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Serie: Was macht eigentlich...?: Heinz-Harald Frentzen: Zu anständig für den WM-Titel

Serie: Was macht eigentlich...? : Heinz-Harald Frentzen: Zu anständig für den WM-Titel

Der Rheydter Heinz-Harald Frentzen ist zehn Jahre lang in der Formel 1 gefahren. 1997 war er Vize-Weltmeister, 1999 WM-Dritter. Doch der ganz große Wurf gelang nicht, weil er nie in einem wirklich siegfähigen Auto sitzen durfte. Nach 17 Jahren in Monaco lebt der 44-Jährige seit August nun wieder am Niederrhein.

Zweifel am Talent gab es kaum — im Gegenteil. "Ich weiß nicht, ob es irgendeinen Fahrer mit solch fantastischem Gefühl fürs Auto gibt wie Frentzen", hat Frank Williams, Haupteigentümer und Teamchef des Formel-1-Rennstalls Williams Grand Prix Engineering, einmal gesagt. "Aber Heinz-Harald ist ein sehr sensibler Charakter und nicht hart genug für das Formel-1-Geschäft."

Man kann aber auch sagen: Der Grand-Prix-Pilot aus Rheydt ist zu anständig, steht zu seinen Verträgen, auch wenn es zu seinem Nachteil ist. Wie bei seinem ersten Engagement von 1994 bis 96 beim Rennstall des Schweizers Peter Sauber. Da machte Frank Williams Frentzen das mit einer Millionen-"Ablöse" für Sauber untermauerte Angebot, zu ihm zu kommen, um den tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeister Ayrton Senna zu ersetzen. Doch der Rheydter blieb bis zum Vertragsende Sauber treu, der ihm den Einstieg in die Formel 1 ermöglicht hatte und nun in Not war nach dem schweren Unfall des Teamkollegen Karl Wendlinger, der wochenlang im Koma lag.

Vielleicht war diese Entscheidung ein Fehler, doch Frentzen sagt noch heute im Rückblick auf zehn Jahre in der Königsklasse des Motorsports: "Ich bereue nichts. Es wäre zu einfach."

Weltmeister ist er so nicht geworden, trotz allen Talents. An fehlender sportlicher Härte hat es aber nicht gelegen. Denn 1999 ist Frentzen nach einem schweren Unfall in Kanada zwei Wochen später in Magny-Cours mit gebrochenem Bein gefahren — und hat gewonnen, vor Mika Häkkinen, Rubens Barrichello, Ralf und Michael Schumacher sowie Eddie Irvine. Am Saisonende feierte er in Japan ausgelassen mit Eddie Jordan den dritten Platz in der Fahrer-WM-Wertung.

Das war zwar ein Rang unter seinem Titel als Vizeweltmeister im Jahr 1997. "Doch 1999 war meine beste Saison", sagt Heinz-Harald Frentzen noch heute. Denn er war bis zum drittletzten Rennen vorne um den Titel mitgefahren — mit einem Jordan-Mugan-Honda, der nur Mittelmaß war. Und mit dem er dann beim drittletzten Rennen auf dem Nürburgring mit einem technischen Defekt ausschied — in Führung liegend. Die Titelchance war futsch, Platz drei hinter Mika Häkkinen und Eddie Irvine zunächst nur ein schwacher Trost. Dennoch: "Es war mein erfolgreichstes Jahr", sagt Frentzen.

Hinter dem sogar die Vizeweltmeisterschaft zurücktritt: "1997 war eine total verkorkste Saison, Pech von Anfang an." Nach Vertragsende bei Sauber war er zu Williams gegangen, wo er Weltmeister Damon Hill im Williams-Renault ersetzte. "Mit dem Auto hätte ich Weltmeister werden müssen", sagt Frentzen. Doch es gab immer wieder Probleme. Schon beim ersten Rennen explodierte eine zu dünn dimensionierte Bremsscheibe, in Monte Carlo musste er auf Anweisung des Teams bei Regen mit Trockenreifen starten — eine sehr riskante Strategie, die prompt in die Hose ging.

Frentzen ("Ich hatte, wie man im Rheinland sagt, die Seuche") spricht nicht davon. Doch es gab Fachleute, die argwöhnten, der eine oder andere im britischen Team hätte halt lieber weiter Landsmann Damon Hill im Cockpit gesehen.

Der Rheinländer aber brauche, heißt es in der Branche, Vertrauen und das Gefühl, dass auch der Mensch zählt — selbst im knallharten Formel-1-Business. Vielleicht war es dies, was Williams meinte, als er von Frentzens sensiblem Charakter und fehlender Härte sprach.

Teamkollege Jacques Villeneuve erhielt jedenfalls wohl mehr Unterstützung beim Team und wurde Weltmeister. Dass Frentzen dahinter in der Schlusswertung als Zweiter auftauchte, verdankte er der Disqualifikation Michael Schumachers: Der Kerpener, Zweiter in der Schlusstabelle, wurde nach dem letzten Rennen in Jerez für ein als absichtlich eingestuftes Manöver gegen Villeneuve von der FIA bestraft und ganz aus der WM-Wertung gestrichen. "Es war ein sehr enttäuschendes Jahr", lautet Frentzens Fazit der Saison, in der er Vizeweltmeister wurde.

Schumacher, dem Frentzen schon auf der Kartbahn einige Male "um die Ohren fuhr", ist als siebenmaliger Weltmeister heute mit knapp 42 noch dabei. Der Mönchengladbacher hingegen hat 2003 einen Schlussstrich unter seine Karriere in der Königsklasse gezogen. Gefrustet wohl auch von Pleiten gleich einiger Formel-1-Sponsoren, die ihn wiederholt beim Versuch zurückwarfen, sein fahrerisches Talent doch noch einmal entsprechend einsetzen zu können.

Peter Sauber meinte übrigens 2003, Frentzen verdiene einen Fairness-Preis, weil er sich zu seinen Ungunsten für ein Verbleiben des Gladbacher Kollegen Nick Heidfeld im Team ausgesprochen hatte. Frentzen war halt nicht zu sensibel, aber (zu?) anständig .

(RP)