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Mönchengladbach: Großes Interesse an bunten Britenhäusern

Mönchengladbach : Großes Interesse an bunten Britenhäusern

Die Häuser kosten jeweils unter 100 000 Euro. Die Siedlung an der Lilienthalstraße ist auf dem Markt. Schon liegen 17 Reservierungen vor. Die Stadt ärgert sich. Sie wollte die Häuser abreißen, um das Gewerbegebiet Nordpark auszuweiten.

Die einen finden sie total niedlich, andere wenden sich mit Grauen ab. Die Britenhäuser an der Lilienthalstraße / Aachener Straße leuchten in Zitronengelb, Babyrosa, Mintgrün, Grasgrün, Lila und Himmelblau. Lediglich die hinteren Reihen sind dezenter gehalten — die Fassaden wurden in abgestimmten Grautönen gestrichen. Die Firma W & S GmbH Wohnbau aus Stuttgart hat Anfang des Jahres 56 Reihenhäuser von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gekauft. "Für viel Geld", sagt Geschäftsführer Rainer Murthum. Seit Beginn der Woche ist die bunte Siedlung, die sogleich den Spitznamen "Papageienviertel" verpasst bekam, auf dem Markt. "Die Leute rennen uns die Bude ein", sagt Murthum. Schon 17 Reservierungen hat der Geschäftsführer notiert. In der kommenden Woche sind die ersten Notartermine.

Die Stadt ist nicht glücklich über die Entwicklung an der Lilienthalstraße. Lange hatte sie selbst Interesse an den insgesamt 150 Britenhäusern in diesem Areal gehabt, wollte die Häuser abreißen und die Fläche dem geplanten Gewerbegebiet im Nordpark zuschlagen. Die geforderte Kaufsumme im zweistelligen Millionenbereich für die komplette Siedlung konnte die Stadt nicht zahlen. "Wenn die Stadt es bei der Absichtserklärung belässt, kann ich darauf keine Rücksicht nehmen", sagt Rainer Murthum. Horst-Peter Vennen, Vorsitzender des Bau- und Planungsausschusses sowie Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Entwicklungsgesellschaft EWMG, hatte den Verkauf der Britenhäuser gar als Skandal empfunden. Außerdem hatte er die Häuser als "Pappkartons aus den 50er Jahren" bezeichnet.

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Der neue Eigentümer hat die Häuser nicht nur mit Farbe aufgefrischt, er ließ außerdem neue Isolierglasfenster und Haustüren einbauen. Und die Giebelseiten wurden mit Wärmedämmung isoliert. Verkauft werden die Häuser je nach Größe und Lage zwischen 82 000 und 99 000 Euro. Die preiswerteren liegen an der Aachener Straße und unmittelbar an der Schallschutzwand zur Autobahn. Die Geräuschkulisse ist erheblich. "An diesen Lärm werden sich die neuen Besitzer schnell gewöhnen", ist Murthum überzeugt.

Eine Einheit im zitronengelben Haus wurde vom Eigentümer hergerichtet als Musterhaus. Türen wurden entfernt, neue Böden gelegt, ein modernes Bad und eine schöne Küche eingebaut. Außerdem wurde das Dachgeschoss ausgebaut. Über eine neue Treppe ist der helle, freundliche Raum erreichbar. "Wenn ein Käufer sein Haus in dieser Form ausgebaut haben möchte, stellen wir gern die Kontakte zu den Handwerkern und Firmen her", sagt Rainer Murthum. Das Musterhaus — beziehungsweise ein derart ausgebautes Haus in der gleichen Größe — würde mitsamt der neuen Terrasse und dem bereits ausgerollten Rasen 124 000 Euro kosten.

M & S hat Erfahrungen mit Wohnparks. Deutschlandweit sind Murthum und seine Partner tätig. "Neulich haben wir 84 Wohneinheiten gekauft und hergerichtet", sagt Murthum. Die waren nach einem Jahr verkauft. "Dieser Erfolg wird sich hier wiederholen", sagt der Geschäftsführer. Und führt die nächsten Interessenten ins Musterhaus.

(RP)