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Mönchengladbach: Henrike Hahn: "Ich bin ein Theatertier"

Mönchengladbach : Henrike Hahn: "Ich bin ein Theatertier"

Die 27-Jährige ist neu im Schauspielensemble des Theaters. Ihr Debüt hat sie zur Spielzeiteröffnung in dem Schauspiel "Verbrennungen" gegeben. Ursprünglich wollte die gebürtige Hamburgerin lieber hinter statt auf der Bühne arbeiten.

Henrike Hahn hat ein gutes Bauchgefühl. Schon beim Vorsprechen am Theater Krefeld/Mönchengladbach hat sie "eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und große Herzlichkeit" gespürt, sagt sie. Und der Bauch hat sie nicht getäuscht: Die 27-Jährige hat einen Vertrag bekommen und gehört nun zum Schauspielensemble des Gemeinschaftstheaters — es ist ihr erstes Festengagement.

Die gebürtige Hamburgerin ist Absolventin der Stuttgarter Schauspielschule. Erste Proben hat sie am Niederrhein bereits vor den Theaterferien gehabt. In Krefeld hat sie inzwischen ihr Debüt mit der Produktion "Verbrennungen" gegeben sowie die Schwester in "Ewig jung" gespielt. "Als Anfängerin will ich natürlich alles richtig machen", sagt sie. Daher ihr Lampenfieber. Ab der dritten oder vierten Vorstellung erst genieße sie ihre Rollen: "Dann haben sich die Nervosität und Aufregung gelegt, ich kann mich dann im Spiel auf das Wesentliche konzentrieren." Im besten Falle spürt sie dann jene Magie, die Theater versprühen kann: dass sie sich so in der Rolle fühlt, dass die Grenzen des Spiels verwischen. "Manchmal spürt man dann einen Moment lang eine Parallele zum wirklichen Leben. Aber das ist noch sehr selten."

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Den Zauber des Theaters hat sie schon als Schülerin in Hamburg gespürt. Sie hat die Zeit von Ulrich Khuon als Intendant am Thalia-Theater erlebt — als Zuschauerin. "Ich war gebannt. Der Moment, in dem das Licht ausgeht und man weiß, dass etwas beginnt, ist unvergleichlich", sagt Hahn. Damals sei ihr klar geworden, dass sie zum Theater wollte. "Ich habe allerdings eher an Bühnen- oder Maskenbildnerin gedacht, vielleicht an Regie." Dass sie sich doch für Schauspielerei entschieden habe, sei der spontanen Idee geschuldet: "Ich geh' mal vorsprechen". Die Staatliche Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart hat sie angenommen. Und schnell war ihr klar, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte: "Ich bin ein Theatertier".

Henrike Hahn hat in dem Stück "Ulrike Maria Stuart" von Elfriede Jelinek die Rolle der Ulrike Meinhof gespielt. Es war eine spannende Zeit, in der sie sich intensiv mit der Mitbegründerin der RAF auseinandersetzte. "Ich komme aus einem politischen Elternhaus, da wurde immer viel diskutiert." Die Rolle hat auch ihr Verständnis für ihren Beruf beeinflusst: "Bei so einer Figur ist es vermessen, Realität spielen zu wollen. Spielen heißt da vielmehr: Man muss ein eigenes Abbild schaffen. Ich kann und will nicht in die Privatsphäre der Person dringen, sondern versuchen, sie realistisch zu rekonstruieren." Dafür hat sie sich gründlich in die Biografie eingelesen. "Ich mag es, wenn eine Rolle mich nicht loslässt." Deshalb könnte sie sich gut vorstellen, die Rolle auch noch mal für einen Film zu spielen. Die Amazonenkönigin Penthesilea würde sie auch gerne verkörpern. Aber generell findet sie: "Männerrollen sind einfach viel interessanter."

Eine wichtige Theaterarbeit während der Ausbildung war auch "O Vater, armer Vater, Mutter hängt dich in den Schrank, und ich bin ganz krank". Der New Yorker Autor Arthur Kopit (76) nennt es selbst eine "pseudoklassische Tragifarce in einer pseudofranzösischen Tradition". Gemeinsam mit anderen Stuttgarter Schauspielstudenten hat Hahn das fast vergessene Stück neu entdeckt. Das Schauspiel war ihre Visitenkarte beim Vorsprechen am Theater Krefeld/Mönchengladbach. Nicht nur, weil Theaterleiter es bei Bewerbungen selten erleben, sondern auch wegen eines glücklichen Zufalls: Studienkollege Jonathan Hutter hatte sich ebenfalls am Zwei-Städte-Haus beworben. So konnten beide gemeinsam agieren. Und Hahns gutes Gefühl bewahrheitete sich nochmals. Auch Hutter hat hier seinen ersten Theatervertrag bekommen.

(RP)