100 Jahre Erster Weltkrieg: Gladbachs große Literaten und der Krieg

100 Jahre Erster Weltkrieg: Gladbachs große Literaten und der Krieg

Heinrich Lersch wie auch Gottfried Kapp wurden durch den Krieg in ihrem Lebenslauf, aber auch in ihrem Wirken geprägt. Während Lersch sich vom Kriegsbegeisterten zum stillen Pazifisten wandelte, haderte Kapp auf mehreren Ebenen mit dem Weltkrieg.

Heinrich Lersch und Gottfried Kapp können wohl als die bekanntesten Mönchengladbacher Literaten im 20. Jahrhundert gelten. Während Lersch durch den Ersten Weltkrieg bekannt wurde, empfand der jüngere Kapp diesen als Betrug an den 17- und 18-Jährigen seiner Generation. Neben einigen Gemeinsamkeiten - so der Geburt "zwischen Weizenfeldern und Fabrikschloten", der Förderung durch den Volksverein für das katholische Deutschland und der Verbundenheit mit der Arbeitswelt - waren die zeitweise befreundeten Dichter in der Einschätzung des Krieges, aber auch dessen Folgen, nicht immer einer Meinung.

Heinrich Lersch meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Er wurde dem Reserve-Infanterie-Regiment 65 in Köln zugewiesen und wurde ab November 1914 Soldat. Von Februar 1915 an nahm er aktiv an der so genannten Champagne-Winter-Schlacht 1915 teil, in der er verschüttet wurde. In einem Brief bezeichnete er sein Soldatentum als erste Erfüllung in seinem Leben.

Bei Kriegsausbruch besuchte Gottfried Kapp das Lehrerseminar in Odenkirchen. Viele seiner Mitschüler meldeten sich freiwillig zum Dienst an der Waffe, Kapp jedoch nicht. Nach einem Eklat gegen die rigide Seminarordnung wurde er vom Seminar verwiesen. Ausgerechnet der Besuch einer Veranstaltung von Heinrich Lersch wurde Kapp dann erneut zum Verhängnis. Nach der unvermeidbaren Entlassung aus dem Lehrerseminar wegen unerlaubter Entfernung flüchtete Kapp nach Kronach. Zwischen März und Juli 1916 wurde er nach Bayreuth zum 7. Bayrischen Infanterie-Regiment eingezogen. Kapp äußerte sich später über den Aufenthalt, "wo mich die Bayern einmal erfolglos zum Helden erziehen wollten". Ende August 1917 wurde er einmal mehr einer Musterung unterzogen und vom Militär wegen Wehrdienstuntauglichkeit entlassen. Kapp hat die Front also nie gesehen.

Der Krieg fand nicht allein auf den Schlachtfeldern statt. In der Propaganda der Medien und sonstigen Veröffentlichungen, insbesondere der Literatur, entstand eine neue, bis dahin nicht gekannte Quantität und Qualität einer "literarischen Mobilmachung". Unter den Veröffentlichungen zum Krieg, in denen apokalyptische Deutungsmuster und Symbole auftauchten, erlangten Kriegsgedichte die größte Publizität. Neben vielen anderen spielte auch Lersch in dieser vaterländischen, patriotischen, kriegsbegeisternden Stimmung eine erhebliche Rolle. Allmählich, mit Verlauf des Krieges, änderte sich die Stimmung von seiner Rechtfertigung zur Desillusionierung und Ernüchterung, zur Darstellung von Leid und Elend. Lersch war, anders als Kapp, in diesen Prozess von Propaganda zunächst verstrickt und involviert.

Die Entstehung seines Gedichtes "Soldatenabschied", das sich in kurzer Zeit zu einem "Schlager" entwickelt hatte, war für Lersch zunächst Ausdruck seiner Emotionalität. Er wollte seine Mutter trösten, ihr den Abschied, ihn in den Krieg ziehen zu lassen, erleichtern. Die persönlichen Kriegserlebnisse, die ihn nicht losließen, aber auch der Verlauf des Weltkrieges zwangen ihn jedoch, seine anfängliche Kriegsbegeisterung zu revidieren, und ließen ihn zu einem stillen Pazifisten werden.

Kapp wiederum versuchte, sich in ein oder zwei Gedichten für den Krieg zu begeistern, doch es gelang ihm nicht; aus allem klingt Skepsis, Trauer über die Zerstörung und der Wunsch nach Frieden. Altersbedingt plagten ihn andere Probleme als Lersch. Wegen mangelnder Bildungsmöglichkeiten haderte er mit sich und seiner Umwelt und machte den Krieg dafür verantwortlich. Unmittelbar setzte sich Kapp mit diesem nicht mehr auseinander. Deutlich wurde er aber in seinen Hauptwerken, den Romanen "Peter van Laac" und "Das Loch im Wasser".

(RP)
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