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Serie Was Macht Eigentlich?: Helfen ist "Juppis" Leidenschaft

Serie Was Macht Eigentlich? : Helfen ist "Juppis" Leidenschaft

Heinz-Josef Claßen war 32 Jahre "Chef" der Kleingärtner dieser Stadt - mit demselben unermüdlichen Einsatz, der ihn 48 Jahre als Beamten auszeichnete und bis heute als Ehrenamtler. Er ist bekannt wie ein bunter Hund. Vom Gärtnern versteht er nicht viel - aber vom Organisieren.

Ordnung muss sein, aber nicht um ihrer selbst wegen, sondern im Interesse der Bürger: Das hat er in die Wiege gelegt bekommen - als Sohn eines Polizisten. Heinz-Josef Claßen, geboren im Herbst 1943, wollte eigentlich auch Polizist werden. Doch weil er zwar genau hingucken kann, aber nicht ganz so scharf sehen, fiel er am Ende doch durch die Aufnahmeprüfung. Und war froh, mit der Mittleren Reife in der Tasche eine Anstellung als "Dienstanfänger" bei der Stadtverwaltung M.Gladbach zu bekommen - und dort einige Jahre später die Aufgabe, die ihm am meisten liegt: Gestalten und Helfen.

 Lächeln, helfen, freundlich sein, kompetent - aber nicht als Gärtner ...
Lächeln, helfen, freundlich sein, kompetent - aber nicht als Gärtner ... Foto: Ilgner

Heinz-Josef, oft einfach "Juppi" genannt, ist nicht der Typ des sturen, sich wortgetreu an Paragrafen und Vorschriften haltenden Beamten. Und kam trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, in der Verwaltung zügig voran: "Vom kleinen Inspektor zum Leiter etlicher Ämter und Bezirks-Verwaltungsstellen bis zum Stadtoberverwaltungsrat. Ich hatte das Glück, nach der Ausbildung im Jugendamt zu landen, Abteilung Jugendpflege", erzählt der mittlerweile 74-Jährige. "Professor Günther Buhlmann, damals Sozialdezernent, war mein größter Förderer."

 Auftritt beim CDU-Karneval: Juppi Claßen als Vader Abraham.
Auftritt beim CDU-Karneval: Juppi Claßen als Vader Abraham. Foto: ilg

13 Jahre, von 1967 bis 1980, war Claßen dort. Mit Kindern und Jugendlichen umzugehen, sie anzuleiten und zu lenken, das hatte er früh bei der Katholischen Jugend der Pfarre St. Josef Hermges gelernt, wo er "bis zum Erwachsenwerden" eifrig dabei gewesen war. "Wichtig war mir immer, mit Menschen zu tun zu haben", sagt er. So wählte er beim Amt für Wohnungswesen die Abteilung Wohnungsvermittlung, kümmerte sich am Asylanten und den Problembezirk Römerbrunnen.

 Junger Mann im Jugendamt: Dienstantritt von Heinz-Josef Claßen 1967.
Junger Mann im Jugendamt: Dienstantritt von Heinz-Josef Claßen 1967. Foto: CL

Er hat früh gelernt, sich zu engagieren, ob in der Mönchengladbacher Drogenberatung und der Komba-Jugend bei der Stadtverwaltung, die er beide mitgegründet hat, im Personalrat oder in dem Verein, den er und der ihn bekannt gemacht hat, über Mönchengladbach hinaus: der Kleingärtnerverein.

2852 in 52 Vereinen organisierte Hobby-Gärtner, vom Hilfsarbeiter bis zum Akademiker, gibt es im "Kreisverband Mönchengladbach der Gartenfreunde" Ihr "Chef", genauer, 1. Vorsitzender, war 32 Jahre lang, von 1979 bis 2011, Heinz-Josef Claßen. Anfangs nicht einmal so sehr aus Leidenschaft, sondern weil er sich über etwas aufgeregt hatte, das heute leider wieder aktuell ist: die Ablehnung von Ausländern.

Er war 35 Jahre alt und Vorsitzender des Kleingärtnervereins An der Landwehr Dahl, und hatte kein Verständnis dafür, dass der Kreisverband Mönchengladbach in einem Rundbrief seine Vereine aufforderte, keine Gärten an Ausländer zu verpachten. "Für eine solche Haltung hatte ich als sozial engagierter Mensch kein Verständnis", erzählt Claßen. Er schrieb seinerseits einen Brief an die Vorsitzenden der Vereine - und der zeigte Wirkung: Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Kreisverbandes trat dessen Vorsitzender zurück. Ein neuer Mann wurde gebraucht - und gefunden. "Ich hatte gar nicht vorgehabt, den Vorsitzenden gewissermaßen abzuschießen, sondern wollte nur meine Meinung zur Haltung gegen Ausländer kundtun", sagt Heinz-Josef Claßen. Doch die Mehrheit forderte ihn als Nachfolger, und "Juppi" ging es wie so oft: "Zu neuen Aufgaben konnte ich nicht nein sagen."

Dabei war Claßen gar kein echter Kleingärtner, jedenfalls kein passionierter. "Ich habe zwei linke Hände und konnte eine Staude nicht von Unkraut unterscheiden", gibt er zu. Dabei hatte er eine Frau geheiratet, die aus einer großen Gärtnerei am Volksgarten stammte: Helene Bollig. 1969 hatten sie geheiratet, und Helene hatte sich zunächst mit der gärtnerischen Unlust ihres Mannes abgefunden. Bis sie in eine Wohnung in Hermges zogen, von deren Balkon aus nur wenig Grün zu sehen war. Und er, eben ein wirklich diensteifriger Beamter, war auch noch selten zuhause. Helene war damit nicht zufrieden, langweilte sich - und bekam einen Kleingarten an der Landwehr in Dahl.

Der Familienfrieden war gerettet - und Heinz-Josef fand schnell eine Aufgabe, bei der er das konnte, was er am liebsten tut: organisieren, gestalten, wenn auch wenig gärtnerisch. Claßen wurde Vorsitzender des Kleingärtnervereins an der Landwehr. Fünf Jahre später kam der "Job" im Kreisverband dazu - ein allseits anerkannter und beliebter "Kleingärtner". Doch im Kleingarten in Dahl oder heute im Garten am Haus in Ohlerfeld, da achtet Helene Claßen vorsichtshalber immer noch darauf, dass ihr Mann sich an die "Regeln" hält.

(RP)