Glasfaser-Ausbau in Mönchengladbach: 1000 Haushalte bekommen schnelles Internet

Glasfaser-Ausbau in Mönchengladbach : Bohren für das Öl der Zukunft

Der öffentlich geförderte Breitbandausbau in Mönchengladbach beginnt. Rund 1000 unterversorgte Haushalte werden ans Glasfasernetz angeschlossen und sollen so schnelles Internet bekommen.

Gut, dass der Minister nicht für die handwerkliche Umsetzung des Breitbandausbaus in Mönchengladbach zuständig ist. Andreas Pinkwart zieht einmal kräftig am just elektrisch verschweißten Kabel – und hat wieder beide Teile in der Hand. Der niederländische Fachmann, der demonstriert hatte, wie Glasfaserkabel verarbeitet werden, lächelt und verschweißt beide Enden erneut. So etwas hält den Breitbandausbau nicht auf.

Mönchengladbach macht gerade einen Schritt in Richtung Gigabit City und Minister Pinkwart ist zum Spatenstich aus Düsseldorf gekommen. „Öl der Zukunft“ nennt der NRW-Wirtschaftsminister die Daten, die künftig in Sekundenschnelle durch Glasfaserkabel übertragen werden sollen. Und wenn die Daten das Öl sind, dann ist das Verteilerhäuschen an der Volksbadstraße, vor dem sich Minister und OB, Wirtschaftsförderer und Geschäftsführung der Deutschen Glasfaser zum Spatenstich aufstellen, die Bohrinsel.

Innerhalb der nächsten zwölf Monate werden 160 Kilometer Glasfaserkabel durch die Stadt gelegt. Möglich machen das die Fördermittel, die Bund und Land je zur Hälfte bereitstellen. 7,4 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um alle unterversorgten Adressen in Mönchengladbach ans schnelle Internet anzubinden. 900 Adressen, zu denen etwa 1000 Haushalte, Schulen, Krankenhäuser oder Gewerbebetriebe gehören, wurden zuvor als unterversorgt ausgemacht: Ihnen stehen weniger als 30 Mbit pro Sekunde zur Verfügung. „Wir sind eigentlich weit vorne in Mönchengladbach, was die Versorgung angeht“, sagt Ulrich Schückhaus, Chef der Wirtschaftsförderung der Stadt. „Aber für die Zukunft reicht das nicht aus. Da müssen wir mehr machen.“ Umso mehr freut es ihn, dass die Stadt den Zuschlag für die öffentlichen Fördermittel bekommen hat.

Tatsächlich ist die Gesamtsituation in Mönchengladbach nicht schlecht. Wirft man einen Blick in den Breitband-Atlas der Bundesregierung, der den Versorgungsgrad mit schnellem Internet erfasst, so bildet das Rheinland zwischen Düsseldorf, Köln und der niederländischen Grenze eine große gelbe Fläche, zu der auch Mönchengladbach gehört. Das heißt, dass 95 Prozent der Haushalt mindestens über 30 Mbit pro Sekunde verfügen. Damit bewegt man sich in Deutschland in der Spitzengruppe. München, Frankfurt oder Berlin stehen auch nicht besser da. Scrollt man jedoch in die Karte hinein, so ändert sich das Bild. Auf dem Gebiet Mönchengladbachs verteilt tauchen hellgrüne, dunkelgrüne und hellblaue Kästchen auf. Sie zeigen Orte an, wo die Versorgung unter 95 Prozent liegt. Die hell- und dunkelgrünen Quadrate markieren Standorte mit Versorgungsquoten von 50 bis 95 Prozent. Ganz dramatisch wird es bei den hellblauen Quadraten: Sie bezeichnen Orte in der Stadt, wo nur jeder zweite bis jeder zehnte Haushalt über mindestens 30 Mbit verfügen kann.

Solchen Flecken soll nun zu Leibe gerückt werden. Dafür werden die Glasfaserkabel quer durch die Stadt gelegt. Ohne öffentliche Förderung sei das nicht zu finanzieren, sagt Stephan Zimmermann, Geschäftsführer der Deutschen Glasfaser. Aber nicht nur die 1000 bisher unterversorgten Haushalte werden vom Breitbandausbau profitieren. „Wenn die Kabel einmal liegen, können durch Abzweigungen auch weitere Gebiete für das Glasfasernetz erschlossen werden“, sagt Schückhaus. Das Ganze ist keine Spielerei, sondern ein Standortfaktor mit Auswirkungen bis ins Privatleben hinein. Minister Pinkwart weist darauf hin, dass durch ein leistungsfähiges Hochgeschwindigkeitsnetz Bürger die Vorteile der Digitalisierung besser nutzen können. „Es ist einfacher, Beruf und Familie miteinander zu verbinden, wenn Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten können. Wir machen im Ministerium gerade diese Erfahrungen.“

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Ulrich Schückhaus (WFMG) beim Spatenstich. Foto: Markus Rick (rick)

Die Gewerbegebiete der Stadt sind bereits weitgehend ans Glasfasernetz angebunden. „Die Gewerbegebiete wurden privatwirtschaftlich erschlossen“, sagt der Wirtschaftsförderer. Das heißt: ohne Fördermittel von Bund und Land.

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