Mönchengladbach: Grüne finden Fluglärm in Wanlo nicht so schlimm

Mönchengladbach: Grüne finden Fluglärm in Wanlo nicht so schlimm

Die Mehrheit des Rats der Stadt Mönchengladbach will keine Motoren-Starts vom Segelflugplatz. Die Diskussion darüber war skurril.

Die Grünen als Verteidiger von Motorenlärm, die FDP, die einem Antrag zustimmt, den sie selbst als unsinnig wertet und schließlich ungeahnte Einblicke in die Entscheidungsstrukturen demokratischer Parteien — ob es an der fortgeschrittenen Stunde lag, dass die Debatte um den Segelflugplatz in Wanlo so skurrile Züge hatte? Die Ratssitzung bog in ihre sechste Stunde ein, als der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, der wenig Streit und Unterhaltung versprach. Eigentlich.

Denn der Sachverhalt ist vergleichsweise klar. Gegen den Start von Ultraleichtflugzeugen und motorisierten Starts auf dem kleinen Flugplatz in Wanlo hat die Stadt keinerlei Handhabe. Denn der gültige Flächennutzungsplan erlaubt dererlei Aktivitäten. Drum kann die Bezirksregierung wohl gar nicht anders, als dem Ansinnen des Vereins für Luftfahrt zuzustimmen. Das jedoch stört wegen des Lärms die Anwohner; und es stört deswegen auch die Politiker. Die hatten den Wanloern einst, offensichtlich in Unkenntnis der Rechtslage, versprochen, es werde nicht auch noch Fluglärm in ihrem ohnehin durch Autobahn, Garzweiler und Windräder gebeutelten Stadtteil geben. Darum stellten nun CDU, SPD und FWG gemeinsam den Antrag, den Flächennutzungsplan zu ändern — letztlich, um der Bezirksregierung zu zeigen, wie die Gladbacher Politiker die Motorenstarts bewerten. Symbolpolitik halt.

Genau das störte die FDP. "Wenn wir das beschließen, ist das irrelevant", sagte Fraktionsvorsitzender Dr. Anno Jansen-Winkeln. Und noch mehr störte es die Grünen. Populistisch sei der Antrag, wetterte Fraktionssprecher Karl Sasserath. Der vermeintliche Lärm sei 60 Dezibel laut, nicht mehr als ein Rasenmäher. "Wir können doch nicht überall, wo sich Bürger wegen der Lautstärke beschweren, den Flächennutzungsplan ändern", sagte Sasserath.

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Daraufhin las ihm der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Hans-Wilhelm Reiners genüsslich eine Mail des grünen Bezirksvertretungsmitglieds Hajo Siemes vor. Der hatte vor einer Woche nach Wanlo gekabelt: einstimmiger Beschluss bei den Grünen gegen den Motorenlärm. "Darum irritiert mich Ihre Einlassung", sagte Reiners an die Adresse Sasseraths. Der sagte, jedes Mitglied der Grünen sei frei, seine Privatmeinung zu äußern. "Aber letztlich ist die Position eines einzelnen Fraktionsmitgliedes unmaßgeblich. Die Fraktionsmeinung wird bei uns einzig vom Fraktionssprecher kommuniziert", sagte Sasserath und meinte sich. Da wollte offenbar die FDP nicht nachstehen. Jansen-Winkeln erklärte: "Der Antrag ist folgenlos und populistisch. Aber er schadet auch nicht. Also stimmen wir zu."

Die Wanloer auf der Zuschauertribüne wussten angesichts dieser Debatte erkennbar nicht so recht, ob sie dankbar, amüsiert oder verärgert sein sollten.

(RP)
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