Mönchengladbach: Großer Bahnhof für den ICE

Mönchengladbach : Großer Bahnhof für den ICE

20 Fahrgäste nach Berlin: Gestern Mittag verließ der erste ICE den Gladbacher Hauptbahnhof in Richtung Bundeshauptstadt. Politiker und Bahn feierten und merkten dezent an: Die Verbindung braucht jetzt Kunden.

Es gibt wenig mehr, was einen kleinen Jungen mehr begeistern kann als ein Zug. So groß, so kräftig, so weiß. "Der ist super, super, super schnell", erklärt der sechsjährige Florian seinem Vater Markus Schommer. Wenn der Zug auch noch ein ICE ist und von nun an regelmäßig am Gladbacher Hauptbahnhof hält, dann sind selbst die großen Jungs der Stadt aus dem Häuschen. Zum ersten Mal überhaupt verließ gestern planmäßig der ICE "Altenburg" um 12.06 Uhr mit einer Minute Verspätung den Gladbacher Hauptbahnhof in Richtung Berlin. Mönchengladbach ist seitdem also auch offiziell Großstadt, und da macht man schon mal eine Flasche auf.

Knööp und Berliner

Es ist kalt auf dem Bahnsteig, auf dem mehr als 100 Gäste diesen Zug feiern. Partymusik dröhnt aus den Boxen, OB Norbert Bude trägt eine Schaffner-Mütze, schwenkt eine grüne Kelle, bläst die Triller-Pfeife. Es werden Brötchen, Berliner und Gladbacher Knööp verteilt, Sekt ausgeschenkt. Fohlen Jünter und der Berliner Bär hüpfen Hand in Hand über den Bahnsteig. Selten ist die Abfahrt eines Zuges seit der Jungfernfahrt der ersten Dampflok im Jahr 1804 so gefeiert worden.

Die Bahn verkündete direkt: "Es ist ein Versuch über zwei Jahre, und wir wollen es nicht unbedingt bei einer wöchentlichen Verbindung belassen, sondern versuchen, den ICE täglich fahren zu lassen", sagte Wolfgang Weinhold von der Deutschen Bahn Fernverkehr. "Ich hoffe, dass viele Mönchengladbacher in den Zug einsteigen."

Diese Abfahrt war einerseits Symbol, dass Gladbach im nationalen Fernverkehr nun kein unerforschtes Land mehr ist. Andererseits ist sie auch Verpflichtung dafür, dass die Bemühungen von OB Norbert Bude und dem Bundestagsabgeordneten Günter Krings für diese Verbindung auch berechtigt waren. Dass Gladbach den ICE tatsächlich braucht und der Hauptbahnhof zu Recht nun ein Fernverkehrsbahnhof ist. Gestern waren es rund 20 Fahrgäste, die in den ICE 1049 stiegen. "Wir müssen alle dafür Sorge tragen, dass die Verbindung genutzt wird", sagte Bude. "Fünf Stunden bis Berlin — das ist alternativlos zum Auto und zum Fliegen." Günter Krings, der im kommenden Jahr wohl einer der Stammkunden auf dieser Linie sein wird, pries die Bahn: "In den nächsten Jahren ist das ein konkurrenzloses Angebot."

Die Bahn begann mit der Werbung für die Verbindung bereits am frühen Morgen. In der Empfangshalle war ein Tisch aufgebaut, von dem aus Bahn-Mitarbeiter Stifte, Lineale und Taschenwärmer in ICE-Form verteilten. Wenig später saßen diese Bahn-Leute im ICE. Am Abend musste in Düsseldorf die nächste Bahnlinie eröffnet werden.

(RP)
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