Mönchengladbach: "Gott schickt keine Attentäter los"

Mönchengladbach : "Gott schickt keine Attentäter los"

In einer Diskussionsrunde traf der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde, Yitzhak Hoenig, in der Synagoge auf drei Pfarrer und den muslimischen Vorsitzenden des Integrationsrates. Thema: Was hilft gegen Extremismus und Rassismus?

Es war der Vertreter des Islam, der den Blick auf den Kern des Selbstverständnisses der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam lenkte: "Der eine sagt Allah, also ,der Gott', andere nennen ihn Gott oder Herr. Es ist doch ein und derselbe Gott", stellte Yilmaz Karaca, der türkische Vorsitzende des Integrationsrates, klar. Wenn man Theologen oder "normale" Bürger fragt, zeigt sich, dass manche dazu noch gern ein seltsames Sackgassen-Denken pflegen: Einerseits sind Gläubige, ob sie nun im Gebet ,Adonai', ,Allah-u-akbar' oder ,Herr' ausrufen, der Überzeugung, es gebe nur einen Gott. Dennoch hängen einige der abstrusen Vorstellung an, der anders genannte Gott sei auf keinen Fall auch der eigene. Wer denn dann?

Über diese Klippe fanden die Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde schnell hinweg. Auf Einladung der Jüdischen Gemeinde trafen die Pfarrer Olaf Nöller (ev.), Wolfgang Bußler (kath.), Antje Brand (ev.) und der Vorsitzende des Integrationsrates, Yilmaz Karaca vom Türkisch-Deutschen Integrationsverbund, mit dem Rabbiner der Gemeinde, Yitzhak Hoenig (66), zusammen. Die Gesprächsrunde, die sich dem hochaktuellen Thema "Extremismus, Rassismus und Antisemitismus" widmete, war als Programmpunkt der Jüdischen Kulturtage öffentlich. Etwa 80 Gäste kamen in die kleine Synagoge.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Leah Floh, leitete das Gespräch am runden Tisch. Sie fragte die fünf Religionsvertreter, ob es ausreiche, Christ, Jude oder Muslim zu sein, um sich ein guter Mensch zu wähnen. "Viele Wege führen zu Gott", sagte Pfarrer Wolfgang Bußler von der Gemeinde St. Vitus; durch bloße Zuordnung zu einer Glaubensrichtung sei man noch längst kein besserer Mensch als andere. Das sahen auch Bußlers evangelische Kollegen, Antje Brand und Olaf Nöller, sowie Rabbiner Yitzhak Hoenig so. "Man kann mit Sicherheit das Gutsein nicht an der Religion festmachen, nicht mal an der Religiosität", meinte Brand. Nöller ergänzte: "Die drei heiligen Bücher - die jüdische Bibel (Thora), die christliche Bibel und der Koran - sagen, dass der Mensch nicht immer gut ist." Yilmaz Karaca sprach davon, es gehe darum, den "inneren Teufel" zu bekämpfen, der sich immer wieder in den Herzen der Menschen zu Wort melde.

Was die drei Buchreligionen gemeinsam tun können, um fanatische Terroristen, die meinen, im Auftrag "Gottes" töten zu müssen, von ihrem Irrweg abzubringen, blieb in der Aussprache vage. Auch gegen Antisemitismus und Rassismus, den Leah Floh anprangerte, hatte niemand ein schlüssiges Rezept. Rabbiner Hoenig fasste zusammen: "Jeder soll mit seinem Glauben leben - es ist Platz für alle Religionen!" Er plädierte, durch richtige Erziehung dafür zu sorgen, dass Kinder nicht auf den schlimmen Pfad des Terrorismus gelangen. "Gott schickt keine Attentäter los", betonte der Rabbi. Karaca erklärte: "Wir können den Koran nicht neu schreiben, aber wir können uns bemühen, ihn neu zu verstehen und zu deuten." Diese Hinwendung zu aufgeklärtem Denken begrüßte Pfarrerin Brand. Sie erkenne hier beim Islam noch Nachholbedarf.

(RP)
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