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Mönchengladbach: Hermann Jansen: Der Kümmerer tritt ab

Mönchengladbach : Hermann Jansen: Der Kümmerer tritt ab

Kurz vor seinem 83. Geburtstag hat er gestern Abend sein letztes Amt aufgegeben: Der Mann, den alle nur Hermann nennen, ist nicht länger Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt. Gladbach verneigt sich vor einer großen Lebensleistung.

Typisch Hermann Jansen. Bei seinem endgültigen Abschied vom öffentlichen Leben stellte er sich gestern Abend nach all den Lobreden ans Mikrofon im Haus Erholung und sagte: "Ich will nicht lange reden. Reden war noch nie meine Stärke." Aber zum Beispiel Ehrlichkeit, Gradlinigkeit und Bescheidenheit. Sie haben ihn weit gebracht, den Maler und Anstreicher Hermann Jansen, der sich nie größer machen wollte, als er war. Und das auch nicht musste.

Drei Mal gewann der Sozialdemokrat im tiefschwarzen Mönchengladbach seinen Wahlkreis direkt und wurde so Landtagsabgeordneter. In Düsseldorf war er schnell gefürchtet. Nicht wegen seiner Reden - aber wegen seines Wissens, wie man ans politische Ziel kommt. Mit gesundem Menschenverstand, niederrheinischer Schlitzohrigkeit und Hartnäckigkeit erreichte Hermann Jansen mehr als mancher Lautsprecher und Schönredner. Borussia-Präsident Rolf Königs verstand schnell, welches Gewicht Jansens Wort auf Landesebene auch rund um den Stadion-Neubau hatte. "Alle sagen nur Hermann zu ihm. Hermann - das ist eine richtig starke Marke, und zwar weit über Gladbach hinaus", sagte Königs einmal über Jansen. Der war als Aufsichtsratsvorsitzender von Borussia viele Jahre der Chef des Präsidenten Königs. Und leistete auch dabei im Hintergrund gerade in den unruhigen Phasen des Vereins mehr, als viele mitbekamen.

Egal, welchen der vielen Hüte er gerade auf hatte, Jansens Ziel war stets dasselbe, wie Norbert Bude gestern in seiner Rede herausarbeitete: "Bei Hermann Jansen stand immer der Mensch im Mittelpunkt." Egal ob als Gewerkschafter, Politiker oder in führender Position bei der Arbeiterwohlfahrt, Jansen war es Herzensangelegenheit, dass es den Menschen gut geht. Und er arbeitete mit immensem Fleiß dafür. So was spricht sich herum. Und so hat wohl kaum ein Mönchengladbacher so oft wie er diesen Satz gehört: "Hermann, kannst Du helfen?" Er konnte erstaunlich oft. Sein persönliches Credo verpackte Jansen gestern in einen Auftrag an die Nachfolgenden: "Die Mönchengladbacher haben es verdient, dass man sich um sie kümmert. Arbeitet zusammen für diese Stadt!" Und ein Rezept, wie das geht, schob Jansen gleich hinterher: Es gebe an vielen Stellen Fördergelder. Nur rechtzeitig kümmern müsse man sich schon.

Dass er seinen Aufstieg bis in die wichtigsten Ämter ohne jeden noch so kleinen charakterlichen Wackler überstand, ist vielleicht die bedeutendste Lebensleistung von Hermann Jansen. Vor der verneigten sich gestern noch einmal viele Offizielle und Wegbegleiter: vom früheren Stadtdirektor Professor Günter Buhlmann über den NEW-Vorstandsvorsitzenden Friedhelm Kirchhartz und den Borussia-Aufsichtsratsvorsitzenden Professor Reiner Körfer bis zu Norbert Bude. Der wurde gestern Abend von der Kreiskonferenz der Arbeiterwohlfahrt zum Nachfolger Jansens als Awo-Vorsitzender gewählt.

Die Gäste des Empfangs - und nicht zuletzt seine Frau Helga - ahnen, dass Hermann Jansen trotz aller Beteuerungen sein Betätigungsfeld nun nicht vollends in die heimische Küche verlagern wird. "Vielleicht kann ich ja an der einen oder anderen Stelle noch ein kleines bisschen helfen", sagte Hermann Jansen zum Abschied. Davon ist schwer auszugehen. Und das ist gut so.

(RP)