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Mönchengladbach: "Gladbacher Schläger hart bestrafen"

Mönchengladbach : "Gladbacher Schläger hart bestrafen"

Die drei Jugendlichen, die am Mönchengladbacher Hauptbahnhof zwei Frauen brutal verprügelt haben, müssen nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft weggesperrt werden. Gestern fasste die Bundespolizei den zweiten Tatverdächtigen. Er ist ebenfalls erst 15 Jahre alt.

Nach der Prügel-attacke am Mönchengladbacher Hauptbahnhof, bei der zwei Frauen verletzt wurden, hat die Bundespolizei gestern den zweiten jungen Schläger festgenommen. Er wurde in der Wohnung seiner Mutter in Mönchengladbach gefasst und ist 15 Jahre alt. In seiner Vernehmung habe er ein umfassendes Geständnis abgelegt, sagt Armin Roggon, Sprecher der Bundespolizei. Außerdem sei er von einem Tatzeugen eindeutig identifiziert worden.

Am Pfingstsamstag hatten drei Teenager zwei Frauen am Mönchengladbacher Hauptbahnhof zusammengeschlagen, nur weil eine von ihnen die Jungen aufgefordert hatte, mit dem Fußballspiel aufzuhören. Eine vorbeikommende Streife konnte einen jungen Schläger festhalten, die anderen entkamen. Ein Flüchtiger trug einen auffallenden gelben Gipsarm. Der Gips, verschiedene Hinweise und die Vermutung, dass der Junge aus dem engeren Umfeld des bereits festgenommenen 15-Jährigen stammt, hätten zum Ermittlungserfolg geführt, sagt Roggon.

Nach dem dritten Tatverdächtigen wird noch gefahndet. Die Ermittlungen hierzu dauern an. "Wir werten gerade weitere Hinweise aus", erklärt der Sprecher.

Immer wieder kommt es auf Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen zu brutalen Übergriffen auf Reisende und Bahnpersonal. Die Bundespolizei zählte in ihrem noch nicht veröffentlichten Bericht für das Jahr 2011 in NRW 2400 Körperverletzungsdelikte in Zügen und Bahnhöfen. "Das sind im Durchschnitt sechs bis sieben Fälle pro Tag", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Im Vergleich zum Vorjahr (knapp 2700 Fälle) seien die Zahlen zwar leicht rückläufig. "Die Attacken werden aber immer brutaler. Wo früher noch verbal gestritten wurde, wird heutzutage sofort zugeschlagen." Zu einem anderen Ergebnis als die Bundespolizei kommt hingegen die Deutsche Bahn in ihrer "Sicherheitsbilanz 2011". Demnach zählte der Konzern im vergangenen Jahr bundesweit 1679 Körperverletzungen im Bahnhofsbereich, was laut diesen Berechnungen einem Rückgang von elf Prozent entspricht. In NRW sind es dem Bericht zufolge sogar nur 70 Gewaltdelikte gewesen. "Wir zählen anders als die Polizei. Mit unserer Zählweise wird das Ergebnis nicht verfälscht", sagte ein Bahnsprecher. "Wir nehmen nur das Ereignis als solches in unsere Erhebungen auf. Das heißt, wir zählen zum Beispiel nur die einzelne Schlägerei und nehmen nicht die Anzahl der Körperverletzungen der daran beteiligten Personen auf." Die Bundespolizei konnte den Trend der Deutschen Bahn auf Anfrage jedoch nicht bestätigen. Bundesweit seien die Zahlen eher gestiegen, hieß es.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) macht verfehlte Sparmaßnahmen bei der Polizei für die Entwicklung auf den Bahnhöfen verantwortlich. "Wir benötigen für die Sicherheit im Bahnhofsumfeld mehr Polizisten", forderte NRW-Landesvorsitzender Erich Rettinghaus. "Erfahrungen zeigen, dass durch mehr Präsenz die Gewalttaten deutlich zurückgehen und die Menschen sich wesentlich sicherer fühlen." Zudem dürfe es nicht sein, so der Gewerkschaftler, dass die Bilder der Überwachungskameras wie am Mönchengladbacher Hauptbahnhof nicht aufgezeichnet werden. "Die Daten müssen flächendeckend für einen gewissen Zeitraum gesichert werden. Das schreckt ab und dient der besseren Strafverfolgung", sagte Rettinghaus.

Heftige Kritik übte die Deutsche Polizeigewerkschaft auch an der Entscheidung der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft, den 15-jährigen Schläger nach dem Vorfall im Bahnhof nicht in Untersuchungshaft zu nehmen, sondern stattdessen seinen Eltern zu übergeben. Das sei ein falsches Signal mit einer fatalen Außenwirkung, sagte Rettinghaus. "Der Junge gehört hart bestraft und lange weggesperrt – zumal er bei der Festnahme auch noch Polizisten angegriffen hat", sagte der Gewerkschaftler. "Solche jugendlichen Gewalttäter müssen mit der vollen Härte des Gesetzes konfrontiert werden. Alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel müssen ausgeschöpft werden."

(RP/top)