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Gesamtschulleiterin in Mönchengladbach: Hahn: "Nehmen Sie Ihre Verantwortung ernst !"

Gesamtschulleiterin in Mönchengladbach : Hahn: "Nehmen Sie Ihre Verantwortung ernst !"

Die Leiterin der Gesamtschule, Raphaela Hahn, appelliert an die Politiker, Mittwoch im Schulausschuss zu entscheiden, wo die Schule dauerhaft ihren Platz haben wird. Das Gebäude an der Aachener Straße 52 hält sie für keine gute Übergangslösung.

Politiker und Verwaltung schaffen es seit drei Jahren nicht, für einen festen Platz für die sechste Gesamtschule zu sorgen. Morgen gibt es im Schulausschuss einen neuen Versuch. Werden im Rathaus demonstrierende Eltern und Lehrer sein?

Raphaela hahn Nein, von unserer Seite nicht, warum sollten sie? Natürlich werden Elternvertreter und Kollegen die Sitzung von der Zuschauertribüne aus verfolgen, weil das Ergebnis für uns sehr wichtig ist. Aber wir haben die ganze Zeit über mit Bedacht reagiert und werden das auch weiterhin tun. Wir haben keinen Grund zu demonstrieren. Mein Eindruck ist, dass wirklich niemand die Gesamtschule vor die Wand fahren lassen will. Es gibt aus allen Parteien deutliche Signale, dass man sich ernstlich bemüht, eine gute Lösung zu finden. Darum haben wir das Vertrauen, dass die Politiker ihren Worten jetzt auch Taten folgen lassen und sich einigen.

Und wenn es wieder keine Entscheidung geben sollte?

Hahn Dann hätten wir ein Problem, auch, weil gerade weit über 100 Eltern überlegen, ihre Kinder an unserer Schule anzumelden und wir Einstellungsgespräche mit den Kollegen führen, die wir ab dem kommenden Schuljahr brauchen. Ich habe selber drei Kinder — und würde für meine Kinder, bevor ich sie an einer Schule anmelde, schon gerne wissen, unter welchen Bedingungen sie lernen. Darum kann ich nur an die Politiker appellieren: Bitte entscheiden Sie jetzt und schieben das nicht auf die lange Bank. Nehmen Sie Ihre Verantwortung ernst! Die Kosten bleiben für die Stadt gleich, egal, wann Sie sich entscheiden.

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Haben Sie wegen der unklaren Situation weniger Voranmeldegespräche als im letzten Jahr?

Hahn Nein. Von der Zahl und Qualität her sind die Interessierten so wie 2013. Die Zahl der Kinder mit Gymnasialempfehlung steigt. Ich bin allerdings sicher, dass einige abspringen, wenn es morgen nicht zu einer Entscheidung kommt.

Welche Entscheidung wünschen Sie sich denn?

Hahn Wir können mit allen von der Verwaltung vorgeschlagenen Alternativen gut leben. Ein Neubau wäre natürlich traumhaft — wer wünscht sich so etwas nicht? Auch der Schultausch mit der Geschwister-Scholl-Realschule ist für uns eine gute Lösung. Und natürlich ist auch die ursprüngliche Variante mit den beiden Schulgebäuden an der Aachener Straße eine gangbare Alternative. Allerdings müsste dann an der Aachener Straße 52 erheblich umgebaut werden.

Ist denn die Hauptschule an der oberen Aachener Straße für Sie als Übergangslösung geeignet?

Hahn Das wäre keine gute Lösung. In diesem Gebäude lässt sich unser Raumprogramm kaum abbilden. Der Bau mag architektonisch geschützt sein — für Unterricht ist er nur bedingt geeignet. Es ist ja nicht damit getan, Klassenräume einzurichten. Wir brauchen auch Fachräume und einen Lehrerstützpunkt. Die Fachräume werden abernoch von der auslaufenden Hauptschule benutzt. Die haben 45-Minuten-Intervalle, unsere Unterrichtsstunden dauern 60 Minuten. Das überein zu bringen, ist sehr schwierig. Auch der Brandschutz dort ist ja eher fragwürdig. Wir würden als Zwischenlösung lieber in Kauf nehmen, Klassen in Containern unterzubringen. Für die Identifikation wäre es besser, wenn alle Schüler zusammenbleiben könnten.

Sie haben sich ja eine gewisse Routine mit Übergangslösungen angeeignet.

Hahn Ja, das stimmt. Unser erster Jahrgang hat begonnen in der ehemaligen Grundschule Knopsstraße. Da mussten, während wir bereits drin waren, zusätzliche Stahlträger eingezogen werden, weil die Statik nicht stimmte. Mittags haben die Kinder dann ihre Streichinstrumente geschultert und sind zu Fuß zur Aachener Straße gegangen, um dort zu essen und zu üben. Dann sind wir an die Aachener Straße 179 gezogen, wo es lange Bauarbeiten gab, einige Klassen interimsmäßig in Containern untergebracht waren. Und wir haben uns den Schulraum mit einer auslaufenden Schule geteilt. Das ist psychologisch nicht einfach: Wir greifen immer mehr Raum, und die andere Schule muss immer mehr abgeben.

Haben Sie inzwischen alles, was Sie brauchen?

Hahn Die Schülerbibliothek haben wir vor ein paar Wochen eröffnet, der Freizeitbereich ist noch lange nicht fertig. Doch all das ist kein Grund zur Klage. So ist das, wenn eine Schule neu aufgebaut wird. Jeder, der zu uns gekommen ist, wusste genau, worauf er sich einlässt. Darum haben wir ein Kollegium voller Pioniergeist. Das sind Lehrer mit viel Pack-An und Idealismus.

Ihr Schulkonzept ist an das bundesweite Projekt "Schule im Aufbruch" angelehnt — was aber eigentlich gar nichts mit Bauarbeiten zu tun hat.

Hahn (lacht) Die Baustelle ist mehr eine pädagogische. Wir fördern unsere Schüler individuell, indem wir sie zum selbstständigen Lernen anleiten. Sie können sich das Lernen selbst strukturieren. Das hat Folgen auf allen Ebenen, die wir ständig evaluieren und verbessern. Unsere Klassenräume sehen anders aus als herkömmliche. Weil es keinen Frontalunterricht gibt, brauchen wir keine starre Tafel, sondern eine, die man so umhängen kann, dass man sie aus allen Blickwinkeln einsehen kann. Das ist 360-Grad-Lernen.

(RP)