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Mönchengladbach: GSG 9 probt im JHQ für den Ernstfall

Mönchengladbach : GSG 9 probt im JHQ für den Ernstfall

Spezialkräfte der Bundespolizei nutzen das verwaiste Areal für eine Großübung. Derweil steigen die Chancen, dass das JHQ zum Festivalgelände wird. Der Rat befürwortet das – und Marek Lieberberg kommt zum Verhandeln nach Gladbach.

Spezialkräfte der Bundespolizei nutzen das verwaiste Areal für eine Großübung. Derweil steigen die Chancen, dass das JHQ zum Festivalgelände wird. Der Rat befürwortet das — und Marek Lieberberg kommt zum Verhandeln nach Gladbach.

So gesichert war das JHQ schon lange nicht mehr: Denn seit dem Abzug der Militärkräfte ist das circa 400 Hektar große Gelände erstmals wieder bevölkert. Bevor dort möglicherweise eine Anlaufstelle für Flüchtlinge, ein Riesenerlebnispark mit Luxus-Hotels, ein Festivalgelände oder eine Konzertbühne entstehen, proben Spezialkräfte der Bundespolizei hier für den Ernstfall. Mit dabei sein soll auch die GSG 9, die Polizeieinheit zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerster Gewaltkriminalität.

Über die näheren Übungsinhalte der Schwerpunktausbildung im JHQ möchte die Bundespolizei aus taktischen Gründen keine Auskunft geben. Ein Sprecher sagte aber, dass dort "komplexe Szenarien, unter anderem Geiselnahmen" nachgestellt werden, um für konkrete Einsätze bestens gerüstet zu sein. Für die Großübung, die auch Nachtaktivitäten beinhalte, sei das Gelände noch einmal extra abgesichert worden. Umherfliegende Hubschrauber mit Suchscheinwerfern hatten einige Bürger in der Nacht zu gestern aufschrecken lassen. Auch die Flugeinsätze gehören zu der Schwerpunktausbildung. "Dass es in den ein oder anderen Fällen zu einer gewissen Lärmbelästigung kommt, bleibt leider nicht aus", sagte der Sprecher der Bundespolizei. Man müsse jedoch bedenken, dass die Großübung der Sicherheit aller Bundesbürger diene.

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Das leer stehende Kasernengelände sei ideal für den Ernstfall-Test, auch weil die meisten eingesetzten Kräfte das Gelände vorher nicht kannten, so der Sprecher der Bundespolizei. So könne unter realistischen Bedingungen für ein unbekanntes Szenario geprobt werden.

Was dauerhaft im JHQ passieren soll, war gestern Thema einer lebhaften Debatte im Rat. 55 der 64 Ratsmitglieder machten am Ende durch ihr Votum deutlich, dass sie die Nutzung als Festivalgelände für eine gute Option halten, die die Verwaltung im Zusammenspiel mit dem Grundstückseigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), weiter verfolgen soll. Dass es der Konzertagentur Marek Lieberberg sehr ernst ist mit ihrem Vorschlag, in Mönchengladbach ein Festival im Stile von "Rock am Ring" zu etablieren, machte Oberbürgermeister Norbert Bude deutlich. "Marek Lieberberg kommt in zwei Wochen selbst nach Mönchengladbach, um zu verhandeln", berichtete Bude. Lieberberg hat einen recht detaillierten Plan mit drei Bühnen und großem Camping-Gelände vorgelegt. Er rechnet bei einem Drei-Tages-Event mit bis zu 280 000 Besuchern. Dr. Anno Jansen-Winkeln (FDP) hält das für eine riesige Chance. Im schleswig-holsteinischen Wacken, wo es jährlich ein Heavy-Metal-Festival gibt, sorge dies in der Region für eine Wertschöpfung von 20 Millionen Euro, so der FDP-Fraktionsvorsitzende.

Dass das JHQ außerdem zu einer ersten Anlaufstation für Asylbewerber werden soll, begrüßen alle relevanten Parteien. Allerdings seien noch viele Details unklar. Bude betonte noch einmal das Interesse des Landes, sagte aber auch: "Endgültig entschieden ist noch nichts." Schon in seiner nächsten Sitzung am 21. Mai will der Rat erneut über die Zukunft des JHQ beraten.

(RP)