Serie Was Macht Eigentlich?: Herausforderung in einem spannenden Arbeitsfeld

Serie Was Macht Eigentlich?: Herausforderung in einem spannenden Arbeitsfeld

Etwas bewegen, für Menschen arbeiten, die Hilfe brauchen, sich engagieren: Das war für Monika Bartsch, die Tochter eines Mönchengladbacher Kaufmanns im Westend, schon immer wichtig. Auch deshalb ist die junge Frau 1971 Lehrerin geworden: "Ich habe mich schon als ältere Schülerin gerne mit Kindern beschäftigt." Sie übernahm Vormundschaften und so genannte Erziehungsbeistandsschaften, arbeitete im Vorstand des Sozialdienstes Katholischer Frauen und gründete dort 1979 das Frauenhaus in Mönchengladbach mit.

1972 trat sie in die CDU ein, hat Verantwortung übernommen, zunächst in der Jungen Union, dann in der Frauen-Union. Es war der Anfang ihrer kommunalpolitischem Laufbahn mit immer mehr Ehrenämtern in der Partei bis hin zur Kreisvorsitzenden. Aktive Lehrerin war sie da nicht mehr. 1976 hatte sie sich nach fünfeinhalb Jahren an der Hauptschule Wiedemannstraße vom Schuldienst beurlauben lassen, um sich auch um ihre Familie mit den Töchtern Eva Maria (heute 45 Jahre) und Sabine (42) zu kümmern.

Daneben lief ihr Aufstieg in der Kommunalpolitik. Alfred Bohnen, der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, wurde auf die Sachkundige Bürgerin im Schulausschuss aufmerksam, machte sie 1987 zur Fraktionssprecherin im Ausschuss und holte sie 1989 in den Rat der Stadt. 1993 wurde Monika Bartsch Bohnens Stellvertreterin als Fraktionsvorsitzende. Vier Jahre später trat sie die Nachfolge von Oberbürgermeister Heinz Feldhege an, noch ehrenamtlich und vom Rat gewählt. Ende 1998 wurden die Oberbürgermeister in Nordrhein-Westfalen als Hauptamtliche nicht mehr nur Repräsentant, sondern auch Chef der gesamten Stadtverwaltung. Monika Bartsch zögerte zunächst, trat dann aber mit dem Votum des "Familienrats" an und setzte sich in einer Stichwahl gegen Klaus Schäfer von der SPD mit 60 Prozent der Stimmen durch.

"Es war etwas weitgehend Neues für mich, eine Herausforderung in einem sehr spannenden Arbeitsfeld", erzählt Monika Bartsch. Der Nordpark, bis dahin ein brachliegendes, 160 Hektar großes ehemaliges Militärgelände, bot eine große Chance, welche die Stadt gemeinsam mit Borussia annahm. Das neue Fußballstadion, bis dahin eher ein Luftschloss, wurde Wirklichkeit, der "Hockeypark" direkt daneben kam dazu. Der Traum von olympischen Wettbewerben in MG erfüllte sich zwar nicht, aber es gab immerhin die Hockey-WM 2006. Gladbach ist auch nicht Deutschlands Hockey-Hauptstadt geworden, doch aus dem Stadion wurde eine vielgenutzte Konzert-Arena. Und vor allem: Der gesamte Nordpark zieht immer mehr Unternehmen an.

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Monika Bartsch verfolgt dies nicht ohne Stolz. Oberbürgermeisterin ist sie seit 2004 nicht mehr - nicht abgewählt, sondern weil sie es selbst so wollte: "Ich habe nicht nur die repräsentativen Aufgaben gerne gemacht, sondern auch die Tätigkeit in der Verwaltung geliebt. Aber ich war 55 Jahre, konnte zufrieden zurückblicken - und wollte noch einmal etwas anderes machen, was mich nicht so einengte."

Sie hat sich für die Suche Zeit genommen, nicht gleich eines der ersten Angebote genommen, sondern zugegriffen, als Brigitte Carmanns-Giebel 2007 den Vorsitz bei der Tafel aus gesundheitlichen Gründen abgab. "Ich habe selbstbestimmt gehandelt und drei große Entscheidungen getroffen - die alle richtig waren. Ich bereue nichts", sagt sie heute: die Kandidatur als Oberbürgermeisterin, der Rückzug aus dem Amt sieben Jahre später und dann die neue Aufgabe bei der Tafel. Die sie ausfüllt, aber genügend Zeit für Privates lässt: Sie entlastet Tochter Sabine, indem sie sich um den fünfjährigen Enkel Mats und die eineinhalbjährig Johanna kümmert. Sie besucht einmal im Jahr die Familie ihrer Tochter Eva-Maria in den USA. Und es gibt so viele alte Freunde und Bekannte. Bis vor drei Jahren ist sie dreimal die Woche gewalkt. "Doch das ist wegen diverser Krankheiten der ,Mitstreiter´ leider ausgefallen. Und im Moment fehlt mir die Zeit dazu. Auch Lesen findet leider nur noch abends statt! Aber das ist hoffentlich wieder anders, wenn die Arbeit etwas weniger wird ..."

(oes)
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