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Mönchengladbach: Haftstrafe für Überfall auf 82-Jährige

Mönchengladbach : Haftstrafe für Überfall auf 82-Jährige

Bereits zu Prozessbeginn gab der Angeklagte (58) vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts den Überfall auf eine 82-jährige Mönchengladbacherin zu. "Es war eine blödsinnige Idee", stammelte der 58-Jährige und brach dabei immer wieder in Tränen aus.

Nach dem Tod der Ehefrau habe er einen Selbsttötungsversuch unternommen. Sein Gehalt, das er als Hausmeister bekam, sei immer wieder gepfändet worden, weil er mit 35 000 Euro verschuldet war. In dieser Situation habe er sich am 20. Juni, dem Tattag, mit einem Schuldenberater in Korschenbroich verabredet. Mit Pfefferspray, einem Jagdmesser und Unterlagen für den Schuldenberater in einer Plastiktüte bestieg der Angeklagte am Marienplatz den Bus der Linie 16. Dabei setzte er sich hinter die 82-Jährige, eine zierliche Rentnerin, so der Mann in seinem ausführlichen Geständnis. Als das spätere Opfer den Bus an der Haltestelle Breitestraße verließ, folgte ihr der Angeklagte.

Zwei Frauen kamen zu Hilfe

Als die Rentnerin die Straße überqueren wollte, sprühte ihr der Angeklagte Pfefferspray ins Gesicht und in die Augen und versuchte, ihr die Handtasche zu entreißen. "Doch ich hielt die Handtasche fest und schrie um Hilfe", erinnerte sich gestern die 82-Jährige im Gerichtssaal. Durch die Schreie waren zwei junge Frauen auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufmerksam geworden. Sie kamen der 82-Jährigen sofort zu Hilfe und vertrieben den Angreifer.

Der Angeklagte ließ von der Seniorin ab und lief davon. Weit kam er nicht. Die Polizei nahm ihn fest. "Dieser Überfall hat mir zugesetzt. Zum Glück hat die Augenärztin keine bleibenden Schäden festgestellt", berichtete die Rentnerin. Der Angeklagte hatte ihr einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Darauf reagierte das Opfer schweigend.

Es sei eine verzweifelte Spontantat gewesen, verteidigte sich der Angeklagte laut schluchzend. So ganz nahm ihm das weder das Gericht noch der Staatsanwalt ab. Schließlich hatte sich der Angeklagte mit Pfefferspray und Jagdmesser im Gepäck in den Bus gesetzt. Er habe aus Geldnot gehandelt, beteuerte der 58-Jährige.

Er habe damals mehr als zwei Monate kein Krankengeld erhalten und am Tattag nur noch 110 Euro in der Tasche gehabt. Außerdem sollte er wegen eines Verkehrsdeliktes eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen. Doch die Erste Strafkammer wertete das Verbrechen nicht als minder schweren Fall, wie es der Verteidiger gefordert hatte. Am Ende verurteilte die Erste Strafkammer des Landgerichts den Mönchengladbacher wegen versuchten schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

(RP/rl)