Mönchengladbach: Hitzige Diskussion über Kaufland in Holt

Mönchengladbach : Hitzige Diskussion über Kaufland in Holt

Es sollte eine Veranstaltung werden, die die Sorgen von Anwohnern und Händlern entkräftet, stattdessen wurde jedoch heftig diskutiert. In einer Gesprächsrunde um die Kaufland-Ansiedlung äußerten Besucher gestern viele Bedenken.

Seit Monaten sorgt die geplante Ansiedlung von Kaufland in dem ehemaligen Praktiker-Areal zwischen Aachener-, Monschauer- und Bahnstraße für Diskussionen. Das war auch gestern Abend nicht anders, als die Jessen Baugesellschaft Besucher zu einer Gesprächsrunde zum Thema empfangen hatte. Vertretern von Kaufland, dem beteiligten Architekturbüro und Jessen schilderten, weshalb sie die Ansiedlung als sinnvoll erachten. Ein Teil der rund 30 Gäste, unter ihnen viele Anwohner und Gewerbetreibende, reagierten darauf mit teils starker Kritik.

Einer der Hauptstreitpunkte: das Thema Verkehr. Ein von Jessen in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Kaufland-Filiale im Vergleich zu September 2013 (als Praktiker noch existierte) eine Zunahme von 2700 Fahrzeugen pro Werktag verursacht. Während die Gutachter auf der Aachener Straße mit einem gleichbleibenden Verkehrsaufkommen rechnen — dort soll es keine Zufahrt mehr zu den Parkplätzen geben — dürften mehr Fahrzeuge als bisher die Bahnstraße nutzen. Die genannten Zahlen hielten einige Besucher für zu niedrig kalkuliert und verwiesen darauf, dass die Belastung aktuell schon immens sei. "Bereits jetzt ist die Bahnstraße zu den Stoßzeiten zu. Da passt einfach nichts mehr drauf", sagte eine Anwohnerin.

Katja Mehring (Mitte), Geschäftsführerin bdmp Architekten & Stadtplaner BDA, erklärte gestern den rund 30 Besuchern die Pläne. Foto: Reichartz,Hans-Peter

Ebenfalls äußerten Anwesende die Befürchtung, dass der Einzelhandel im Stadtteil unter der neuen Konkurrenz leiden dürfte. So hatten Händler unter anderem zuletzt mehr als 1000 Unterschriften gegen Kaufland zusammengetragen. Volker Hildebrand, Leiter Expansion von Kaufland, versuchte dem entgegenzusetzen, dass es sich bei der Filiale nicht um ein klassisches SB-Warenhaus, sondern um einen großen Verbrauchermarkt handele. "Dass bedeutet, dass wir zu 90 bis 95 Prozent Food anbieten, lediglich der Rest ist Non-Food", so Hildebrand. SB-Warenhäuser hingegen würden zu rund 50 Prozent Artikel verkaufen, die nicht dem Lebensmittelbereich zuzuordnen sind. Dies ergebe eine geringere Konkurrenz. Auch die reine Verkaufsfläche betrage, so Hildebrand, abzüglich Wege und Gänge 4300 Quadratmeter und sei damit kleiner als oft genannt. Es sei auch nicht so, dass die Kaufland-Kunden nur den Markt besuchen und dann wieder wegfahren würden: "Bis zu 40 Prozent der Besucher gehen anschließend auch im Stadtteil einkaufen."

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"Kaufland kommt nicht mit dem Vorsatz nach Mönchengladbach, Gewerbetreibenden das Wasser abzugraben", sagte Ullrich Bücker, Geschäftsführer der Jessen Baugesellschaft. Er bekräftigte das Angebot an Händler aus Holt, zu fairen Konditionen im sogenannten Vorkassenbereich Filialen eröffnen zu können. Bereits zuvor hatte Katja Mehring, Geschäftsführerin bdmp Architekten & Stadtplaner BDA, das Konzept für die Kaufland-Filiale erläutert. Der Neubau soll in der Spitze um 60 Zentimeter niedriger werden als Praktiker, damit sich der Komplex harmonischer in die Umgebung einfügt. Zudem würden die rund 260 Parkplätze überdacht werden, was zu einer Lärmreduzierung beitragen soll.

Um die Wogen beim Thema Kaufland zu glätten, hatten die Beteiligten bereits vor der gestrigen Gesprächsrunde mit einer Ausstellung über die Pläne informiert. Drei Tage lang, bis einschließlich gestern, konnten Interessierte im Jessen-Firmensitz an der Hennes-Weisweiler-Allee im Nordpark Pläne und Visualisierungen ansehen. Auf Folien wurden dort zum Beispiel die Vorteile aufgezählt, die Mönchengladbach durch die Ansiedlung des Marktes entstünden: Demnach werde die Filiale in Holt für 80 bis 100 neue Arbeitsplätze sorgen, hinzu kämen zwei bis drei Auszubildende pro Jahr. Alle Beschäftigungsverhältnisse, so ging aus der Darstellung von Kaufland hervor, seien kranken-, renten- und sozialversicherungspflichtig. Auch würde Kaufland Gewerbesteuer an die Stadtkasse abführen.

Zu sehen bekamen Besucher außerdem Visualisierungen des Neubaus. So soll die Fassade die kleinteilige Gebäudestruktur der Aachener- und Bahnstraße aufgreifen. Im aktuellen Planungsstand seien dafür Beton sowie vertikal angebrachte Lamellen vorgesehen, wie Katja Mehring auf Nachfrage sagte.

Laut der Darstellung in der Ausstellung soll die geänderte Verkehrssituation dazu beitragen, dass sich die geplante Kaufland-Filiale zum Holter Zentrum hin öffnet. So soll die Zufahrt über die Aachener Straße entfallen. Stattdessen soll es eine zusätzliche Zufahrt über die Monschauer Straße geben. Wie bislang auch bei Praktiker sollen Pkw die Parkplätze über die Bahnstraße erreichen können.

Vonseiten der Stadt hat Kaufland bereits im Juni positive Signale bekommen: Die Bauvoranfrage für den Verbrauchermarkt wurde positiv beschieden. In einem nächsten Schritt geht es nun um die Baugenehmigung.

(RP)
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