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Herbert Kemmerling über den Marienbildstock in Mönchengladbach Hardt

Gladbacher Lesebuch : Was es mit dem Marienbildstock in Hardt auf sich hat

Der Heimatforscher und Hardter Pfarrarchivar Herbert Kemmerling hat sich mit einem Marienbildstock beschäftigt, für das sich früher wie heute einige Hardter engagieren. Ein LKW-Unfall und abgehackte Hände - der Marienbildstock hat eine bewegte Geschichte.

An der Kreuzung der Wege Wehresbäumchen und Wacholderweg stand auf der linken Waldseite nach dem 2. Weltkrieg bis 1970 ein Bildstock, der eine Madonnenfigur beherbergte. Das kleine Denkmal war vom Architekten Adolf Esser-Holdefer im Jahr 1946 errichtet worden. Er hatte den Bildstock aus Ziegelsteinen eigenhändig gemauert, und es war sein persönlicher Dank dafür, dass er den 2. Weltkrieg überlebt hatte.

Dieser Bildstock wurde dann Ende der 60er-Jahre in einer Nacht von einem LKW beim Rangieren angefahren, so dass er aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste. Die dahinter stehende Rotbuche erlitt Fäulnisbefall und wurde von der Stadt Mönchengladbach im Juni 1972 gefällt. Der alten Madonnenfigur hatte man die Hände abgehackt und weitere Beschädigungen zugefügt. Adolf Esser-Holdefer hatte sie daraufhin in seinem Haus sichergestellt. Heute steht an dem alten Standort eine Rosskastanie, gepflanzt von einer Tochter von Adolf Esser-Holdefer. In einem Gespräch mit dem Architekten Martin Esser-Holdefer war zu erfahren, dass er den neuen Bildstock 2012 errichtet hat aus Dankbarkeit darüber, dass „Gott ihn hier im Hardter Wald auf die Erde hat fallen lassen und in Erinnerung an seinen Vater Adolf“. Die Planung für den neuen Bildstock zog sich über sechs Jahre hin. Der Bildstock ist vierteilig und setzt sich zusammen aus dem Sockel, einer Säule, der Marienfigur und einer Umhausung. Zusammen mit seiner Ehefrau Ulla mauerte Martin Esser-Holdefer im April 2012 den Natursteinsockel aus Bruchstein. Er steht als Symbol für die Ewigkeit. Stele und Marienfigur folgten dann im Mai beziehungsweise Juni 2012. Die Umhausung der Maria als Marienkapelle aus rostendem, rohem Baustahl ist ein Sinnbild für die Vergänglichkeit dieser Welt. Die rauen Stahlplatten symbolisieren die große Errungenschaft des zu Ende gehenden mechanischen Jahrhunderts der Stahlverarbeitung.

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Der Madonnenbildstock hat seitlich eine Inschrift (Intention): „Für alle“, die Martin Esser-Holdefer an der linken Seite in den Stahl eingraviert hat. Er wünscht sich, dass der Bildstock durch die Öffentlichkeit angenommen wird und Gefallen bei vielen Wanderern und Bürgern findet. Dieser Wunsch ist bereits in Erfüllung gegangen. Das kleine Kapellchen wird inzwischen von der Bevölkerung angenommen und gepflegt. Wanderer und Anwohner bringen frische Blumen mit und setzen immer wieder brennende Kerzen auf. Im Bildstock steht eine Säule mit dem Schriftzug „In Memoriam“. Er bezieht sich auf die Kultur dieser Heiligenbildstöcke seit Alters her und soll eine universelle Rückbesinnung auf den alten Bildstock seines Vaters sein. Die Säule wurde von Martin Esser-Holdefer neu gegossen. Die Inschrift „In Memoriam“ ist von Hand in die Schalung des vor Ort gegossenen Betons eingearbeitet. Sie soll ein traditionelles Rückbesinnen für jeden Vorübergehenden ermöglichen.

Auf der Säule steht eine Madonna, die etwa 120 Jahre alt ist, von einem Familiengrab aus Altenessen stammt und aus Betonguss hergestellt wurde. Es ist eine meditative Madonna ohne Jesuskind. Die Figur ist eine gesammelte, konzentrierte, auf der Säule überhöhte Maria. Sie ist eine erdverbundene Heilige, gleichzeitig aber auch eine Mutterfigur. Als symbolträchtige Maria steht sie auf der Erdhalbkugel sowie der Mondsichel und zertritt die Schlange zu ihren Füßen (Symbol für den verführerischen Teufel). Diese Muttergottes ähnelt übrigens der Madonna auf der Mariensäule vor der St. Nikolaus-Kirche in Hardt.

Die kleine Kapelle ist von hinten in Breite der Säule offen, so dass Licht von der Südseite in ihren Rücken wie durch ein Kirchenfenster einfallen kann. Bei Sonnenschein wird sie zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich beleuchtet und erstrahlt in einem mystischen Glanz. Alles in allem ist dieser Bildstock eine Bereicherung für den Hardter Wald, egal ob zur Winter- oder Sommerzeit. Vielen Dank an Herrn Martin Esser-Holdefer.