Mönchengladbach Heroin schmuggelnder Anwalt muss doch nicht ins Gefängnis

Mönchengladbach · Der ehemalige Rechtsanwalt, der gestern im Berufungsverfahren vor Gericht stand, hatte Drogen besessen, beim Erwerb von Drogen geholfen, gegen das Waffengesetz verstoßen und einen Mandanten in der Mönchengladbacher Justizvollzugsanstalt mit Heroin versorgt. Am 15. Oktober 2012 war er in der JVA mit drei Gramm der harten Droge erwischt worden. Das Gladbacher Amtsgericht hatte den Juristen im März des vergangenen Jahres deshalb zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Eine Bewährungsstrafe wäre angemessen, fand der 64-Jährige, legte Berufung gegen das Urteil ein - und hatte Erfolg.

Die 10. kleine Strafkammer des Landgerichts, unter dem Vorsitz des Richters Michael Wadenpohl, änderte das Urteil teilweise ab; sprach eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten plus eine Geldbuße von 1200 Euro aus. Die Strafkammer wies dabei auf das neue psychiatrische Gutachten hin. Der Sachverständige bescheinigte dem Angeklagten eine "ausgeprägte altruistische Persönlichkeit", die "zu einer Depression führte". Die Steuerungsfähigkeit des bis dahin unbescholtenen Anwalts, der seine Zulassung im Dezember 2012 zurückgegeben hat, sei "eingeschränkt gewesen". Nach der Aufdeckung der Tat hatte der Angeklagte versucht, sich mit Alkohol und 50 Diazepam-Tabletten umzubringen, später begann er eine Therapie. Dass er dadurch eine günstige Sozialprognose habe, geständig und nicht vorbelastet sei, sowie einen Großteil des Heroins nicht in Umlauf gebracht habe, wertete die Strafkammer zugunsten des Gladbachers.

Zum Hintergrund: Der Angeklagte lernte 1999 eine Frau kennen, die damals am Methadonprogramm teilnahm. Die beiden wurden ein Paar. Aber erst ein Jahr später habe er erfahren, dass seine Partnerin drogenabhängig war. Immer wieder habe sie in der Folge versucht, vom Heroin loszukommen. Nach etwa acht Jahren zog sie schließlich aus, fand einen neuen Freund - ausgerechnet einen Mandanten des Angeklagten. Sie nahm wieder Kontakt zu dem Anwalt auf, bat ihn um Geld. Dreimal nahm er sie mit nach Geilenkirchen, wo er einen Freund besuchte. In Übach-Palenberg kaufte sie Heroin, was der Jurist nicht gewusst haben will, aber ahnte. Später gab die Ex-Freundin dem Anwalt einen Beutel mit 30 Gramm der Droge. Das Rauschgift sei zum Eigenkonsum bestimmt, in ihrer Wohnung aber nicht sicher.

Der Angeklagte erklärte, sein damaliger Mandant (und Freund seiner Ex-Freundin) habe kurz darauf bei ihm um Heroin gebettelt. Der Verteidiger schmuggelte es in die JVA - und wurde beim dritten Mal aufgehalten. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei 26 Gramm Heroin, zudem Waffenteile. "Warum ich mich zu alldem bereit erklärt habe, weiß ich selbst nicht, vielleicht aus Mitleid", sagte der 64-Jährige gestern. Sein Verteidiger nannte es etwas flapsig das "Helferlein-Syndrom".

(RP)
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