Mönchengladbach: Graffiti-Schutz für Bahnhöfe

Mönchengladbach: Graffiti-Schutz für Bahnhöfe

Mit einem zwei Millionen Euro schweren Programm will die Bahn 100 Stationen in NRW mit einer Schutzschicht für Graffiti ausstatten. Dazu gehören auch die Hauptbahnhöfe Mönchengladbach und Rheydt sowie die Station Lürrip.

Robert Dreßen schaut täglich auf die wohl hässlichste Wand der Stadt. Wenn er in Lürrip auf die S-Bahn nach Düsseldorf wartet und die Schmierereien am Bahnhof sieht, packt ihn das Grauen. Praktisch kein Zentimeter Wandfläche wurde verschont von den Sprayern. Die Wartehäuschen sind voll mit Nachrichten, dass Vanessa den Mathias liebt, Mathias aber die Valerie, Bänke sind beschmiert, Mülleimer, Schilder, Laternenmasten, selbst die weiße Markierung auf dem Boden ist voller Tags, also Unterschriften der Sprayer. Arglose Bahnfahrer lernen neue, nicht druckreife Wörter kennen. "Das ist traurig. Jedes Jahr wird neu gestrichen, wenig später ist wieder alles besprüht”, sagt Robert Dreßen. "Das zu reinigen, kostet viel Geld. Und das haut die Bahn auf den Fahrpreis.”Spezielle FarbgrundierungSo wie am Lürriper Bahnhof sieht es aber an fast jeder Bahnstation aus. Damit soll nun Schluss sein. Mit einem Sofortprogramm in Höhe von zwei Millionen Euro will das Land in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn gegen Graffiti-Schmierereien vorgehen. Wie NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper gestern mitteilte, sollen landesweit 110 verschandelte Bahnhöfe und Haltepunkte optisch aufgewertet werden. Mit in der Liste stehen die Hauptbahnhöfe Mönchengladbach und Rheydt sowie der S-Bahnhof Lürrip. Nicht berücksichtigt sind der Bahnhof in Odenkirchen, in dem Bahnfahrer den versifften und vollgeschmierten Fußgänger-Tunnel meiden, und der Wickrather Bahnhof, wo Rechtsradikale bereits braune Parolen aufs Bahnhofsgebäude schmierten."Mit unserer Aktion wollen wir für die Fahrgäste eine angenehme Atmosphäre schaffen”, so Lienenkämper (CDU). Er zog am Montag an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf selbst Schutzhandschuhe an und demonstrierte mit Besen und Hochdruckreiniger, wie solche Verunzierungen nahezu mühelos entfernt werden können. Das Geheimnis: Die Betonwände, die offenbar magisch Sprühdosen-Attacken auf sich lenken, wurden mit einer speziellen Farbgrundierung überzogen, von der sich Sprühfarben leichter als bisher entfernen lassen. Land und Bund wollen sich die Kosten für das Reinigungsprogramm teilen.Gerade in Großstädten seien Graffiti-Schmierereien weit verbreitet, weiß Armin Roggon, Sprecher der Bundespolizei. "An den Bahnhöfen gibt es viele Betrachter, und genau das suchen die Sprayer.” Im gesamten Bahnbereich gebe es kaum Flächen, die nicht besprüht werden. "Dafür begeben sich die Sprayer sogar manchmal in Lebensgefahr”, sagt Roggon. Erst in der vergangenen Woche habe es einen Toten gegeben -­ trotz der Warnhinweise und Präventionsprogramme der Bundespolizei.Farbschmierereien seien kein Kavaliersdelikt, betonte Lienenkämper. Seit 2005 werden sie in NRW als Sachbeschädigung bestraft. Wer erwischt wird, muss damit rechnen, die Kosten für die Reinigung der beschmierten Flächen zu übernehmen, die leicht mehrere Tausend Euro betragen können.