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Mönchengladbach: Günther Buhlmann: Soziales Netz der Stadt ist sein Kind

Mönchengladbach : Günther Buhlmann: Soziales Netz der Stadt ist sein Kind

Günther Buhlmann war ein Vierteljahrhundert Sozialdezernent dieser Stadt. Er hat still und leise gewirkt, aber mit großem Erfolg. Und sich über sein Amt hinaus sehr vielfältig ehrenamtlich engagiert. So sehr, dass der ehemalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück einmal fragte: "Wo hat er überhaupt die Zeit hergenommen?"

Die Show, der aufsehenerregende Auftritt, das ist sein Ding nie gewesen. Professor Dr. Günther Buhlmann mag es lieber leise. Aber was er gemacht hat, war deswegen nicht weniger effektiv. Der Mann, der ein Vierteljahrhundert Mönchengladbacher Sozialdezernent und später auch Stadtdirektor war, hat beachtliche Spuren in dieser Stadt hinterlassen, auch wenn sein Name auf keinem Schild geschrieben steht.

Sollte dies doch einmal geschehen, stünden ganz strenge Bewahrer amtlicher Vorschriften vor einem kleinen Problem: Wie darf man denn seine(n) Vornamen schreiben? Dass im Geburtsregister und Stammbuch seit 82 Jahren "Heinz Günter Otto Wilhelm" steht und die Eltern keinen der vier als Rufnamen angegeben haben, ist das geringste Problem. Aber da steht auch schlicht und einfach "Günter" statt "Günther", wie Buhlmann sich schreibt. Das hat er schon früh so ganz einfach für sich entschieden. Und hält es seines sonst so bescheidenen Auftretens, seiner juristischen Staatsexamen ("cum laude") und der allerdings sehr kurzen Tätigkeit als Richter zum Trotz bis heute auch ohne den Segen des Standesamtes durch: Er findet, dass es einfach besser aussieht als der simple "Günter".

Da hat er sich auch nicht durch seinen prominenten Mönchengladbacher Vornamensvetter beirren lassen: Günter Netzer. Den kennt Günther Buhlmann natürlich, aber fast nur aus der Distanz: Die persönlichen Kontakte reduzieren sich auf eine Gelegenheit: "Ich musste unseren Sportdezernenten Wilhelm Burbach vertreten. Und sollte plötzlich entscheiden, ob das Stadion am Bökelberg für ein Bundesligaspiel gegen Schalke freigegeben werden durfte, obwohl es wie aus Eimern geschüttet hatte und der Rasen völlig durchweicht war. Unsere Fachleute sagten nein, aber Borussia wollte unbedingt spielen, weil Schalke wohl einige Verletzte hatte", erzählt Buhlmann. "Doch dann kam zu meinem Glück Oberstadtdirektor Wilhelm Elbers auf dem Rückweg von der Kaninchenjagd auf dem Friedhof vorbei. Günter Netzer sah ihn, lief gleich hin, tuschelte ihm etwas ins Ohr. Und unser Chef entschied, dass gespielt werden durfte. "Dann hat Borussia aber verloren, 2:4 glaube ich", sagt Buhlmann. "Und ich war heilfroh, dass nicht ich die Freigabe verfügt hatte." Sehr viel mehr Besuche am Bökelberg hat er nicht gemacht; im neuen Stadion war er noch nie. Fußball, Sport überhaupt, gehören nun mal nicht zu seinen persönlichen Interessen.

Dafür etwas, was für das Gemeinwohl wichtiger ist: der Sozialbereich. Und da hat Günther Buhlmann sehr viel bewirkt. "Wenn heute von einem sozialen Netz in Mönchengladbach die Rede ist, dann ist das Ihr Verdienst", sagte Oberbürgermeister Heinz Feldhege, als er den Sozialdezernenten und Stadtdirektor 1992 nach 25 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedete.

Günther Buhlmann hat sehr viel erreicht – in einer Zeit, als die Stadt noch Geld hatte. Er ließ einen Kindergarten- und einen Altenplan entwickeln, als diese Themen anderswo noch gar nicht entdeckt waren. Er verordnete seinem Bereich ein zeitgemäßes Management, ohne damit Eigeninitiativen zu ersticken – im Gegenteil: Er förderte sie. Die vielen kirchlichen und sozialen Träger der Sozialarbeit in dieser Stadt lernten dies bald zu schätzen. Und der gute Ruf Mönchengladbachs auf diesem Gebiet wuchs über den Deutschen Städtetag, in dem Buhlmann sich ebenfalls stark engagierte, weit ins Land hinaus. Buhlmann hat soziale Brennpunkte entzerrt, Institutionen gefördert oder angestoßen, die den Menschen halfen. Er hat als "Gesundheitsdezernent" dazu beigetragen, dass die Krankenhaus-Landschaft der Stadt eine zeitgemäße Ausrichtung erhielt.

Günther Buhlmann hat nicht nur zuverlässig seine Arbeit getan, sondern darüber hinaus viel für die Gemeinschaft geleistet: in überregionalen Fachausschüssen und vielen Ehrenämtern. Besonnen und beharrlich, ohne laut zu werden oder gar aus der Haut zu fahren hat er seine Ziele verfolgt. Seine Arbeit unter dem Gedanken, sozialem Frieden näher zu kommen, ist geprägt vom christlichen Selbstverständnis und Achtung vor Andersdenkenden. Die Sache war immer wichtiger als er selbst, von dem nur die eine kleine "Marotte" bekannt ist: dass er seinen Vornamen mit "h" geschrieben wissen will.

Auf die Anrede mit seinen Titeln hingegen legt er keinen übertriebenen Wert. 1994, zwei Jahre nach dem Abschied aus der Stadtverwaltung, wurde er Honorarprofessor an der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen. Den Doktortitel hat er, ebenfalls nach dem Ausscheiden bei der Stadt, mit einer Dissertation zur Rechtsgeschichte erworben.

Peer Steinbrück, damals NRW-Ministerpräsident, hat bei der Verleihung des Landesordens bei der Aufzählung der schier endlosen Ehrenämter Buhlmanns gesagt: "Da fragt man sich, wo er überhaupt die Zeit hergenommen hat." Herausragend ist sein Engagement beim Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), als dessen Vorsitzender er von 1986 bis 99 auch etliche Spendenschecks aus der Fernsehlotterie ("Bis zu fünf Millionen Mark") entgegennahm. Vorstandsmitglied war er bis 2007, KDA-Mitglied ist er bis heute. So wie auch bei der Forschungsgesellschaft für Gerontologie. Er ist noch Ehrenvorsitzender der St. Franziskus-Stiftung und der Gesellschafterversammlung der Kliniken Maria Hilf GmbH und Mitherausgeber der von ihm initiierten Senioren-Zeitschrift "Immer am Ball". "Ich habe erst später gemerkt, wie viel Arbeit ich in meine Aktivitäten investiert habe, auch nach Feierabend und an Wochenenden", sagt Günther Buhlmann. "Aber ich habe es sehr gerne gemacht. Es war eine wirklich erfüllte Zeit. Gelitten hat darunter vielleicht meine Frau. Aber sie hat es immer mitgetragen."

Heute haben die Buhlmanns Zeit, das Leben zu genießen. In Mönchengladbach, das längst zur Heimat für den gebürtigen Duisburger geworden ist: "Ich liebe es wegen seiner Überschaubarkeit, seines vielen Grüns, den Kontakten zu den Menschen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man durch die Stadt geht und merkt, dass man gerne gesehen ist." Die Buhlmanns sind auch viel in Süddeutschland ("Unsere zweite Heimat") und in Wien ("Unsere stille Leidenschaft"). Zeit für das Ehrenamt bleibt auch noch.

(RP)