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Mönchengladbach: Gladbachs neue textile Talentschmiede

Mönchengladbach : Gladbachs neue textile Talentschmiede

Zwei junge Modelabels haben sich im Monforts-Quartier angesiedelt. Studenten der Hochschule verarbeiten dort auf kreative Weise Naturrohstoffe sowie Recyclingmaterial. Zieht bald auch die Nachwuchsmesse "MG zieht an" ins Quartier?

Das Monforts-Quartier mausert sich immer mehr zur neuen textilen Talentschmiede: Schon seit Juli läuft nun bereits bei drei Studenten der Hochschule Niederrhein die Produktion von kreativen Modeentwürfen an der Schwalmstraße auf Hochtouren. Die Jung-Designer Michael Wolf, Merle Vick, Katharina Freymuth und Julia Nikoleisen haben auf dem historischen Gelände der ehemaligen Textilmaschinenfabrik Monforts eine Gewerbefläche mit 75 Quadratmetern angemietet.

 Zieht bald auch die Messe "MG zieht an" in das Monforts-Quartier? Bisher liefen die Models an der Hochschule Niederrhein.
Zieht bald auch die Messe "MG zieht an" in das Monforts-Quartier? Bisher liefen die Models an der Hochschule Niederrhein. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

"MQ Design Department" nennt sich die Kooperation der beiden Mönchengladbacher Mode-Labels. Michael Wolf, Student des Studiengangs Textildesign, und Bekleidungsmanagerin Merle Vick entwerfen unter dem Label "Wolfamsel" Fliegen für Damen und Herren, die vollständig aus nicht mehr verwendeten Kleidungsstücken und recycelten Materialien hergestellt werden. Zudem entwickelt Wolf im Rahmen seines Studiums Garne und Textilien, die aus bis zur Faser aufgelösten Altkleidern und gebrauchten Textilien bestehen. Diese werden dann wieder weiterver-wendet für neue Modeartikel und textiles Interieur. Einen umweltbewussten und nachhaltigen Ansatz verfolgt auch das junge Designer Duo "Freymuth & Nikoleisen" mit ihrer Haute Couture. Den Designerinnen ist die Fertigung von extravaganten Einzelstücken mit besonderem Blick auf eine perfektionistische und außergewöhnliche Verarbeitung wichtig. Jedes Produkt ist ein Unikat, das ästhetische und nachhaltige Aspekte miteinander vereint und an spezielle Kundenwünsche angepasst werden kann.

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Die beiden Designerinnen lieben es, alte Handwerkstechniken zu entdecken und diese in ihre Verarbeitung mit einfließen zu lassen. Die Liebe zum Detail und zu unerwarteten Raffinessen machen die experimentellen Einzelstücke zu etwas Unvergesslichem. Als Vorreiter ernsthafter, gemeinsamer Zukunftsvisionen ist der Praktikumsaufenthalt der Jungunternehmer in Berlin im Atelier des extravaganten Designerduos Moga e Mago anzusehen. Auch die Liebe zur Verarbeitung von Naturrohstoffen, insbesondere Leder und Pelz, hatte ihren Anfang in Berlin. Katharina Freymuth und Julia Nikoleisen sind sich der Verantwortung bewusst, die das Verarbeiten von tierischen Produkten mit sich bringt. Die verwendeten Materialien stammen ausschließlich aus kontrollierter und nachvollziehbarer Herkunft. Beispielsweise stammt jeglicher Pelz der Kollektion Schach & Matt aus Restbeständen des deutschen Pelzinstituts und der ihrer Sponsoren. Es liegt nicht im Interesse des Designer-Duos, die Massenproduktion von Pelzbekleidung zu unterstützen. Im Fokus steht vielmehr die Kombinationsvielfalt natürlicher Erzeugnisse, die mit viel Liebe fürs Detail in traditioneller Handarbeit verarbeitet werden.

Die Nachwuchs-Designer sind sich einig, sie sind alle von ihrem Standort begeistert: "Die Verknüpfung von Hochschule, Wirtschaft und Tradition im Monforts-Quartier ist für uns sehr inspirierend und gibt uns Anstöße für unsere Kollektionen." Darüber hinaus haben die Konditionen und die Beratung des Immobiliendienstleisters Bienen & Partner die jungen Leute ermutigt, an der historischen Stätte erste unternehmerische Aktivitäten zu entwickeln.

Norbert Bienen hat sich von dem Enthusiasmus der Neugründungen anstecken lassen: "Es hat uns sehr viel Freude bereitet, das Engagement der Studenten zu fördern und sie zu beraten. So wird nun die Idee, Start-ups im Monforts Quartier anzusiedeln, ein erstes aber sicher nicht ein letztes Mal realisiert."

Und künftig könnte das Monforts-Quartier sogar noch "textiler" werden. Denn wenn es nach David Bongartz von der Wirtschaftsförderung geht, soll die textile Nachwuchsmesse "MG zieht an" ab 2015 ebenfalls im Monforts-Quartier stattfinden. "Das ist die Wunschvorstellung", sagte er gestern am Rande der Münchener Immobilienmesse Expo Real. "Dadurch würde es möglich, der Messe auch mehr als bisher einen Messecharakter zu geben, auf engerem Raum." Mit den derzeit an der Hochschule laufenden Bauarbeiten sei eine Realisierung dort ohnehin "schwierig".

Allerdings seien die für eine Verlagerung nötigen Abstimmungen kompliziert, nicht zuletzt sei das auch eine finanzielle Frage. "Ich bin aber optimistisch, dass wir das noch im Oktober hinkriegen", so Bongartz weiter. Idealerweise soll bis zum Messetermin am 28./29. Mai 2015 auch noch eine fußläufige Verbindung über die Bahnstrecke zwischen Hochschule und Monforts-Quartier geschaffen werden. "Diese Achse populärer zu machen, das ist schließlich eine maßgebliche Idee des Masterplans."

(RP)