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Hobby-Bauer können Felder mieten: Gladbacher werden zu Ackerhelden

Hobby-Bauer können Felder mieten : Gladbacher werden zu Ackerhelden

Auf einem Feld in Mönchengladbach-Venn können Hobby-Bauer ihr eigenes Bio-Gemüse anbauen. Die Parzellen sind mit Gemüse nach Bioland-Standard vorbepflanzt und können gemietet werden. Studierende Kristin Gruden hat uns ihr Feld gezeigt.

Wie sieht eine Radieschenpflanze aus? Warum wachsen Kartoffeln auf kleinen Hügeln und wann werden Möhren geerntet? Diese Fragen beschäftigen Kristin Gruden (24) seit Anfang Juni. Erfahrung im Anbau von Gemüse hat die 24-Jährige keine. Die Eltern hatten im heimischen Garten lediglich ein paar Erdbeerpflanzen, aber Gemüse wie Möhren, Fenchel oder Tomaten hat die Gladbacherin bislang immer im Supermarkt gekauft. Das soll sich jetzt ändern, denn Kristin Gruden — die im achten Semester Oecotrophologie an der Hochschule Niederrhein studiert — ist seit Neuestem Besitzerin eines 40 Quadratmeter großen Mietackers in Venn.

Ein Seminar zum Thema "Selbstversorgung" hatte sie auf die Idee gebracht. "Ich habe zuerst über einen Schrebergarten nachgedacht", sagt Gruden. Doch die Tatsache, dass auf dem Mietacker unter Anleitung Bio-Gemüse angebaut werden kann, hat sie neugierig gemacht. Seit Anfang Juni wagt sie den Selbstversuch und verbringt jede Woche etwa 90 Minuten mit dem Haken von Erde, dem Gießen der kleinen Pflänzchen und dem Zupfen von Unkraut. Ein überschaubarer Aufwand, denn bis die ersten Gemüse — in diesem Fall Radieschen — geerntet werden können, dauert es noch einige Wochen.

Supermarkt kann jeder

Die Idee zum Konzept der "Ackerhelden" stammt von Birger Brock und Tobias Paulert aus Essen. Unter dem Motto "Supermarkt kann jeder - echte Helden ackern selbst" bieten sie in Mönchengladbach 24 vorbepflanzte ­Acker-Parzellen zur Miete an. 248 Euro kostet eine 40 Quadratmeter große Parzelle, 445 Euro eine 80 Quadratmeter große Fläche für eine Saison von Juni bis November. "Wir wollen unseren Kunden ein vertrauenswürdiges Produkt bieten", sagt Tobias Paulert und begründet so die Entscheidung, ausschließlich nach den Richtlinien des ökologischen Anbauverbands Bioland Flächen zu bewirtschaften. Partner am Standort in Venn ist das Bioland Brungs. Ein Schuppen mit Geräten wie Haken, Gießkannen und anderen Utensilien, ein frei zugängliches Kräuterbeet und eine Wildblumenwiese runden das Angebot für die Betreiber der Mietacker ab. Zu den Kunden zählen Rentner, junge Familien und Studierende wie Kristin Gruden. "Gemüse wächst eben nicht im Supermark, und ein Bewusstsein für die Lebensmittel zu schaffen, ist unser Ziel", sagt Paulert. Deswegen stehen vier Reihen auf dem Feld zur freien Verfügung. "Hier können unsere Mieter aus einem Angebot von Saatgut wählen und das Großziehen von Pflanzen — angefangen beim Einpflanzen — erleben", sagt Paulert, der selbst Gemüse, Obst und Kräuter in seinem Dachgarten anbaut.

Kristin Gruden kann sich bis November auf saisonale Gemüse wie Zuckererbsen, Pastinaken, Möhren, Spinat, Kürbis, Kohlrabi, Spitzkohl und Mangold freuen. Damit die Hobby-Bauern ihre Ernte auch verwerten können, erhalten sie regelmäßig Rezeptvorschläge von Spitzenkoch Stefan Marquard, Gründer der Küchenhelden "Junge Wilde".

Im kommenden Jahr wollen die Ackerhelden sich vergrößern und auch in Mönchengladbach weitere Parzellen anbieten. Interessierte können auch jetzt noch freie Ackerflächen mieten. Außerdem bieten die Ackerhelden spezielle Angebote für Schulen. "Eine Schulklasse, die im Rahmen des Biologie Unterrichts Gemüse anpflanzt, das können wir uns sehr gut vorstellen", sagt Paulert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gladbacher werden zu Ackerhelden und bauen Bio-Gemüse an

(anch)