Mönchengladbach: Hier zieht Kunst ein

Mönchengladbach: Hier zieht Kunst ein

Zwei Jahre stand das denkmalgeschützte Haus leer. Ende Juli soll der Geneickener Bahnhof wiedereröffnet werden. Eine Kunstakademie und ein Schweizer Sammler ziehen ein. Die Gastronomie entfällt.

Die Kunstakademie, die seit rund zehn Jahren an der Rheydter Schlossstraße residiert, wird in den Geneickener Bahnhof ziehen. "Uns wurde vor einiger Zeit überraschend mitgeteilt, dass unser Domizil an der Schlossstraße in Kürze abgerissen wird", sagt Günter von Kannen, der mit seinem Bruder Jürgen die Akademie leitet. Sie seien froh, dass sie in den Geneickener Bahnhof ziehen können. Genutzt wird das denkmalgeschützte Haus an der Otto-Saffran-Straße, das nach dem Weggang von Holger Böker vor zwei Jahren leer stand, aber nicht nur für Kunstkurse. Ein Schweizer Sammler zieht mit ein, um dort seine Sammlung zu zeigen. "Er will noch nicht namentlich genannt werden", sagt Günter von Kannen. Er und sein Bruder sind mit dem Schweizer, der schwerpunktmäßig Zeitgenössisches sammelt, befreundet. Gemeinsam haben sie die bekannte Immobilie gekauft.

Derzeit werden die Umbauten geplant. "Vor allem der Brandschutz ist aufwendig." Wie die Aufteilung zwischen Kunstsammlung und Kunstakademie aussehen wird, ist noch nicht ganz klar. "Wir nennen unser neues Domizil Atelier-Museum." Sicher ist, dass es keine Gastronomie mehr geben wird. Günter von Kannen ist Industrieillustrator, sein Bruder Mediendesigner. Beide geben Kurse an der Kunstakademie. In der privaten Einrichtung werden schon ganz junge Menschen unterrichtet und mit der Kunst und dem Kunstschaffen vertraut gemacht. In den Mappenkursen werden Schüler auf die Aufnahmeprüfung an der staatlichen Kunstakademie vorbereitet. "Wir haben einen guten Namen, eine Mappe, die bei uns entstanden ist, ist fast schon die Garantie für die Aufnahme", sagt Günter von Kannen.

Wenn alles gut geht, soll der neue Geneickener Bahnhof Ende Juli eröffnet werden. Damit wird ein bedeutendes historisches Gebäude Rheydts wiederbelebt. Der Geneickener Bahnhof war am 1. Februar 1870 mit dem Streckenabschnitt von Gladbach (heute: Mönchengladbach Hbf) nach Rheydt-Odenkirchen in Betrieb genommen worden. Die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft verlängerte die Strecke im Jahr 1873 über Jülich bis nach Stolberg. Der Bahnhof umfasste neben den Anlagen für den Personenverkehr auch Ladeeinrichtungen für den Güterverkehr sowie einen Rangierbahnhof. Mehrere Betriebe hatten einen Gleisanschluss im Bahnhof. Das Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1899. Im unteren Bereich befanden sich die Diensträume sowie die Warteräume. Angeschlossen war außerdem eine Bahnhofsgaststätte. Das Obergeschoss diente als Wohnraum für den Bahnhofsvorsteher. Nach der Teilstilllegung der Strecke war das Empfangsgebäude ohne Funktion, lediglich der nördliche Bahnhofskopf blieb in Betrieb. Die Stadt erwarb das Gebäude 1988 von der Bundesbahn. Anfang der 90er kaufte Holger Böker es und eröffnete 1996 das Restaurant, das er 18 Jahre führte, bevor er das Restaurant Richard-Wagner übernahm.

(RP)
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