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Mönchengladbach: Hindenburgstraße: Nur noch bergauf Busverkehr

Mönchengladbach : Hindenburgstraße: Nur noch bergauf Busverkehr

Ein Gutachten soll klären, wie viele Busse künftig noch durch die Fußgängerzone fahren. Das Pflaster wird wohl durch Asphalt ersetzt.

Bei der Frage, ob Gladbach die einzige deutsche Großstadt bleiben will, die pro Tag fast 1000 Busse mitten durch ihre Hauptfußgängerzone schickt, zeichnet sich eine Lösung ab. Die Stadt beauftragt noch im November einen Gutachter, der ermittelt, welche Alternativen umsetzbar sind. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Verwaltung, NEW, City-Management und Bezirksvorsteher Reinhold Schiffers, das bei der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post verabredet worden war. "Wir lassen die Spielräume, die wir haben, ausloten. Und das völlig ergebnisoffen", sagt Planungsdezernent Andreas Wurff. Heißt: Es kann sein, dass, wenn 2014 die Arcaden eröffnen, kein Bus mehr über die Einkaufsmeile rollt — oder weiter alle. Beides ist aber gleichermaßen unwahrscheinlich.

Die NEW ist nämlich fest davon überzeugt, dass gleich aus mehreren Gründen auf keinen Fall alle Busse von der Hindenburgstraße verbannt werden können. 60 Prozent der Busnutzer fahren laut Dieter Harre, Leiter der Verkehrsbetriebe, in die Gladbacher City, weil sie an der Hindenburgstraße etwas zu erledigen haben. Und nicht nur Ältere oder Menschen mit Kinderwagen sind dankbar, wenn sie nicht den steilen Berg zu Fuß hoch müssen. Harre bezweifelt zudem, dass die Steinmetzstraße in der Lage wäre, 1000 Busse aufzunehmen. "Was passiert dann an der Kreuzung zur Bismarckstraße?", fragt er. Die Stadtplaner wiederum können sich genauso wenig vorstellen, dass alle Busse unverändert ihren Weg an den Geschäften vorbei nehmen. "Wir werden vor dem Haupteingang und auf dem neuen Platz vor dem Sonnenhaus sicher viel mehr Fußgänger haben als bisher. Das funktioniert nicht mit so vielen Bussen", glaubt Wurff. Außerdem brauche die Einkaufstraße einen klaren Charakter. "Im Moment sieht die mehr nach einer breiten Straße mit Bürgersteig aus als nach einer echten Fußgängerzone", so der Dezernent.

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So könnte der Kompromiss genau jener sein, den das Masterplan-Team im Sinn hat: Mehr Platz für Außengastronomie und fürs Flanieren und nur noch eine Busspur. Auf der kann dann nur noch in eine Richtung gefahren werden — bergauf. "Das können wir uns noch am ehesten vorstellen", sagt Harre, verweist aber darauf, dass noch etliche Fragen vom Gutachter zu klären seien. Unter anderem, wie das Umsteigen organisiert werden kann und wo an der Steinmetzstraße Bushaltestellen angelegt werden können, ohne dass der Parkhausverkehr behindert wird.

Unstrittig ist, dass die Stadt Geld in die Hand nehmen muss, wenn sie die Busse los werden will. Bis zu 1,6 Millionen Euro muss Mönchengladbach an das Land zurückzahlen. Denn der Ausbau der Hindenburgstraße wurde damals größtenteils vom Land bezahlt und an die Bedingung geknüpft, dass dort öffentlicher Nahverkehr fließt. Was es bedeutet, wenn nur ein Teil der Busse auf eine andere Strecke geschickt wird, müsste die Stadt wohl mit der Bezirksregierung aushandeln.

Handlungsbedarf gibt es für Andreas Wurff auch beim Pflaster. Das muss alle Nase lang ausgetauscht werden, weil die schweren Busse den Belag beschädigen. Das hatten seinerzeit zwar Experten genau so prophezeit — trotzdem wollten Verwaltung und Politik damals unbedingt Pflaster haben, weil es besser aussieht. "Das funktioniert nicht. Wir brauchen an der Stelle Asphalt. Dass das auch gut aussehen kann, ist auf dem Alten Markt zu besichtigen. Und vielleicht bekommt man es optisch sogar noch schöner hin als dort", sagt Wurff.

In sechs Monaten soll das Gutachten vorliegen. Andreas Wurff: "Dann wissen wir, welche Optionen überhaupt sinnvoll sind." Am Ende jedoch geben die Experten nur Empfehlungen ab. Entscheiden müssen die Politiker.

(RP)