Günhoven: Grünes Günhoven

Günhoven: Grünes Günhoven

Wo Menschen und Pferde glücklich und die Hecken sechs Meter hoch sind: Das 600-Einwohner-Dorf Günhoven liegt mitten im Rheindahlener Land. Die Bewohner haben einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn.

Mit einem leisen Ächzen lässt Lene Rauen den schweren Ordner auf den Tisch in ihrem Wohnzimmer fallen. Kaum ein Blatt Papier passt mehr hinein. Die Seniorin stützt sich auf dem Berg von Akten ab, sagt stolz: "Das ist Günhoven!" Dabei lächelt sie schelmisch, das gehört in Günhoven offenbar zum guten Ton. Es dürfte wohl kaum einen Menschen geben, der mehr über die Honschaft im Rheindahlener Land weiß als Lene Rauen. Seit 20 Jahren arbeitet sie an der Dorfchronik und sammelt seitdem alles, was sie über das beschauliche 600-Einwohner-Dorf in die Finger kriegt. Ihre Arbeit ist noch nicht beendet. Und bei diesem Dorf hat es den Anschein, als sei die Arbeit nie beendet. Günhoven, dieses grüne Dorf im Rheindahlener Land, hat einfach viel zu viel zu bieten, um zwischen die Deckel eines — immerhin grünen — Aktenordners zu passen.

Einzigartig

Da sind zum Beispiel die vielen Höfe, die das Dorfbild maßgeblich kennzeichnen. Welcher von denen der Günhof ist, der laut Heimatforscher Alex Wilms im Jahr 1515 zum ersten Mal erwähnt wurde, ist unklar. Das dürfte Besuchern aber auch egal sein. An vielen Ecken brüllt eine Kuh durch die Scheunenwand, über die Wiesen galoppieren Pferde, hinten der Waldrand, es gibt keine Kolonialwaren-Geschäfte mehr wie früher, nur noch einen Gasthof — das ist Landleben in Reinkultur. Neben parkenden Autos stellen nur Straßenlaternen und ein Kaugummi-Automat Moderne zur Schau.

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Worauf die Günhovener aber neben ihrer Nikolaus-Kapelle und der mit viel Eigenarbeit gebauten St. Matthias-Kirche stolz sind, das ist die grüne Hecke. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Hecke, sondern um eine über sechs Meter hohe Hainbuchen-Hecke. Das Naturdenkmal, das vor mehr als 200 Jahren errichtet wurde, um vor Wind und Regen zu schützen, wird heute von der Stadt gepflegt. Und immer schön akkurat geschnitten. "Diese Wallhecke dürfte in Mönchengladbach einzigartig sein", sagt Josef Speckens, den sie einst den "Bürgermeister von Günhoven" nannten, weil er bei dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" 1987 und 1989 jeweils den Stadtsieg nach Günhoven holte.

Was aber in dem Dorf passiert, dafür sind die Menschen verantwortlich, die dort leben. "Wir haben ein sehr aktives Dorfleben", Josef Speckens. Es gibt eine Dorfgemeinschaft, deren Vorsitz nun Claudia Vitz und Bianca Sauer sind. Jüngere Hinzugezogene nennt Josef Speckens sie. "Auch die sind eingebungen." Und diese Dorfgemeinschaft sorgt dafür, dass ihr Heimatort nicht nur eine Ansammlung zugegebenermaßen schöner Häuser ist. Je einmal im Frühjahr und im Herbst ruft die Gemeinschaft zur Wanderung auf. Josef Speckens führt dann durch das Grün rund um das Dorf. "Flurbegehung", nennt das Hobby-Jäger Josef Speckens. Und die Flure rund um Günhoven sind lang und grün. Im Herbst gibt's die Nikolausfeier auf einer gerodeten Lichtung im Wald, und kurz vor Weihnachten schmeißt die Dorfgemeinschaft einen Adventskaffee auf dem von Willy und Lene Rauen bewirtschafteten Günhoverhof. Da lässt es sich aushalten.

Lene Rauen könnte noch viele Geschichten erzählen über das Dorf. Viele davon stehen nicht in ihrem Aktenordner. Vermutlich passen sie auch nicht mehr hinein.

(RP)
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