wo Freiräume entstehen, wo Aufenthaltsqualität geschaffen werden muss, soll im Prozess herausgearbeitet werden. Ebenso die Zukunft des früheren Polizeipräsidiums und ob es als Erweiterungsfläche für die Hochschule denkbar sei. Da sich dieser Bedarf schwer voraussagen lasse, hält Ritscherle für möglich, dass dort ad hoc Flächen für Forschungsprojekte oder Ausgründungen der Hochschule genutzt werden können.  Das Monforts-Quartier soll zudem besser in die gesamte Struktur eingebunden werden.

Die Politiker in der BV Nord hatten weitere Ideen. Reinhold Schiffers (SPD) regte an, das Projekt Euregio Campus miteinzubeziehen, das attraktivere Hochschul-Standorte zum Ziel hat. Monika Halverscheid (Grüne) schlug vor, die Industriekultur in diesem Bereich mit Wohnen zusammenzubringen. Annette Bonin (CDU) warnte davor. Industrie schließe Wohnnutzung aus.

Außer in den Arenen – eine zweite ist im Frühsommer geplant – können sich Bürger ab 15. Februar auch online beteiligen oder sich an Ina Fischer im Fachbereich Stadtentwicklung und Planung wenden (Details siehe Info-Kasten). In einer dritten Arena sollen bis Anfang 2020 die Ergebnisse präsentiert werden.

Mehr von RP ONLINE