Mönchengladbach: Gülistan Yüksel in Berlin: Blick hinter die Kulissen

Mönchengladbach : Gülistan Yüksel in Berlin: Blick hinter die Kulissen

Seit gut einem Jahr sitzt Gülistan Yüksel für die Gladbacher SPD im Bundestag. Nach anfänglichem Trubel hat sie sich längst eingelebt. Seit kurzem ist sie auch stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss.

Wer zu Gülistan Yüksels Büro in der Berliner Dorotheenstraße 101 will, muss erst einmal durch die Sicherheitsschleuse. Freundlich, aber bestimmt werden Taschen und Jacken kontrolliert, dann darf der Besucher in den Aufzug. Vierter Stock, schräg links am Kopierraum vorbei, zweite Bürogruppe rechts. Soweit, so einfach. Alles andere in den Bürogebäuden rund um den Reichstag ist allerdings gar nicht so schnell zu finden: Flure ohne Ende, versetzte Ebenen, Brücken, mehrere Häuser in einem Bau, Tunnel und auch noch Aufzüge, die nicht auf allen Ebenen halten. "Am Anfang dachte ich, ich bräuchte ein Navigationsgerät", sagt Yüksel lachend.

Die Rheydterin Gülistan Yüksel wurde in Adana (Türkei) geboren. Seit September 2013 sitzt sie für die SPD im Bundestag. Foto: Reichartz (Archiv), Schönlau (2)

Ihr Büro hat sie übrigens nach ihrer Listennummer gewählt, die Zwölf. Gut ein Jahr ist es jetzt her, dass sie über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag einzog. Dagegen ist Dr. Günter Krings, der im September 2013 erneut das Gladbacher Direktmandat holte, längst ein alter Hase im Bundestag. Wenn sie Fragen habe, könne sie sich beim ihm melden, hat er zu Yüksel gesagt. Ab und an treffen sie sich die beiden Mönchengladbacher auch mal im Flur oder vor einer Plenarsitzung. Manchmal bleibt Zeit für eine kurze Unterhaltung, dann müssen beide weiter. Die Uhr läuft im Bundestag immer mit.

Die Rheydterin Gülistan Yüksel wurde in Adana (Türkei) geboren. Seit September 2013 sitzt sie für die SPD im Bundestag. Foto: Reichartz (Archiv), Schönlau (2)

Die ersten Monate im Bundestag waren anstrengend für Gülistan Yüksel. Zunächst hatte sie weder eine Wohnung noch ein Büro in Berlin. Als die FDP es nicht mehr in den Bundestag schaffte, mussten die Abgeordneten und deren Mitarbeiter zunächst ihre Büros freiräumen. Abgeordnete anderer Fraktionen zogen ein, das dauerte einige Wochen. Also ging Yüksel morgens vom Hotel in ein fremdes Büro, wo ihr ein Kollege "Asyl gewährte", wie sie gerne sagt. Gearbeitet wurde mit zwei Kollegen an einem Tisch, dort führte sie auch Vorstellungsgespräche. Yüksel entschied sich für eine erfahrene Büroleiterin, die den Betrieb schon aus der Bonner Republik kannte, und eine Wissenschaftliche Mitarbeiterin ohne zuvor feste Stelle im Bundestag. "Man muss auch den Neuen eine Chance geben", sagte die damals ebenfalls neue Abgeordnete.

Das Team hat sich längst aufeinander eingestellt, der Weg vom Büro zum Plenarsaal sitzt mittlerweile natürlich auch. Im Rückblick auf den Trubel am Anfang ist Yüksel dann aber doch "verwundert, wie schnell das Jahr umging". Sie sitzt im Tourismusausschuss und im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ihr Kernthemenbereich. Bei vielen Themen seien andere Ausschüsse federführend, beispielsweise der für Gesundheit. Doch am Ende läuft alles bei "FSFJ", so die Abkürzung, zusammen. Dazu kam nun auch noch eine stellvertretende Mitgliedschaft im Innenausschuss.

Kann man Yüksel in sitzungsfreien Wochen auch öfter in Gladbach treffen - hier ist sie seit kurzem Unterbezirksvorsitzende - sind die Sitzungswochen fest vom Bundestag geblockt. Los geht es mit Ausschüssen morgens um 8 Uhr, Plenarsitzung und Termine folgen bis spät in den Abend. Da müssen Unterlagen auch manchmal im fliegenden Wechsel durchs Autofenster getauscht werden. Viel Arbeit, für die sie auf die Unterstützung der Gladbacher SPD setzt - und auf ihre Familie. "Meine Familie schaufelt mir viel frei. Ohne diese Unterstützung wäre das alles nicht möglich."

Als Yüksel vor 20 Jahren in die Politik ging, sei es nicht ihr Ziel gewesen, eines Tages im Bundestag zu landen. Dass es dennoch so gekommen ist, sieht die in Adana geborene Rheydterin als Auftrag. "Ich will Politik für die Menschen machen", sagt sie. Dafür hat sie das Mandat, noch weitere drei Jahre.

(ansc)
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