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Mönchengladbach: Gladbacher Polizei erschießt Autodieb

Mönchengladbach : Gladbacher Polizei erschießt Autodieb

Bei einer Schießerei in Mönchengladbach ist ein 31-Jähriger von drei Polizeikugeln tödlich verletzt worden. Unklar ist noch, ob die Schüsse, die der Mann zuvor auf die Beamten abgegeben haben soll, aus einer scharfen Waffe stammten.

Ungläubig blicken Passanten am Montagmittag auf die dichten Kreide-Diagramme auf dem Asphalt. "Das muss ja wie im Wilden Westen gewesen sein", sagt einer, und diejenigen, die in der Nachbarschaft wohnen und die Schusswechsel am Vorabend zumindest gehört haben, bestätigen das.

Bei dem Einsatz, zu dem die Polizei am Sonntag um 21.14 Uhr gerufen wurde, ist ein 31-jähriger Mönchengladbacher ums Leben gekommen. Auf der Flucht hatte er angeblich mehrfach auf die Beamten geschossen. Die erwiderten das Feuer und trafen den mutmaßlichen Täter tödlich.

Zeugen hatten den Mann zunächst beobachtet, wie er auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Rheydt ein Auto aufbrach. Streifenpolizisten trafen den Verdächtigen, der bereits mehrfach polizeilich bekannt gewesen sein soll, noch am Tatort an. Er rannte davon und eröffnete, als die Beamten versuchten, ihn festzunehmen, auf dem Gelände eines Hotels unvermittelt das Feuer.

Die Polizisten erwiderten die Schüsse. "Ein Beamter hat sich bei mir entschuldigt, weil mein Auto getroffen wurde", sagt Markus Neumann, Juniorchef eines Hotels. "Die Kugel hat den Motorraum getroffen." Nun sei der Wagen bei der Spurensicherung.

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Anschließend floh der 31-Jährige weiter zu Fuß in Richtung einer Bahnunterführung. Als zwei Streifenwagen ihn in die Zange nahmen, schoss er erneut auf die Beamten. Die schossen zurück. Drei Projektile trafen ihn. Trotz notärztlicher Versorgung starb er wenig später im Krankenhaus.

Durchschnittlich fünfmal pro Jahr sind Polizisten in Nordrhein-Westfalen gezwungen, mit ihren Dienstwaffen auf Personen zu schießen, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. 2010 gab es sechs Vorfälle dieser Art: Zwei Menschen starben, drei wurden verletzt.

Warum der Mann, der in einem Problemviertel im Gladbacher Osten gewohnt haben soll, mit einer geladenen Waffe — unbestätigten Berichten zufolge eine Gaspistole — loszog, um Autos aufzubrechen, konnten Polizei und Staatsanwaltschaft noch nicht sagen. Auch zum weiteren Tathergang und zur Frage, ob der Mann möglicherweise unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand, wollten sie keine Angaben machen.

"Möglicherweise wissen wir am Dienstag Genaueres", sagte Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff. Mit mehreren unbeteiligten Zeugen hat die Polizei bereits gesprochen, aufgrund der in unmittelbarer Nähe stattfindenden Rheydter Spätkirmes müsse es jedoch weitere geben, sagt ein Sprecher.

"Insbesondere suchen wir nach dem Fahrer eines Twingo, der im Bereich der Unterführung rückwärts aus dem Schussfeld herausfuhr." Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 02161/290 entgegen. Die beteiligten Polizisten, dem Vernehmen nach allesamt erfahrene Beamte, blieben bei den Schusswechseln unverletzt.

Wie in solchen Fällen üblich werden sie von Polizeiseelsorgern und einem neunköpfigen Team aus Polizeimedizinern und speziell geschulten Beamten betreut, das in NRW rund um die Uhr erreichbar ist. Innerhalb von zwölf Stunden sollen die Männer und Frauen ihren Kollegen bei möglicherweise traumatisierenden Erlebnissen beistehen.

Der Essener Polizeioberrat Thorsten Güth ist Mitglied dieser Mannschaft. Er weiß, wie schnell sich bei den Betroffenen Gefühle von Hilflosigkeit und Verzweiflung bemerkbar machen können. Daher sei es wichtig, dass die Betreuer innerhalb der ersten zwölf Stunden mit den am Einsatz beteiligten Beamten sprechen. Im Notfall kann dann schnell psychologische oder weitere medizinische Hilfe veranlasst werden.

Selbst wenn die Schüsse moralisch und juristisch nicht zu beanstanden seien, müsse man doch mit der Tatsache klar kommen, dass man einen Menschen erschossen habe. "Viele bekommen das einfach nicht aus dem Kopf", sagt Güth.

"Zudem wird in solchen Fällen eine Mordkommission gebildet, und es gibt ein Ermittlungsverfahren. Auch das belastet." Die westfälische Polizeipfarrerin Astrid Taudien musste bereits drei Mal Polizisten betreuen, die im Dienst Menschen erschossen haben.

"Jeder verkraftet das anders. Es gibt Polizisten, die nach so einem Ereignis nicht mehr Dienst tun können." Die Betreuer wissen: Erst wenn sich innerhalb von vier Wochen nach den tödlichen Schüssen keine Trauma-Symptome zeigen, kann der Polizist sicher sein, dass er das Ereignis verkraftet hat.

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