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Heiligtumsfahrt 2021 in Mönchengladbach hat das Motto "verwoben"

Heiligtumsfahrt 2021 in Mönchengladbach : Webstoff des Glaubens aus 2000 Jahren

Ein Leitungsteam um Propst Peter Blättler entwirft das Programm für die nächste Heiligtumsfahrt. Die Wallfahrt, bei der im Juni 2021 das Abendmahlstuch im Münster gezeigt wird, folgt dem Motto „verwoben“.

Zum ersten Mal erwähnt wurde das Abendmahlstuch, das einst Kreuzfahrer in die Gladbacher Benediktinerabtei brachten, im Jahr 1275. Darauf steht auf Latein: „Zum Tisch Jesu gehörig“. Die einzigartige Reliquie (deren Alter  übrigens von Stoffgutachtern auf das erste Jahrhundert datiert wird) wurde seither alle sieben Jahre im Rahmen einer Fronleichnamswallfahrt öffentlich gezeigt. Daraus erwuchs ein bis heute aktiver kirchlicher Brauch: die „Heiligtumsfahrt“. „Diese Wallfahrt ist seit 1456 bezeugt“, sagt Peter Blättler, Propst der Pfarre St. Vitus.

Vom 3. bis 13. Juni 2021 wird das 90 mal 20 Zentimeter kleine Stück Leinen, das als Teil der Tischdecke verehrt wird, die Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern auflegte, wieder für zehn Tage seinen Platz im prächtigen Abendmahlsschrein der Martins-Kapelle der Münsterbasilika verlassen.  Geöffnet wird der vergoldete Schrein Fronleichnam 2021.

Wählte die Diözese Aachen für ihre Heiligtumsfahrt diesmal das Motto „Entdecke mich“, haben sich die Gladbacher für den Leitgedanken „verwoben“  entschieden. So zeigt das Plakat der Heiligtumsfahrt ein farbiges Fadenkreuz aus Kett- und Schussfäden auf einem Jacquard-Webstuhl. „Das Foto ist im Textiltechnikum des Monforts-Quartiers entstanden“, sagt Charlotte Lorenz, Geschäftsführerin der Heiligtumsfahrt.

 Einer der Höhepunkte bei der Heiligtumsfahrt 2014: Der damalige Oberbürgermeister Norbert Bude (2. v.l.) öffnet den Schrein, in dem das Tuch aufbewahrt wird, Ulrich Clancett (l.) zelebrierte mit Albert Damblon (2. v. r.) den Festgottesdienst.
Einer der Höhepunkte bei der Heiligtumsfahrt 2014: Der damalige Oberbürgermeister Norbert Bude (2. v.l.) öffnet den Schrein, in dem das Tuch aufbewahrt wird, Ulrich Clancett (l.) zelebrierte mit Albert Damblon (2. v. r.) den Festgottesdienst. Foto: Knappe, Jörg (jkn)/Knappe, Jörg (knap)
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Der Begriff „verwoben“ steht für die ausgesprochen ökumenische Ausrichtung der Veranstaltungsreihe in 2021. „Wir wollen so die Verbindung aller Christen hervorheben“, sagt der Propst. Was keine Selbstverständlichkeit bei einem Feiertag ist, der als „der katholischste überhaupt“ gilt. Die Pfarre St. Vitus antwortet so auf eine Gabe, die der evangelische Kirchenkreis Gladbach/ Neuss 2014 zur damaligen Wallfahrt den katholischen Gemeinden in der Vitusstadt geschenkt hatte.

Dieses ökumenisch gedachte, neuzeitliche Altartuch wird am Sonntag, 23. August, 15.30 Uhr, bei einer Vesper im Münster präsentiert und hernach auf eine zehn Monate dauernde Reise durch katholische und evangelische Gemeinden geschickt.

„Die Heiligtumsfahrt ist ein weiterer Schritt auf dem ökumenischen Weg hier in Mönchengladbach“, betont Gemeindereferent Christoph Rütten. Eine erste Einstimmung ist die Gemeindemesse im Münster, die am 23. August um 11 Uhr der Aachener Dompropst Rolf-Peter Cremer zelebrieren wird. Dazu sind alle Interessierten eingeladen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, betont Rütten.

Das Motto „verwoben“ steht für noch mehr: Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, so Propst Blättler, der seit viereinhalb Jahren im Amt ist, „wie eng ökologische, wirtschaftliche und soziale Systeme miteinander verbunden sind“. Die Heiligtumsfahrt frage danach, wie Bürger sich über Konfessions- und Glaubensgrenzen hinaus in und mit dieser Stadt verweben. Die Idee des Verwoben-Seins nehme  auch das Netzwerk der Schöpfung in den Blick oder verweise auf das historische Erbe des einst in Gladbach zentral angesiedelten deutschen Sozialkatholizismus.

Für die Heiligtumsfahrt 2021 haben bereits die Publizistin Christiane Florin, bekannt durch die Streitschrift „Trotzdem! Wie ich versuche, katholisch zu bleiben“, die Theologin Agnes Wuckelt, stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD), und der Musiker Helge Burggrabe ihr Kommen zugesagt.

Da nicht bekannt ist, ob im Juni 2021 weiter Einschränkungen aufgrund der Pandemie gelten, will das Planungsteam Online-Angebote ausarbeiten. Dazu gehört, dass die zentrale Eröffnungsfeier im Münster per Videostream live in mehreren Kirchen im Stadtgebiet übertragen wird.