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Mönchengladbach: Gladbacher mit Herz und wider Willen

Mönchengladbach : Gladbacher mit Herz und wider Willen

Eigentlich wollte Dr. Heinz Oberlack gar nicht nach Mönchengladbach. Er wurde dennoch Stadtkämmerer, Stadtwerke- und Flughafenchef – ein sehr erfolgreicher Mann, 30 Jahre lang. Die Stadt ist ihm so ans Herz gewachsen, dass er schon bald nie mehr weg wollte. Und die Leute hier schätzen und lieben ihn wegen seiner sehr menschlichen Art.

In Düsseldorf hat man einmal, ein wenig genervt, gesagt: "Dieser Oberlack ist ein harter Knochen." Das war Mitte der 80er Jahre, als die Verhandlungen um die Gründung der gemeinsamen Flughafengesellschaft der Landeshauptstadt und Mönchengladbachs liefen. "Wir haben damals einen Vertrag ausgehandelt, der noch heute dazu führt, dass Düsseldorf den größten Teil des Defizits trägt", sagt der heute 81-jährige Dr. Heinz Oberlack stolz.

Als harten Knochen wie in Düsseldorf hat man den Juristen in Mönchengladbach nie kennengelernt, jedenfalls nicht nach außen. Nicht in den 22 Jahren als Stadtkämmerer und auch nicht in den acht Jahren als Chef der damaligen Stadtwerke (heute NVV), dazu später auch noch des Gladbacher Flughafens. Dr. Oberlack setzt auf Konzilianz und gute Umgangsformen, auch wenn er in der Sache knallhart sein muss: "Ich war sicher nicht immer einfach, auch wenn ich stets freundlich war. Der liebe Junge konnte ich halt nicht immer sein."

Heinz Oberlack, der Junge aus dem rheinischen Rommerskirchen, war auch nie der Typ des smarten Managers. Er hat sich zwar auch mal im Dienstwagen chauffieren lassen, doch lieber und zumeist ging er zu Fuß vom Bunten Garten ins Büro nach Waldhausen und am Alten Markt oder er fuhr mit dem "diensteigenen" Bus zu den Stadtwerken. Was die Meinung entstehen ließ, er habe gar keinen Führerschein. "Von wegen!", erwidert Oberlack. "Als ich nach dem Jurastudium Assessor bei der Regierung in Düsseldorf war, konnte ich ihn bei der Polizei machen." Kostenfrei, versteht sich. Und Heinz Oberlack erwarb die Fahrerlaubnis: "Ich dachte, mir irgendwann mal einen VW-Käfer kaufen zu können."

Doch diese Rechnung ging nicht auf: "Als ich den Führerschein hatte, kam ein Kind nach dem anderen. Und so habe ich immer wieder Kinderwagen gekauft statt einen Käfer." Vier kleine Oberlacks wurden es. Als die auf eigenen Füßen standen, fehlte dem Vater jegliche Fahrpraxis. Und weil er für größere Strecken auf einen Dienstwagen zurückgreifen konnte und er sich ausrechnen konnte, dass für die wenigen Privatfahrten das Taxi billiger wäre, wurde auch da kein Auto angeschafft. Bis er irgendwann seiner Frau Edith dann doch eines kaufte: Damit sie die Familie am Wochenende fahren konnte oder in den Südschwarzwald. Dort haben die Oberlacks eine kleine Ferienwohnung, seit er Pensionär ist. "Als wir sie erworben haben, habe ich gesagt, dass das investierte Kapital auch genutzt werden muss, wir mindestens 90 Tage im Jahr dort sind. Und bis auf eine krankheitsbedingte Ausnahme waren wir das auch immer", berichtet Oberlack. "Aber bis heute habe ich nícht selbst am Steuer gesessen."

Rheinische Lebenslust und Frohsinn, gepaart mit Sinn für Sparsamkeit und hohe Fachkompetenz: Das macht Dr. Heinz Oberlack aus. Das erkannte wohl auch schon 1964 der Alt-Gladbacher Stadtrat, als er den mit 34 Jahren für ein solches Amt noch sehr jungen Juristen aus dem Düsseldorfer Finanzministerium einstimmig zum Kämmerer wählte – sehr zu dessen Entsetzen, wie Oberlack erschrocken zugab: "Ich wollte doch gar nicht wirklich nach Gladbach." (Siehe unten)

Doch Heinz Oberlack lernte sehr bald seine neue Heimat zu schätzen und zu lieben. "Freundlichkeit, auch gegenüber Fremden, Gelassenheit, Verständnis für den anderen, nicht alles so tragisch nehmen": Das schätzt er am Gladbacher. Und auch der Gladbacher hat ihn sehr schnell schätzen und lieben gelernt. Wegen seiner menschlichen Art ("Wenn ich heute an einer Haltestelle stehe, kurbeln ältere Busfahrer noch immer das Fenster runter und fragen: ,Wie geht es, Chef?'"). Oder auch wegen seiner humoristischen Ader, die zur besten Zeit des närrischen CDU-Karnevals im Haus Baues und beim Prinzenempfang im Rathaus die Zuhörer begeisterte.

Heinz Oberlack hat immer überzeugt, auch wenn er Aufgaben übernahm, die er zunächst nicht wollte. Zuallererst die des Kämmerers, wie erwähnt. Dann auch die des Chefs der Stadtwerke. Weil er die städtischen Finanzen im Griff hatte und als "Macher" mit Menschlichkeit ebenso wie mit Erfolg galt, übernahm er 1986 auf Drängen der Stadt die schwierige Aufgabe, das nach dem nicht wirklich vollzogenen Rückzug des immer noch überall präsenten Chefs Hanns Tils ins Schlingern geratene Stadtwerke-Schiff wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Er löste die Aufgabe souverän, ebenso wie die der zusätzlichen Zwangsverpflichtung als Flughafenchef, der den vertrackten Vertrag mit Düsseldorf aushandelte.

Als er 65 wurde, hat er den Job quittiert. "Doch in die Verlegenheit, nur noch den Garten zu haben wie viele andere", ist er nie gekommen. Heinz Oberlack hat 1995 eine neue Aufgabe übernommen: als Vorsitzender des Münsterbauvereins. Im Vorstand war er schon viele Jahre. Und als "Ruheständler" übernahm er dann den Vollzeitjob, sich um die Sanierung bzw. Rettung des Gladbacher Münsters zu kümmern. Knapp sieben Millionen Euro hat sie gekostet, knapp zwei Millionen davon haben, als das Bistum nichts mehr geben konnte, der Münsterbauverein bzw. die Aktion "SOS – Gladbacher Münster" aufgebracht. Nun, mit 82 Jahren, sucht Dr. Oberlack einen Nachfolger. Doch das gestaltet sich schwierig. Auch, weil der Münsterbauverein unter Mitgliederrückgang leidet. "Die Sanierung ist zwar über die Bühne. Doch man darf nicht denken, damit wäre das Münster für immer in Ordnung. Der Verein muss am Leben gehalten werden. Denn bei Denkmälern gibt es nun mal immer ein rauf und runter", sagt Dr. Heinz Oberlack.

(RP)